Berlinale 2022 Film Kritik: "Der Passfälscher"

Berlinale 2022 Film Kritik: "Der Passfälscher"

Produktion: Deutschland / Luxemburg | Laufzeit: ca. 116 Minuten | Regie: Maggie Peren
Mit: Louis Hofmann, Jonathan Berlin, Luna Wedler

Weltpremiere bei der Berlinale (So 13.02. 2022) | FSK: noch keine Wertung


Inhalt: Berlin, 1942. Cioma Schönhaus ist entschlossen, sich von den Nazis nicht die Liebe zum Leben nehmen zu lassen. Sein Talent, Dokumente – insbesondere Pässe – zu fälschen, nutzt der junge jüdische Mann als Möglichkeit, um sich und anderen zu helfen und der Deportation zu entkommen.

Mit der Fähigkeit, neue Identitäten zu erschaffen, seinem Einfallsreichtum und Charme entgeht er den Behörden: Zusammen mit seinen Freund*innen Det und Gerda gelingt es ihm, vor aller Augen eine Scheinexistenz aufzubauen.

Sogar eine zarte Liebe in scheinbar hoffnungslosen Zeiten ist ihm vergönnt. Doch je mehr Leben die drei retten, desto fester zieht die Schlinge sich um sie zu.

Der Passfälscher | The Forger von Maggie Peren – © DREIFILM – Berlinale 2022

„Cioma kannst du etwas schneller machen!“ „Det, wir verstecken uns nicht.“ Wenn man Cioma Schönhausens Lächeln sieht, könnte man glatt vergessen, dass zur gleichen Zeit Krieg herrscht.

Cioma, der sich gerne auch mal Peter nennt, wohnt zusammen mit seinem besten Freund Det in der Wohnung seiner Eltern, die schon in den Osten transportiert wurden. Cioma ist freigestellt und arbeitet in der Rüstungsindustrie.

Doch eines Tages entdeckt er sein Talent als Dokumentenfälscher. Von nun an fälscht er jüdische Pässe. Während die Situation sich verschärft, tarnt der Protagonist sich als deutscher Offizier im Urlaub und führt Gerda aus, die er in seiner Verkleidung kennengelernt hat. Je gefährlicher die Lage in Berlin allerdings wird, desto mehr Tricks muss er aufbieten, denn sein Versteckspiel scheint nicht länger zu funktionieren.

Wenn man über den zeitgenössischen deutschen Film Bilanz zieht und feststellt, dass er inhaltlich
nicht viel mehr zu bieten hat als Komödien, Dramen und geschichtlichen Content, so ärgert man sich
zunächst, dass man nun wieder einen Film über den Nationalsozialismus vor sich hat. Es scheint fast
so, als würden Autoren immer wieder nach Themen aus dieser Zeit graben, die noch nicht erzählt
wurden.

Louis Hofmann, Joscha Schönhaus – Der Passfälscher | The Forger von Maggie Peren – © DREIFILM

Schwacher Beginn – starker Abschluß

Nun hat aber vor allem Louis Hofmann, dessen gerne mal auch sehr leidvolles Gesicht man nur zu gut
aus der Serie Dark kennt, eine Gabe, die er hier wunderbar einsetzt. Er spielt mit einer lockeren,
leichten und charmanten Art, die dem Film seine schwere nimmt. Das unterscheidet den Passfälscher
stark von anderen Filmen, die sich mit dem Dritten Reich beschäftigen.

Ciomas Selbstverständlichkeit, mit der er sich tarnt, schützt ihn. Trotz des historischen Settings steht
weniger die deutsche Geschichte im Vordergrund als vielmehr die Figur Cioma Schönhausen. Die
wenigen drastischen oder gewalttätigen Szenen fallen im Vergleich zu manch anderem Film moderat
aus.

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Auf der anderen Seite werden so die teils subtilen Strategien des Nazi-Regimes dargestellt, die
mindestens genau so brutal sind. Die Schwäche des Films liegt vor allem im Einstieg. Schon zu Beginn spart die Handlung einen großen Teil der Geschichte um Schönhausen aus.

Wir wissen nicht, wieso Cioma noch in Berlin weilt, während seine Familie bereits abtransportiert wurde. Gerne hätte man auch mehr über die Figur des Cioma erfahren und wieso diese alles so optimistisch betrachten kann, während eigentlich doch alles um ihn herum zu zerfallen droht.

Der Passfälscher | The Forger von Maggie Peren – © DREIFILM

Bitte Lächeln !

Dafür sind die Stärken dieses biografischen, historischen Dramas umso wirkungsvoller. Was man
häufig nicht gewöhnt ist und was auch in „Hello Again“ von Maggie Peren nicht immer funktioniert
hatte, sind die gut geschriebenen Dialoge. Vielleicht wirken hier auch die überzeugenden Schauspielkünste der Darsteller.

Aber im Gegensatz zu den sonst so platten poetischen Versuchen der deutschen Drehbuchautoren, die meistens sehr künstlich klingen, hat man hier das Gefühl, echte Charaktere sprechen zu hören, anstatt ein vorgefertigtes Drehbuch vorgelesen zu bekommen. Die technischen Aspekte sind in „Der Passfälscher“ so unaufwändig, dass sie nicht wirklich erwähnenswert sind. Szenenbilder aus dem Dritten Reich kreieren kann der deutsche Film genauso gut, wie Geschichten aus dieser Zeit erzählen. Die unauffällige Kamera bietet zwar nicht viel Neues, gibt der Figur aber mehr Raum.

Nina Gummich als Hausbesitzerin spielt neben Hofmann ebenfalls stark. Sie verkörpert die Rolle
einer Frau, die sich unbedingt an alle vorgeschriebenen Regeln halten will, dabei im ersten Moment
sehr autoritär wirkt aber auch eine andere, weichere Seite hat.

Louis Hofmann, wie schon erwähnt, spielt herausragend. Das immer fröhliche Lächeln auf den Lippen das er fast nie ablegt, selbst wenn ihn die Trauer übermannt. Dann lächelt er, während ihm die Tränen über die Wangen laufen. Auch als sein Lächeln dann gegen Ende kurzzeitig verschwindet, findet er es wieder.

Fazit: Manchmal wünscht man sich doch auch etwas von solch einer Gabe zu besitzen,
in allem das Positive zu sehen und in jeder Situation ein Lächeln zu finden. Und dieses Lächeln ist es,
welches den Film trägt. Trotz des schweren Themas geht der Zuschauer leichtfüßig aus dem Saal.

Film Bewertung 9 / 10

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