Film Kritik | Ein Tom und Jerry Film mit einem Mangel an Esprit und Witz

Film Kritik | Ein Tom und Jerry Film mit einem Mangel an Esprit und Witz

Tom und Jerry – Der Film | Jahr 2020 | Regie Tim Story | Mit Chloe Grace Moretz, Colin Jost, Michael Pena, Pallavi Sharda, Rob Delaney u.v.m | Produktionsland USA | Laufzeit: ca. 98 Minuten


Inhalt: Am Vorabend der Jahrhunderthochzeit von Preeta (Pallavi Sharda) und Ben (Colin Jost) zieht Jerry, die Maus, in das protzige New Yorker Hotel The Royal Gate ein.

Kayla (Chloë Grace Moretz), die sich erst kürzlich in die Belegschaft des Hotels geschlichen hat, überredet die Hotelleitung, den Kater Tom einzustellen, um den Nager zu fangen und den Tag zu retten.

Film Kritik

von Ilija Glavas

Die Kürze ist der Schlüssel zu Tom & Jerry, und das ist nur einer der Gründe, warum jede Spielfilmversion der Figuren zum Scheitern verurteilt ist

Für die Uneingeweihten: Tom und Jerry sind das Original von Itchy & Scratchy. In etwa sieben einfallsreichen, blutigen, glorreichen Minuten versuchten sie, sich gegenseitig zu verprügeln, bis Jerry gewann oder der Kampf einfach im Off weiterging. 

Während ihrer klassischen Laufzeit von 1940 bis 1958 gewannen die Titanen der Zeichentrickfilme unter der Leitung von William Hanna und Joseph Barbera sieben Oscars und definierten die Kurzform des Zeichentricks neu. Die Kürze ist der Schlüssel zu Tom & Jerry, und das ist nur einer der Gründe, warum jede Verfilmung der Figuren zum Scheitern verurteilt ist. Nach einem komplett animierten Film aus dem Jahr 1992 – der sich um die Kardinalsünde drehte, dass die beiden Feinde zu Freunden wurden, ist es hier ein erneuter Anlauf, das beliebte Duo auf die Leinwand zu bringen.

Der neueste Versuch unter der Regie von Tim Story (Fantastic Four, Ride Along) – ist ein Hybrid aus Animation und Live-Action, der den Geist des Originals verwässert, indem er die normalerweise sympathischen Schauspieler mit einem überlangen, langweiligen, auf Menschen basierenden Quatsch über eine Laufzeit von 98 Minuten ausdehnt. Das ist mindestens 20 Minuten zu lang.

Chloe Moretz hat als Hochzeitsplanerin alle Hände voll zu tun, als die Rabauken Tom &Jerry ihren Kampf ins Hotel verlegen.
Chloe Moretz hat als Hochzeitsplanerin alle Hände voll zu tun, als die Rabauken Tom &Jerry ihren Kampf ins Hotel verlegen. ©Warner Bros. Entertainment

Der Film schafft es, CGI-Techniken mit dem Stift und Tinte – Feeling zu vermischen, aber die Figuren fühlen sich stellenweise weniger in die Live-Action integriert an

Die platte Handlung sieht vor, dass die arbeitslose Kayla (Chloë Grace Moretz) sich einen Job im noblen Hotel “The Royal Gate” in Manhattan erschleicht, um bei der Hochzeit von Preeta (Bollywood-Star Pallavi Sharda) und Ben (Colin Jost), dem größten Ereignis in der Geschichte des Hotels, auszuhelfen. 

Zu diesem Zeitpunkt nistet sich die obdachlose Maus Jerry im Hotel ein, was Kayla dazu veranlasst, den Hotelmanager Mr. Dubros (Rob Delaney) und seinen Lakaien Terence (Michael Pena) davon zu überzeugen, den Klavier spielenden Kater Tom anzuheuern, um den Nager vor dem großen Tag einzufangen. Was folgt, ist eine Reihe von Katz-und-Maus-Verfolgungsjagden und animiertes Gemetzel – mit der großen Frage: wird das gläserne Atrium des Hotels das Chaos überleben? 

Gemischt mit Standard- Hochzeitsfilmszenarien (ein Ring geht verloren, Zweifel an einer extravaganten Feier werden geäußert), bevor alles unweigerlich auf die Zeremonie hinausläuft, bei der niemand weiß, was mit der riesigen Torte passiert, die der Möchtegern-Michelin-Sternekoch Ken Jeong kreiert wurde. Die große Idee des Films ist, dass er zwar in der realen Welt spielt, aber alle Tiere, angefangen bei Tauben, die bizarrer weise den 90er-Jahre-Hit “Can I Kick It?” von A Tribe Called Quest im Vorspann singen- über Goldfische bis hin zu den Elefanten, animiert sind.

Und die meisten von ihnen können sogar sprechen. Tom und Jerry nicht, hier wird das Gesetz der Figuren eingehalten. Das ist ein großer Unterschied zu den Zeichentrickfilmen, die konsequent aus der Sicht der Tiere gezeigt wurden, wobei sie die menschliche Welt angedeutet haben, indem man die Figuren vom Knie abwärts zeigte. 

Der Film schafft es, CGI-Techniken mit dem Stift und Tinte – Feeling zu vermischen, aber die Figuren fühlen sich stellenweise weniger in die Live-Action integriert, als die Zeichentrickfilme von Roger Rabbit vor 33 Jahren. Glücklicherweise (und überraschenderweise) hält sich der Film in Sachen Gewalt nicht zurück – obwohl es seltsam ist, zu sehen, wie ein echtes Bügeleisen in ein Zeichentrickgesicht fliegt.

Chaos im Hotel als Tom geholt wird um Jerry von einer Hochzeitvorbereitung fern zu halten.
©Warner Bros. Entertainment

Es bleibt ein müder Plot mit flachen Charakteren und eines Mangels an Esprit

Eine Szene, in der Tom ständig an einem Telefonkabel einen Stromschlag bekommt, hat eine Bösartigkeit, die an die Glanzzeiten von Hanna-Barbera erinnert. Es gibt ein paar gute Ideen und Momente – wie Jerrys winzige duftende Visitenkarte. Aber der Film ist am besten, wenn er einfach Gags aus den Klassikern nachspielt, insbesondere den Moment aus Jerrys Trickkiste, in dem Jerry Toms Neugierde weckt, nur um ihm dann direkt ins Auge zu schlagen. 

Aber der vorherrschende Eindruck ist der eines müden Plots, flacher Charaktere und eines Mangels an Esprit oder durchgehenden Witz. Tom & Jerry braucht kein erweitertes (menschliches) Universum. Es ist nur eine Katze, die versucht, eine Maus zu schlagen, und dabei (meistens) scheitert. Je eher die Filmemacher das lernen, desto besser. 

Fazit: Tom & Jerry: Der Film gesellt sich zu Garfield, Yogi Bear und den Schlümpfen als (fast-) fehlgeschlagener Versuch, beliebte Zeichentrickfilme mit Live-Action zu kombinieren. Unsere Kinder haben etwas Besseres verdient. Sie verdienen Tom & Jerry 1940-’58. Wertung: 4.5 / 10 


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