"Don`t Look Up" ist eine vielschichtige Endzeit-Satire

"Don`t Look Up" ist eine vielschichtige Endzeit-Satire

Genre: Katastrophe / Fantasy | Produktion: USA 2021 | Laufzeit: ca. 145 Minuten | Regie: Adam McKay

Mit: Jennifer Lawrence, Meryl Streep, Leonardo DiCaprio, Jonah Hill, Mark Rylance, Lance Norris u.a


Inhalt: Nachdem die Astronomen Dr. Randall Minty (DiCaprio) und Dr. Kate Dibiasky (Lawrence) der Präsidentin Orlean (Streep) den Beweis vorlegen, dass ein Komet die Erde in sechs Monaten auslöschen wird, ernten sie Ablehnung. Also machen sich die Sterndeuter auf, um den Rest der Welt vom nahenden Ende zu überzeugen.

Wenn man für die Besetzung von Filmen Oscars vergeben würde, wäre Francine Maisler eine sichere Kandidatin für den Preis des Jahres 2022. Denn neben „Dune“ und „Being The Ricardos“ hat Maisler für „Don’t Look Up“ die wohl am stärksten vertretene Besetzung des Jahres zusammengestellt.

Schauspieler, die man nur mit Vornamen kennt: Leo, Meryl, Cate, Jonah, Timothée. Die Anziehungskraft liegt sowohl bei Regisseur Adam McKay (The Big Short und Vice haben ihn zu einem der führenden Schauspielermagneten etabliert) als auch bei der Prämisse. Don’t Look Up ist im Wesentlichen Deep Impact und Armageddon, allerdings mit mehr Hirn.

Möglicherweise beißt der Film mehr ab, als er kauen kann, aber es handelt sich um eine oft witzige, hochambitionierte geistige Nahrung. Und falls man denkt, dass dies ein umweltpolitisches Eitelkeitsprojekt von Leonardo DiCaprio ist, dann denkt man falsch.

Leonardo DiCaprio und Jennifer Lawrence steigen aus einer Transportmaschine aus
Leonardo DiCaprio und Jennifer Lawrence warten in Don`t Look Up auf die Apokalypse © Netflix Films

Zu Lustig um wahr zu sein – und gleichzeitig treffend

Im Mittelpunkt der Handlung stehen zwei Astronomen, Dr. Randall Minty (Leonardo DiCaprio) und Dr. Kate Dibiasky (Jennifer Lawrence), die nach Entdeckung eines Kometen, der direkt auf die Erde zusteuert, im Schnellverfahren ins Weiße Haus befördert werden.

Damit persifliert McKay so ziemlich jeden Aspekt des modernen Lebens – von gutmenschlichen Milliardären über Social-Media-Trennungen und heiterem Frühstücksfernsehen-Geplänkel bis hin zur Geopolitik.

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Am schärfsten nimmt McKay jedoch die vetternwirtschaftlichen republikanischen Politiker ins Visier: Präsidentin Orlean (Streep, ein Ass), die als kettenrauchende Regierungschefin den Armen vorschlägt, „bessere Lottozahlen“ zu wählen, sowie ihren Stabschef und Sohn Jason (Jonah Hill, der perfekt als Trump-Kind rüberkommt), der im dunkelsten Moment ein Gebet für „Drogenzeug“ spricht.

McKays Satire fühlt sich in ihrem politischen Fahrwasser zu lustig an, um wahr zu sein, und ist gleichzeitig treffend.

(L-R) Leonardo DiCaprio und Jennifer Lawrence versuchen in Adam Mckays "Don`t look up" die Welt zu retten. 
© Netflix Films
© Netflix Films

Von Popstars, Kometen und Seekühen

Nachdem sie im Oval Office zu kurz gekommen sind, weichen Randall und Kate von ihrem Plan ab, um die Welt auf den „Planetenkiller“ aufmerksam zu machen.

Dabei treffen sie auf eine ganze Reihe schillernder Persönlichkeiten: Einen Musk-artigen Tech-Giganten (Mark Rylance), der die Gutenberg-Bibel gekauft und dann verloren hat.

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Die unermüdlich optimistischen Morgenshow-Moderatoren (Tyler Perry, Cate Blanchett), eine Pop-Sängerin (Ariana Grande), die eine Rettungsstation für Seekühe unterstützt sowie die Debatte über die Frage „Existiert der Komet“? befeuert.

Dazu gesellt sich ein religiöser Skater-Boy (Timothée Chalamet), der Kate den dringend benötigten Trost spendet.

(L-R Jonah Hill, Leoonardo DiCaprio, Merryl Streep und Jennifer Lawrence in Don´t Look Up. © Netflix
(L-R Jonah Hill, Leoonardo DiCaprio, Merryl Streep und Jennifer Lawrence in „Don´t Look Up“ © Netflix Films

Ein Film über aktuelle Fehlentwicklungen der Gesellschaft

Lawrence und DiCaprio sind sympathische, aber nicht besonders vielschichtige Reiseführer durch das Chaos. Erstere mit Lisbeth-Salander-Haarschnitt und Attitüde, letzterer ein Nervenbündel (obwohl er einen großartigen Peter-Finch-in-Network-Zusammenbruch hinlegt).

McKays Regie bewegt sich gelegentlich im Tempo eines Katastrophenfilms (die Space-Shuttle-Starts sind beeindruckend) und legt zu anderen Zeiten Pausen ein, um das Leben angesichts der drohenden Zerstörung zu zeigen.

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Es ist ein Film über sehr aktuelle Probleme: wie wir es versäumen, persönliche Verantwortung zu übernehmen, sei es in Beziehungen oder auf politischer Ebene, wie Fachwissen ständig untergraben wird, und wie die Wahrheit in den Nachrichten auf der Strecke bleibt.

Fazit: Vielleicht passiert zu viel, und nicht alles davon funktioniert. Allerdings setzt McKay das Ende wunderbar in Szene und fügt einen Knalleffekt hinzu, den die Netflix-Technologie zum Unterbrechen des Abspanns (hoffentlich) nicht ruinieren wird. Es ist wahrscheinlich das einzige Übel des 21. Jahrhunderts, das „Don’t Look Up“ nicht verspottet. Film Bewertung 7 / 10

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