Film Kritik: "Ghostbusters: Legacy" ist ein nostalgischer Geisterspaß im Retro-Look

Film Kritik: "Ghostbusters: Legacy" ist ein nostalgischer Geisterspaß im Retro-Look

Inhalt: Nachdem der entfremdete Vater der mittellosen Callie (Carrie Coon) stirbt und ihr ein marodes Haus mitten im Nirgendwo vererbt, hat sie keine andere Wahl, als mit ihren Kindern Trevor (Finn Wolfhard) und Phoebe (McKenna Grace) dorthin zu ziehen.

Schon bald findet Phoebe heraus, dass ihr Großvater der berühmt-berüchtigte Geisterjäger Egon Spengler war und dass es viele Geister gibt, die immer noch nicht besiegt sind.

© 2021 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Es ist schwierig, einen Film wie Ghostbusters wiederzubeleben oder neu zu konzipieren. Das ist anders als bei Horror-, Musical- oder Thrillerfilmen, wo ein stabiles Gerüst vorhanden ist, das man einfach mit neuen Ideen ausschmücken kann.

Für Ghostbusters muss man versuchen, ein Gefühl wieder aufleben zu lassen. Der Spaß am Originalfilm lag weniger in der Geisterjagd als in der Chemie zwischen den Geisterjägern. Die kann man nicht einfach mit einer neuen Besetzung imitieren, wie das unterhaltsame, aber zu aalglatte und eigenwillige Reboot von 2016 gezeigt hat.

Jason Reitmans durch und durch liebenswerter „Ghostbusters: Legacy“ versucht nicht, exakt so zu sein wie die Originale, die von seinem Vater Ivan Reitman gedreht wurden. Vielmehr handelt es sich um eine Fortsetzung und einen Neustart, der seine eigene Version von schräger Buddy-Komödie und spaßigem Gruselfilm bietet. Er entspricht nicht ganz den Ghostbusters, die wir kennen, aber er fühlt sich ganz wie Ghostbusters an.

Der Ecto-1 in Sony Pictures’ GHOSTBUSTERS: LEGACY
Der Ecto-1 ist wieder im Einsatz in Sony Pictures’ GHOSTBUSTERS: LEGACY © 2021 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Ein marodes Haus und viele Geister mitten in Oklahoma

Den Mittelpunkt bilden Callie (Carrie Coon) und ihre beiden Kinder, Trevor (Finn Wolfhard), ein typischer 15-Jähriger, der gerne schnell 18 werden würde, und Phoebe (McKenna Grace), ein zwölfjähriges Wissenschaftsgenie und Einzelgängerin. Da Callie die Tochter von Egon Spengler, dem cleversten Geisterjäger, auf den sie nicht gerade stolz ist.

Als sie noch ein Kind war, verließ er sie und zog in ein altes, marodes Haus am Rande einer verschlafenen Stadt, mitten im Nirgendwo. Nach seinem Tod vererbt Egon Callie dieses Haus. Da sie nicht das Geld hat, woanders zu leben, nimmt sie die Kinder mit, um in Summerville, Oklahoma, ein neues Leben zu beginnen.

Der Ort Summerville hat das 20. Jahrhundert noch nicht ganz hinter sich gelassen. Der wichtigste soziale Treffpunkt der Stadt ist ein Drive-in-Diner. In der örtlichen Schule werden noch VHS-Kassetten verwendet. Und im Kino wird der Horrorfilm Cannibal Girls von 1973 (Regie: Ivan Reitman) gezeigt.

Gary Grooberson (PAUL RUDD) and Callie (CARRIE COON) in Sony Pictures’ GHOSTBUSTERS: LEGACY
Gary Grooberson (PAUL RUDD) und Callie (CARRIE COON) in GHOSTBUSTERS: LEGACY © 2021 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Sympathische Außenseiter bieten Spaß im Retro Look

Das alles vermittelt ein nostalgisches Gefühl, welches nicht übermäßig aufgesetzt wirkt, sondern den Eindruck erweckt, dass der Film in seiner eigenen kleinen Welt spielt, fernab von moderner Technologie oder ironischen und augenzwinkernden Witzen.

Dadurch fühlt man sich in die Zeit zurückversetzt, als man selbst in seiner Kindheit Filme gesehen hat, wann auch immer das gewesen sein mag. Die „reale Welt“ liegt in weiter Ferne, und alles könnte passieren, während die Kids auf der Suche nach ihren eigenen Abenteuern sind.

