"Come On, Come On" erforscht Bedürfnisse, Ängste und Hoffnungen

"Come On, Come On" erforscht Bedürfnisse, Ängste und Hoffnungen

Genre: Drama | Produktion: USA 2021 | Laufzeit: ca. 114 Minuten | Regie: Mike Mills

Mit: Joaquin Phoenix, Woody Norman, Gaby Hoffmann, Scoot McNairy, Jaboukie Young-White u.a

| FSK: Ab 6 Jahren | Kinostart: 24. März 2021


Inhalt: Der Radiojournalist Johnny (Joaquin Phoenix), der ein Interview mit jungen Leuten in ganz Nordamerika führt, bietet seiner Schwester Viv (Gaby Hoffman) an, sich um ihren Sohn Jesse (Woody Norman) zu kümmern und entdeckt dabei die Freude und die Frustration, die die Betreuung eines Kindes mit sich bringt. Währenddessen muss sich Viv mit der psychischen Verfassung ihres Mannes (Scoot McNairy) auseinandersetzen.

© A24

Jonny (Phonix) arbeitet in New York als Radiomoderator. Nach einer langjährigen Beziehung ist er nun wieder Single und geht ganz in seiner Arbeit auf. Er interviewt Kinder und stellt ihnen Fragen zu Themen, zu denen sonst meist nur Erwachsene befragt werden.

Johnny will die Welt aus den Augen der Kinder betrachten. Dazu bekommt er auch eine Chance als er auf den Sohn seiner Schwester aufpassen muss. Der neunjährige Jesse war noch nie von seiner Mutter getrennt und Jonny musste noch nie auf ein Kind aufpassen.

Für beide ergibt sich daraus eine grundlegend neue Situation. Während Jonny feststellt das Eltern eines Kindes zu sein einen vor Herausforderungen stellt, aber auch wunderschön sein kann, lernt Jesse durch das Mikro von Jonny und dessen Kopfhörer, die Welt anders wahrzunehmen.

Jesse möchte Jonny aber kein Interview für dessen Projekt geben, viel eher möchte er Jonny interviewen. Und während ihrer gemeinsamen Zeit bauen die beiden zueinander eine tiefe Bindung auf, welche sonst nur Eltern vergönnt ist.

Joaquin Phoenix im Film Come On, Come On trägt Woody Norman Huckepack
© DCM Film Distribution / A24

Zeitlosigkeit in schwarz-weiß

Ein wunderschönes schwarz-weiß Porträt einer fast schon Vater-Sohn ähnlichen Beziehung. Das Drama,
das einen vor allem durch die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern beeindruckt, aber auch
durch die Wucht mit welcher Woody Norman, als Jesse, sich in die Herzen der Zuschauer spielt.

Dabei hat er nicht nur den niedlichen Blick eines Kindes drauf, sondern auch das Gefühlschaos welches einen neunjährigen, der für längere Zeit von seiner Mutter getrennt ist und auch vom Vater erst vor kurzem verlassen wurde, begleitet. Er spielt einen Jungen, in welchem schon ein kleiner Erwachsener wohnt und der mit seinen altklugen Bemerkungen, aber auch seinen frechen nervigen Worthülsen, manchmal aus der Reihe tanzt.

Die Dokumentarform ähnlichen Zwischenschnitte der Interviewschnitzeln von Jonny ergeben einen
wunderschönen Rahmen, in den die Geschichte mit Jesse und ihm eingebettet wird. Dabei schafft der
Stil der entsättigten farblosen Bilder nicht nur eine gewisse Ruhe entstehen zu lassen, sondern auch
eine Zeitlosigkeit.

Joaquin Phoenix und Woody Norman am Strand
© DCM Film Distribution

Die Macht der Liebe zu seinem Kind

Ein wenig erinnert es an „Oh Boy“ von Jan-Ole Gerster, wo der Charakter von einer gewissen Rastlosigkeit getrieben wird. Diese Rastlosigkeit wohnt auch in Jonny inne, welcher nur sein Projekt beenden will als Jesse in sein Leben platzt.

Eine Szene bleibt auch nachhaltig in Erinnerung. Als Jonny seine Schwester anruft, um von einem besonders schwierigen Tag zu berichten und das er Jesse wütend angeschrien hat, weshalb er sich
Vorwürfe macht. Seine Schwester erwidert nur, dass ihr dies auch schon passiert sei. So simpel und
ohne anklagenden Unterton.

In dieser Situation begreifen Jonny, und auch der Zuschauer, die Macht der Liebe zu seinem Kind, oder in dem Fall dem Kind der Schwester, und das nicht immer alles nach Plan verlaufen kann. Liebe, Aufopferung, Verzweiflung und Sorge gehen bei Jonny Hand in Hand, nachdem er Zeit mit Jesse verbracht hat.

Joaquin Phonenix und Woody Norman
© DCM Film Distribution

Von der Kunst jemanden zuzuhören

Die Gefühle dieses Elternseins schafft Mike Mills in einem ehrlichen Porträt abzulichten. Die Annäherung eines Erwachsenen und einem Kind, die Lernprozesse welche bei Jonny während dieser Phase entstehen. Mit einem Kind ist eben auch der Einkauf einer Zahnbürste manchmal komplizierter als zunächst gedacht.

Der Film entsteht nach einem Gespräch zwischen Mills und seinem Sohn, während sein Sohn in der Badewanne sitzt. Genau das scheint der Film zu sein, ein Gespräch mit einem Kind, um dessen Bedürfnisse und Ängste und Hoffnungen zu verstehen, um die Welt für einen Augenblick mit den einfachen Augen eines Kindes zu betrachten. Manchmal scheint dann alles so einfach und manchmal auch viel komplizierter.

Fazit: Mike Mills hat mit „Come on, come on“ ein Stück weit einen Film für die Ewigkeit gemacht. Die Liebe zu seinen Kindern bleibt, auch, wenn diese zu Erwachsenen werden. Genauso, wie die Darstellung von Phoenix und Norman in Erinnerung bleiben wird. Film Bewertung 8 / 10

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