Captain America und die Flag Smashers | Von Idealismus und Symbolen einer vergangenen Ära

Captain America und die Flag Smashers |  Von Idealismus und Symbolen einer vergangenen Ära

Episode 4 von The Falcon and the Winter Soldier, „The Whole World is Watching“, endet in einem brutalen Akt der Raserei. Nach dem plötzlichen Tod seines Waffenbruders Lemar Hoskins/Battlestar (Cle Bennett) jagt ein wütender John Walker (Wyatt Russell) einen von Karli Morgenthau’s Flag Smashers, Nico – derjenige, der erwähnte, dass er damals Captain America vergötterte- und schlägt ihn brutal zu Tode.

Umgeben von Menschen, die mit ihren Smartphones, diesen blutgetränkten Mord aufnehmen, sieht man in der letzten Einstellung, wie John ein einst mächtiges, jetzt blutiges Schild hält – ein Bild, das wir nicht mit Steve Rogers (Chris Evans) oder gar Disney in Verbindung bringen würden.

Der neue Captain America ist außer Kontrolle
© Marvel / Disney+

#NotOurCap wurde zum Trend im Marvel Cinematic Universe. In Episode 5, „Truth“, wird John sein Sternentitel aberkannt, weil er Steves Schild als Mordwaffe benutzt – ein entscheidender Moment, der die Unterschiede zwischen unseren beiden Captain Americas und ihre Herangehensweise an diejenigen, die ihre Freunde und Philosophien bedrohen, hervorhebt. Die Mid-Credits-Szene in „Truth“ zeigt John, wie er ein Cosplay-Schild bastelt, während er sich darauf vorbereitet, Karli und vermutlich eine ganze Reihe von Flag Smashers zu ermorden.

Ironischerweise spiegelt Johns Mord an einem wehrlosen Feind das Ende von Steve und Tony Starks Kampf in Captain America: Civil War. In diesem Film weigert sich Steve, das Sokovia-Abkommen zu unterzeichnen, ein Gesetz, das der Regierung die Kontrolle über die Avengers geben würde. Dies, zusammen mit Baron Zemos Verleumdung von Bucky Barnes und der Enthüllung, dass Bucky (als Winter Soldier) Tonys Eltern getötet hat, führt zu diesem herzzerreißenden Showdown mit Iron Man.

Tony ist schließlich wehrlos, als Captain America seinen Schild erhebt und ihm die Brust zerquetscht. Zum Pech für Nico ist das Ziel von Cap 2.0 kein Lichtbogenreaktor.

Tony Stark hat den Kampf gegen Captain America verloren
Iron Man am Boden in „Civil War“ © Marvel / Disney+

Disney`s Serie ist eine Dekonstruktion heldenhafter Symbolik

In Civil War sind Tonys letzte Worte an Steve: „Du verdienst es nicht! Mein Vater hat diesen Schild gemacht!“ Steve wirft den Schild beiseite, denn für ihn geht es nicht um die, mit Sternen garnierte Symbolik. Im Gegensatz zu John ist Steve bereit, sowohl sich selbst als auch sein Land in Frage zu stellen. Es ist sicher, dass Tony, wenn er in The Falcon and the Winter Soldier noch da wäre, ohne Wut, das Gleiche zu John gesagt hätte.

Die Serie selbst dreht sich um den Kampf und um die Verantwortung, das Schild tragen zu dürfen und wird von Steves Abwesenheit verzehrt. Sein gewaltiges Vermächtnis motiviert Sam Wilson/The Falcon (Anthony Mackie), das Schild aufzugeben. Des weiteren erzählt sie von der Ernennung von Walker zum neuen Captain America und dem Wunsch der Flag Smashers, nationalistische Propaganda wie „Captain America“ zu entlarven – was ihnen gelang, ohne John jemals tatsächlich zu töten.

All das wirft die Frage auf: Wenn Steve immer noch als Captain America aktiv wäre, wie würde er mit den Flag Smashers und ihrer speziellen Agenda umgehen?

Was würde Steve Rogers tun? ©Marvel / Disney+

In Episode 4 von „Der Falke und der Wintersoldat“ spricht Sam über das Leben während des Blips und kann sich in die Notlage der Flag Smashers hineinversetzen:

Fünf Jahre lang wurden Menschen in Ländern aufgenommen, die sie mit Stacheldraht ferngehalten haben. Es gab Häuser und Arbeitsplätze. Die Leute waren froh, Menschen um sich zu haben, die ihnen beim Wiederaufbau helfen. Es war nicht nur eine Gemeinschaft, die zusammenkam. Es war die ganze Welt, die zusammenkam. Und dann, bumm. Einfach so, und alles ist wieder so, wie es einmal war.

Das Global Repatriation Committee (GRC) des Falcon And The Wintersoldiers will „die traditionellen Grenzbestimmungen wiederherstellen und die Rückkehr zur Normalität beschleunigen.“ Ihre Lösung: eine Gesetzgebung, bekannt als „The Patch Act“, und ein neuer „Held“. In dieser Hinsicht ist „The Falcon and the Winter Soldier“ eine umgekehrte Fortsetzung von „Civil War“; anstelle des Sokovia-Abkommens und eines missbilligenden Caps gibt es „The Patch Act“ und einen übermütigen Helden. Wo es bei Steve um die Freiheit und den Kampf als letzten Ausweg ging, denkt John, dass die Menschen sich fügen sollten und steht für Ordnung und einen unterdrückenden Polizeistaat.