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Das Drehbuch zu „Ghostbusters: Legacy“ schrieb Reitman zusammen mit Gil Kenan, dem Regisseur des Animationsfilms „Monster House“ von 2006. Die Zusammenarbeit mit Kenan war eine hervorragende Wahl. Den Stil von „Monster House“, ein echter Kinderhorrorfilm mit großen Lachern und kleinen Schrecken, ist genau das, was „Ghostbusters: Legacy“ benötigt hat.

Genau wie Monster House bietet der Film eine Reihe von sympathischen Außenseitern und viele Momente, die zwar keine Albträume verursachen, aber für Geisterspaß im Retro Look sorgen. Besonders schlau ist die Entscheidung der beiden, die Geschichte in einer Stadt spielen zu lassen, die sich nach Vergangenheit anfühlt.

Phoebe (MCKENNA GRACE, r.) und Podcast (LOGAN KIM, l.) in Sony Pictures’ GHOSTBUSTERS: LEGACY
Phoebe (MCKENNA GRACE, r.) und Podcast (LOGAN KIM, l.) in GHOSTBUSTERS: LEGACY © 2021 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Reitmans Begeisterung spürt man sogar in den schlichten Filmeffekten

Bevor die Geister auftauchen, bietet der Film schon jede Menge Spaß: Phoebe und Podcast ( so nennt er sich wirklich)- laufen in der Stadt herum, spielen mit Protonenpacks und knüpfen eine Freundschaft, die aus gegenseitigen Eigenheiten besteht.

Sobald die Geister-Action richtig losgeht, kann man Reitmans Begeisterung spüren, die Begeisterung eines Mannes, der Ghostbusters kennt, seit er sechs Jahre alt war. Er benutzt den gleichen bescheidenen Regiestil wie sein Vater. Nur wenige markante Aufnahmen, aber viel Bewegung auf der Leinwand. Viele seiner Filmeffekte sind schlicht und einfach im Stil der 80er Jahre gehalten, allerdings auf subtile Art und Weise.

Manche seiner Geister scheinen Puppen zu sein, keine Computeranimationen, und er versteht es, mit ein wenig Trockeneis und einer Farblichtquelle gruselige Effekte zu erzeugen. Sein Film ist voller Liebe zum Original, aber gleichzeitig auch voller Begeisterung für neue Möglichkeiten, um damit zu experimentieren.

Selbstverständlich entdeckt Phoebe die wahre Identität ihres Großvaters, stolpert im Keller über seltsame Geräte und deckt eine übernatürliche Bedrohung auf, die die Welt zerstören könnte. Im Laufe der Handlung gibt es jede Menge Fan-Service, aber die Rückblicke sind zweitrangig im Vergleich zur Geschichte mit den neuen Charakteren.

Gary Grooberson (PAUL RUDD) in GHOSTBUSTERS: LEGACY © 2021 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Es gibt Schwachstellen, die durch den Spaßfaktor überdeckt werden

Und es sind großartige Hauptfiguren, die alle perfekt besetzt sind und eine starke Chemie aufweisen. Finn Wolfhard bringt die nötige Warmherzigkeit in die Rolle des großspurigen älteren Bruders. Und Logan Kim als Podcast, die Quasselstrippen aus Phoebes Klasse, der alles dokumentiert, wirkt wie ein John Candy in Kleinformat. Das Herzstück des Films ist jedoch Mckenna Grace.

In ihren Händen ist Phoebe ein ruhiges, furchtloses Mädchen, die von allem fasziniert ist, was sie nicht versteht, seien es Gadgets, Geister oder Menschen. Sie erinnert an die Performance des verstorbenen Harold Ramis in der Rolle von Egon, aber mit einer eigenen rebellischen Note.

Allerdings gibt es einige Schwachstellen: Einige Handlungspunkte werden nicht ausreichend erklärt. Außerdem ist die vierte neue Geisterjägerin, Lucky (Celeste O’Connor), nicht wirklich ausgereift. Und bei einem Film, der Ghostbusters heißt, kommen die Geister nicht besonders häufig vor. Doch es gibt kaum einen Grund, weshalb man in diesen Schwachstellen herumstochern sollte. Der Film ist einfach unterhaltsam, originell und voller Charme.

Fazit: Wer Bedenken hat, dass Jason Reitmans Film das Erbe seines Vaters besudeln könnte, hat nichts zu befürchten. Bei aller Liebe zu den Originalen schafft es Reitman mit seinem Film, eine eigene neue Generation zu etablieren. Was das Potenzial betrifft, so steckt in Ghostbusters noch eine Menge Brauchbares. Stay-Puft! Wertung: 7 / 10


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