Film Kritik: "Cry Macho" fehlt es an bissiger Dekonstruktion männlicher Rollenbilder

Film Kritik: "Cry Macho" fehlt es an bissiger Dekonstruktion männlicher Rollenbilder

Genre: Western / Drama | Regie: Clint Eastwood | Mit: Clint Eastwood, Dwight Yoakam, Fernanda Urrejola, Natalia Traven, Eduardo Minett u.a. | Erscheinungsdatum: 21. Oktober 2021


Inhalt: Wir befinden uns im Jahr 1980, und der ehemalige Rodeo-Star und gescheiterte Pferdezüchter Mike Milo (Clint Eastwood) wird damit beauftragt, für seinen alten Chef dessen Sohn (Eduardo Minett) aus Mexiko zu holen und ihn nach Texas zu bringen.

Dabei trifft Mike auf verschiedene freundliche und unfreundliche Einheimische und lernt die Café-Besitzerin Marta (Natalia Traven) kennen, was einige lebensverändernde Entscheidungen zur Folge hat.

© Warner Bros. / HBO-Max

In den ersten Szenen könnte man Clint Eastwoods neueste Regie- und Hauptdarstellerarbeit ohne weiteres als „Cry Exposition“ bezeichnen. Der Film führt das Publikum unbeholfen durch Erklärungen ein, wer genau Mike Milo ist. Der von Dwight Yoakam gespielte, genervte Rancher Howard zählt dem Mann, der alles miterlebt hat, die verschiedenen Fehler und Probleme von Eastwoods Figur auf.

Es folgt ein langgezogener Kameraschwenk über Zeitungsausschnitte und Trophäen, die exakt die gleichen Informationen bieten, so dass man den Eindruck gewinnt, der Regisseur Eastwood hätte sein Talent an den Nagel gehängt. Diese Bedenken verschwinden erst in der Mitte dieser langatmigen Geschichte, wenn Cry Macho seinen Rhythmus gefunden hat.

Den Fans von Eastwood, die gehofft hatten, dass er in das Western-Milieu zurückkehren würde, das ihn einst berühmt gemacht hat, wird es gefallen, auch wenn dieses neue Werk nicht die rauen, tiefgründigen Themen eines „Erbarmen“ zu bieten an.

Clint Eastwood mit nachdenklicher Miene und einem Cowboyhut
Mit seinen 91 Jahren hat Clint Eastwood nichts an seinem Charisma eingebüßt © Warner Bros. / HBO-Max

Es fehlt die bissige Macho Dekonstruktion

Es ist auch keine bissige Dekonstruktion der männlichen Rollenbilder, die der Schauspieler/Regisseur einst verkörperte und an denen er gelegentlich noch festhält. Der 91-Jährige hat ein Drehbuch entstaubt, das jahrzehntelang in der Schublade lag, und daraus einen Film gemacht, der sich wie Gran Torino anfühlt ( und für den er sich den Drehbuchautor Nick Schenk mit ihm teilt).

Darin zeigt Eastwoods Mike einem jungen Burschen (Eduardo Minett) wie er einen Weg zurück ins Leben findet, und zwar an dem Ort, an dem er es am wenigsten erwartet hätte. Dabei zeigt er, dass er mehr ist als nur ein ruppiger Einzelgänger. Unglücklicherweise wiederholt die Autor/Regisseur-Kombination auch das unangenehme “ Alle Frauen lieben dich“-Wunschdenken von „The Mule“.

Doch keine Sorge: Die Zeit mit dem gealterten, schwermütigen Mann und dem Teenager, mit dem er unterwegs ist, ist nicht verschwendet, und die Handlung ist tragfähig. Zwischen Eastwood und Minett stimmt die Chemie, und auch sonst gibt es einige ordentliche Leistungen. Aber es ist problematisch, wenn die wichtigste und überzeugendste Figur ein Hahn ist.

Fazit: Wieder einmal wirft Eastwood einen Blick auf Männlichkeit, gefiltert durch die Weisheit des Alterns. Der Film macht die eine oder andere lästige Pause und fällt in mehrere Klischee-Schlaglöcher, aber Cry Macho findet letztendlich seinen Weg. Film Bewertung: 6 / 10


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