Der Comic-John Walker wurde 1986 als Steves polares Gegenteil erdacht und repräsentiert alles, was mit Patriotismus nicht stimmt. Ein Nebenprodukt des Nationalismus und seines prekären moralischen Kompasses. In der Serie beginnt John seine Amtszeit als Captain America auf die gleiche Weise wie Steve als Propaganda. Anstatt Hitler und seine Schergen zu bekämpfen, gibt er Interviews mit Good Morning America, um das Land von seiner Sicherheit und Überlegenheit zu überzeugen.

Auf dem Weg zum Finale von The Falcon and the Winter Soldier wird John wahrscheinlich den Spitznamen „US Agent“ annehmen, eine weniger heldenhafte (und viel wütendere) Version von Captain America.

Steve Rogers mit Thors Hammer in Endgame
Ob man würdig ist oder nicht – gilt nicht nur für Thor’s Hammer Mjölnir ©Marvel / Disney+

The Flacon and The Wintersoldier seziert den Idealismus

Das führt natürlich zu Zemos Überlegenheitsargument bezüglich der Supersoldaten – eine Macht, die so ziemlich jeden außer Steve korrumpiert hat. Dies anerkennend, fragt sich sogar John (obwohl er sich manchmal berechtigt fühlt), ob er das Supersoldaten-Serum nehmen soll oder nicht. Letztendlich tut er es, weil er verzweifelt ist, den Erwartungen gerecht zu werden und Leben zu retten. Unweigerlich macht das Serum alles noch schlimmer…dramatisch. Als er von Zemo gefragt wird, ob er das Serum jemals nehmen würde, sagt Sam rundheraus nein.

In Captain America: The First Avenger will Steve nicht unbedingt ein Supersoldat sein. Er will seinen Teil beitragen und ist durch seine körperlichen Einschränkungen motiviert, ein Wissenschaftsprojekt zu werden, aus dem gleichen Grund, aus dem George Washington Präsident wurde: Jemand musste es tun. Wie George (der auch König hätte werden können), war Steve nie jemand, der die Meinung anderer Leute ablehnte. Unser Mann mit den Sternen war ein ethischer Gott (Steve, nicht George), der Mjölnir würdig war. Aber, wie Karli es ausdrückt, Steve und sein Schild sind Symbole einer „vergangenen Ära“.

Mit The Falcon und dem Winter Soldier sezieren die Marvel Studios den Idealismus, indem sie das Vermächtnis von Captain America durch die Einführung von Charakteren wie Isaiah Bradley neu gestalten – Helden/Führer, die in verdrehter Treue zu einem Archetyp beiseite geschoben wurden. Die zeitgenössische Antwort auf Steve ist Sam, auch wenn er unmöglich verstehen kann, wie es sich für einen schwarzen Mann anfühlt, den Schild in die Hand zu bekommen.

Anthony Mackie akla Sam Wilson aka The Falcon aka der neue Captain America
Anthony Mackie vor einer schweren Entscheidung, als Schwarzer Mann in den USA, die Rolle des Captain America zu übernehmen.
©Marvel / Disney+

Steves Antwort auf eine neue, geteilte Welt (voller Flag Smashers) ist Sam.

Sam versucht, mit Karli zu reden und appelliert an ihre Menschlichkeit, indem er sagt, dass die Welt „[nicht] ein besserer Ort ist, wenn man Menschen tötet. Es ist einfach anders.“ Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, dass Steve das Gleiche gesagt hat. Steve hat vielleicht sogar mit ihr über das Serum gesprochen und ihr erzählt, wie es sie verändert hat und alles, was einen Menschen ausmacht, verstärkt hat. An Johns Stelle hätte er es Sam überlassen, damit umzugehen. In der Tat ist es genau das, was er tut.

Am Ende von Avengers: Endgame reicht ein älterer Steve das Schild an Sam weiter, der das Schild annimmt. Steve fragt dann, „wie fühlt es sich an?“ Worauf Sam antwortet: „Als ob es jemand anderem gehört.“ Sam erinnert sich an diesen Moment im Pilotfilm von The Falcon and the Winter Soldier und nennt ihn als Grund dafür, dass er den Schild dem Smithsonian gespendet hat, weil es nie einen anderen Steve Rogers gegeben hat und auch nie geben wird. Das Lustige daran ist, wenn ihre Positionen umgekehrt wären, hätte Steve sich auch als unwürdig für den Schild angesehen. Deshalb gehört es Sam.

Steves Art, mit allen zukünftigen Bedrohungen umzugehen, war es, Sam zu verpflichten. Wie Sam es in der vorletzten Folge ausdrückt: „Steve ist weg. Und das mag eine Überraschung sein, aber es spielt keine Rolle, was Steve dachte.“ Daher hat er sich in gewisser Weise bereits um die Flag Smashers gekümmert. Ob er nun auf dem Mond ist, in einer anderen Zeitlinie, oder sich nur versteckt und Whiskey schlürft, Cap ist weg. Wir haben es mit einem MCU der neuen Schule zu tun, eines, das blutgetränkte Schilde und moralische Zweideutigkeit genießt.

The Falcon and the Winter Soldier wird seine fesselnde Darstellung eines unheimlichen politischen Klimas damit abschließen, dass Sam mit Vibranium-Flügeln und einem einst blutigen Schild einfliegt. Er wird die Situation mit den Flag Smashers entschärfen und sich wahrscheinlich ähnlich wie Steve in The Winter Soldier an die Welt wenden, indem er den Patch Act missbilligt und nicht für den alten Weg oder eine andere Welt wirbt, sondern für eine bessere.

„Ein Freund von mir sagte einmal: „Der Preis der Freiheit ist hoch – das wird er immer sein.“

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