Film Kritik: "Das Land meines Vaters" ist ein kraftvolles Plädoyer für die vergessene Welt der Landwirte

Film Kritik: "Das Land meines Vaters" ist ein kraftvolles Plädoyer für die vergessene Welt der Landwirte

Originaltitel: Au nom de la terre | Produktion: Frankreich, Belgien 2019 | Laufzeit: ca. 103 min
Genre: Drama | Regie: Edouard Bergeon | Darsteller: Guillaume Canet, Veerle Baetens, Anthony Bajon, Rufus,

Drehbuch: Edouard Bergeon, Bruno Ulmer, Emmanuel Courcol | Kamera: Éric Dumont | Musik: Thomas Dappelo FSK: 12 | Kinostart: 18.11.2021


Inhalt: 1979, im Alter von 25 Jahren, kaufte Pierre, der nach einem Aufenthalt in Wyoming gerade nach Frankreich zurückgekehrt war, den Familienbetrieb von seinem Vater. Zwanzig Jahre später beginnt die neue Realität in der Landwirtschaft schwer zu wiegen und die Schulden häufen sich an, was den Landwirt in eine Depression stürzt.

Inspiriert von der Geschichte seines Vaters dreht Édouard Bergeon seinen ersten Spielfilm, ein Familiendrama in der Welt der Landwirtschaft. Abgesehen von den Schwierigkeiten, mit denen die Landwirte seit Jahrzehnten zu kämpfen haben, um ihre Betriebe über Wasser zu halten, spiegelt „Das Land meines Vaters“ auch einen Generationenkonflikt wider.

Nur einige Jahre nach dem Erfolg von Hubert Charuels Petit Paysan (2017)- möchte das französische Kino mit „Das Land meines Vaters“ erneut auf die Probleme der Landwirte aufmerksam machen. Édouard Bergeon erzählt die wahre Geschichte seines Vaters, der an den Folgen des Systems zerbrach und 1999 starb, von einem persönlicheren Standpunkt aus.

Mit einer Bildsprache, die man mit dem Western in Verbindung bringen könnte (Eric Dumont ist für die Bildregie verantwortlich), taucht Bergeon in das Herz eines intimen Dramas ein, indem er die Dynamik, die sich in einer Welt abspielt, in der sich alle Beteiligten gut kennen, sehr genau wiedergibt.

Ohne Sentimentalität und ohne Zögern stellt er die Tragödie eines Mannes dar, der in die Tiefen einer Depression versinkt. Guillaume Canet, der eine beeindruckende physische Wandlung durchlebt, um dem wirklichen Vater des Filmemachers so weit wie möglich zu ähneln (der am Ende in Archivszenen zu sehen ist), liefert eine herzzerreißende Vorstellung, ebenso wie Anthony Bajon als Sohn.

Das Land meines Vaters – Veerle Baetens als Claire und Guillaume Canet als Pierre © Nord-Quest Films

Die romantisch anmutenden Landschaftsaufnahmen französischer Wiesen und Felder täuschen

Dabei steht Anfang eine liebenswerte Geschichte, die in einer Retro-Lichtstimmung gefilmt wurde, mit einer einleitenden Szene, bei der Pierre auf einem Motorrad durch die Feldlandschaft fährt, um zu seiner Verlobten zu gelangen, die er dann leidenschaftlich verführt.

Diese schöne Geschichte wird jedoch schnell durch eine wirtschaftliche Sorge um die landwirtschaftlichen Erträge unterbrochen, die den Landwirt dazu bringt, sich bis zum Äußersten für seinen Betrieb aufzuopfern. Die narrative Struktur des Films folgt dabei einem pyramidenförmigen Aufbau. Mit den Schwierigkeiten auf dem Hof wächst auch das Leiden der Hauptfigur. Dann tritt in der Mitte des Films ein zentrales Ereignis ein, das diesen engagierten Bauern in den Abgrund treibt.

Im ersten Teil des Films wird daher ein relativ langsamer und anschaulicher Rhythmus gewählt, der den Grundstein für die verschiedenen kommenden Konflikte legt. Der Film erinnert sowohl an die Leiden der landwirtschaftlichen Betriebe als auch an das hohe Maß an Verantwortung, denn die Höfe sind oft das Ergebnis eines traditionellen Familienerbes.

Der Kern der Handlung kommt schließlich in Gang, nachdem Pierre aus dem Gleichgewicht geraten ist und seine Frau gezwungen ist, ihre angeschlagene Familie zusammenzuhalten und gleichzeitig ihren Mann auf Distanz zu den Kindern zu halten. Édouard Bergeon zollt damit dieser außergewöhnlichen Frau, die trotz aller Widrigkeiten und eines überforderten Ehemannes nie aufgegeben hat, großen Respekt.

Das Land meines Vaters – Glückliche Familienzeiten © Nord-Quest Films

Obwohl Anthony Bajon (You Deserve a Love) für die Rolle des Sohnes beim Festival des französischsprachigen Films in Angoulême, den Valois – Award für den besten Schauspieler erhielt, ist es vor allem das Paar Guillaume Canet und Veerle Baetens, das den Film zu einer außergewöhnlichen Intensität treibt.

Indem er den Betrachter auf die wesentlichen Werte der Existenz hinweist, bietet Édouard Bergeon einen Film, der auf der menschlichen Ebene angesiedelt ist. Das ist wahrscheinlich der Grund für den großen Erfolg in Frankreich.

Fazit: „Das Land meines Vaters“ ist mehr als eine persönliche Geschichte: Es ist ein kraftvolles Plädoyer für die vergessene Welt der Landwirte und ein zutiefst menschlicher Blick auf die dramatischen Bedingungen der landwirtschaftlichen Betriebe und den Preis unserer Nahrung. Wertung: 7 / 10


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