Cobra Kai Staffel 3 | Serien Kritik

Cobra Kai Staffel 3 | Serien Kritik

Erstausstrahlung: 2. Mai 2018 / Youtube Premium

Sender: Netflix

Länge: ca. 30 bis 35 Minuten / Staffeln: 3


Story:

Eine Fortsetzung von “Karate Kid”, die heute, mehr als drei Jahrzehnte nach den Ereignissen des Films, stattfindet. Johnny, der Erlösung sucht, eröffnet das Cobra-Kai-Dojo wieder und lässt seine Rivalität mit Daniel wieder aufleben. Die beiden Männer werden mit den Dämonen der Vergangenheit und den Frustrationen der Gegenwart konfrontiert.


Die Ankündigung der Staffel 3 und 4 des Karate Kid Nachfolgers bei Netflix im Trailer online.
©Netflix

Serien Kritik:

von Ilija Glavas

Die Story von Eagle Fang und Miyagi – do

Cobra Kai ist ein kleines Wunder. Es handelt sich um eine extrem verspätete TV-Fortsetzung und ein Spin-Off der Karate-Kid-Filme aus den 80er Jahren, die für den inzwischen eingestellten Premium-Dienst YouTube Red produziert und anschließend von Netflix übernommen wurde, wo sie zu einem Mundpropaganda-Phänomen geworden ist.

Die ca. halbstündigen Episoden sind teils Mini-Action-Filme, teils Sitcoms, teils High-School-Comedy-Dramen, die alle in einem selbstbewussten Kitsch-Stil gedreht wurden, als ob sie vor 30 Jahren gedreht worden wären, wobei auch tatsächliches Material aus den 80er-Filmen verwendet wurde. Stellt euch mal vor, “The Mandalorian” schneidet plötzlich zu einer Szene aus “Das Imperium schlägt zurück”, um einen Handlungspunkt zu illustrieren.

Und in der Serie spielen zwei Mittfünfziger – William Zabka und Ralph Macchio – ihre Rollen aus den Originalfilmen wieder und sind häufig in einem regelrechten Martial-Arts-Wahn verstrickt. Oder zumindest tun das ihre brillanten Stuntdoubles.


Serien Kritik zu Cobra Kai Staffel 3
©Netflix

Referenzen und Meta Ebenen

Diese Serie ist so Meta, dass sie einen laufenden Kommentar über sich selbst liefert. In der Premiere von Staffel 3 zum Beispiel, als der Elternbeirat der West Valley High darüber debattiert, ob Karate nach der Schlägerei am Ende von Staffel 2 verboten werden soll, und es sich langsam wie in Footloose anfühlt, sagt Macchios Charakter Daniel LaRusso: “Es gibt keinen Grund, dies in ein Karate-Footloose zu verwandeln.”

Als Daniel dann beschließt, sich mit seinem lebenslangen Rivalen Johnny Lawrence (Zabka) zusammenzutun, um Johnnys entfremdeten Sohn zu finden, fangen sie an, Buddy-Cop-Film-Klischees zu verbreiten, und Daniels Frau Amanda (Courtney Henggeler) reagiert mit: “Was seid ihr, Tango und Cash?” “Tango und Cash waren Drogenfahnder”, antwortet Johnny. “Das ist etwas ganz anderes.”


Cobra Kai mit Johnny und Daniel LaRusso
Szene aus Staffel 2 von Cobra Kai ©Netflix

William Zabka als Johnny spielt sich in die Herzen der Fans

Irgendwie fühlt sich dieser clevere, selbstreferenzielle Scherz nie selbstgefällig an, vor allem, weil wir uns um die Figuren kümmern, die ihn aussprechen.

Der Konflikt zwischen den alternden Karate-Kämpfern baut auf den Stärken der Schauspieler auf, und die Aufmerksamkeit liegt dieses Mal genauso auf Zabkas trotteligen Johnny wie auf Macchio’s, manchmal stock-steifen, Daniel LaRusso. Die Meister-Schüler-Beziehung in Cobra Kai, die an die Beziehung zwischen Daniel und Mr. Miyagi in Karate Kid erinnern soll, ist die zwischen Johnny und seinem geschundenen Teenager-Nachbarn Miguel (Xolo Mariduena).

Als Miguel im Krankenhaus landet, möglicherweise gelähmt, gehören zu Johnnys urkomisch verzweifelten Versuchen, ihm bei der Genesung zu helfen, das Anzünden seiner Beine und die Mitnahme zu einem Heavy-Metal-Konzert von Dee Snider von Twisted Sister.


Martin Kove als Kreese in Cobra Kai
Johnny und sein ehemaliger Sensei John Kreese ©Netflix

In der dritten Staffel gibt es für Johnny noch mehr wahnsinnig unsinnige Verwicklungen als zuvor, während Macchio’s Daniel noch mehr zu tun bekommt. Vor allem bei seinem Besuch in Japan, der zu einer Rechtfertigung dafür wird, noch mehr Cameos der Originalbesetzung von Karate Kid einzubauen.

Es hat etwas Bewegendes, diesen Schauspielern dabei zuzusehen, wie sie die unerwartete Chance bekommen, goldene Momente ihrer Karriere wieder aufleben zu lassen. Und sie sind sichtlich erfreut, ihre Rollen wieder zu spielen, nachdem wir sie drei Jahrzehnte lang nicht mehr gesehen haben. Ihre Spielfreude ist in jeder Szene Spürbar.


Cobra Kai 3
Johnny hilft Miguel auf seine Weise wieder auf die Beine zu kommen ©Netflix

Fazit: Die Cobra Kai Serie macht dort weiter wo sie aufgehört hat und so vieles richtig. Erneut schafft es die Serie ihr Level zu halten. Neben viel Fanservice, ohne überfrachtet zu wirken, funktioniert hier vor allem die Vorliebe der Serie für die Einbindung von Filmmaterial sehr gut.

Diese eingeflochtenen Sequenzen sind warmherzig – nostalgisch und doch mit einer Prise ironischen Witz gespickt. Ganz wie die gesamte lebensbejahende Serie. Die Info, dass noch zwei weitere Staffeln folgen sollen – macht die Vorfreude, bei dieser Qualität – umso grösser.

Wertung: 8 / 10


Trailer zu Cobra Kai Staffel 3

Cobra Kai Staffel 3 – Trailer ©Netflix


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