Film Kritik | "Im Bann des Teufels" geht neue Wege und verliert unterwegs seine anfängliche Kreativität

Film Kritik | "Im Bann des Teufels" geht neue Wege und verliert unterwegs seine anfängliche Kreativität

Story: Ein blutiger Mordfall und eine mysteriöse, teuflische Präsenz erschüttern selbst die paranormalen Ermittler Ed und Lorraine Warren bis ins Mark. In ihrem aktuellen Fall geht es um den Schutz der Seele eines kleinen Jungen.

Dabei begeben sie sich in eine unbekannte Welt. Es ist das erste Mal in der amerikanischen Geschichte, dass sich ein des Mordes verdächtiger Mann auf dämonische Besessenheit als Verteidigungsgrundlage beruft.

©Warner Bros. Entertainment

Film Kritik:

von Ilija Glavas

Die Horror Reihe ist dabei ihre Seele zu verlieren

Wenn es um Horror geht, sind die „Conjuring“-Filme- zumindest auf dem Papier-ein ziemlich alter Hut. In der am wenigsten großzügigen Beschreibung kann man behaupten, dass sie zum gleichen „Basierend auf einem wahren Spuk“-Futter zurückkehren, das uns „The Amityville Horror“ und seine vielen Nachahmer bereits bescherten.

Aber wenn man sich die Filme anschaut, zeigen sie, warum Originalität nicht annähernd so wichtig ist wie die Ausführung. James Wan, der bei den ersten beiden Filmen Regie führte, ist größtenteils für den charakteristischen Look des Franchise verantwortlich. Er brachte sein jahrzehntelanges Know-How im Horrorbereich und ein Händchen für unaufdringliche Bilder, in die Darstellung der übernatürlichen Ermittler Ed und Lorraine Warren (gespielt von Patrick Wilson und Vera Farmiga) ein.

Sein Talent schuf ein Horror-Franchise, das sich reichhaltiger anfühlt als die meisten anderen, auch wenn es ständig für Spin-Offs genutzt wird. Leider fehlt dem neuesten Teil, „Conjuring 3: Im Bann des Teufels“, sowohl Wans Regie als auch der Ideenreichtum, der die ersten beiden Conjuring-Filme so unterhaltsam machte.

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Eine übernatürliche Detektiv Geschichte in einem gruseligen Mysterium

Unter der Regie von Michael Chaves (der zuvor das Conjuring-Spin-Off „Lloronas Fluch„, sein Spielfilmdebüt, inszenierte) basiert der neue Film auf dem realen Prozess von Arne Cheyenne Johnson, einem berüchtigten, landesweit bekannt gewordenen Mordfall, in dem Johnson zu seiner Verteidigung notorisch behauptete, der Teufel hätte ihn zu seiner Bluttat getrieben (The Devil made me do it) .

Es war das erste Mal, dass dämonische Besessenheit als juristisches Argument für die Unschuld eines Angeklagten verwendet wurde. Wie die anderen Conjuring-Filme, die auf den Erzählungen der Warrens über ihre Fälle basieren, geht auch „Im Bann des Teufels“ davon aus, dass Johnsons Besessenheit real war -und baut um diese Annahme herum, eine Horrorgeschichte auf.

Conjuring 3 unterscheidet sich von seinen Vorgängern dadurch, dass es kein Geisterhaus-Film ist. Es ist eher ein gruseliges Mysterium. Die realen Ereignisse sind nicht wirklich der Punkt, die erste halbe Stunde verzichtet nämlich auf die Hintergrundgeschichte von Johnsons Fall. Im Prolog ist Johnson beim Exorzismus seines kleinen Bruders anwesend, der furchtbar schief geht und zu Johnsons Besessenheit führt.

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Im Bann des Teufels macht nicht das Beste aus Wilsons und Farmigas Empathie

Durch dieses Setup fühlt sich dieser Teil der Conjuring Reihe, wie ein übernatürlicher Detektivfilm an, da die Warrens Johnsons Besessenheit mit anderen Morden in der Gegend in Verbindung bringen und anfangen zu vermuten, dass jemand eine dämonische Präsenz einlädt, um Gewaltverbrechen zu begehen.

Es ist eine ziemlich gute Idee und eine willkommene Abwechslung. Aber „Im Bann des Teufels“ kämpft verbissen damit, die Höhepunkte der vorherigen Filme unter diesem neuen Ansatz zu erreichen. Wilson und Farmiga bringen weiterhin eine ungewöhnlich menschliche Note in das, was in weniger guten Händen dazu führen könnte, dass sich die Conjuring-Filme wie ein zynischer Versuch anfühlen, von einem erfolgreichen Horror-Franchise zu profitieren.

Vielleicht liegt es daran, dass die Schauspieler nicht wie traditionelle Horror-Protagonisten aussehen. Sie sind Helden mittleren Alters in einem Genre, das die Jungen bevorzugt, und sie werden garantiert überleben, dank der Art und Weise, wie die Filme den Blickwinkel der wahren Geschichte zur Schau stellt. Aber Wilsons und Farmigas mitfühlende, sensible Darstellungen helfen dem Publikum, sich in die Warrens hineinzuversetzen, und damit auch in die Opfer des Falles, den sie untersuchen. Im Bann des Teufels macht nicht das Beste aus dieser Empathie

Trotz ihrer Bemühungen, haben Farmiga und Wilson kein Drehbuch, das die Verbindung und das Engagement der Warrens zueinander so sehr in den Fokus rückt, wie ihre Leistung es verkauft. Im Gegensatz zu den ersten beiden Filmen, die den übernatürlichen Fall mit ihren individuellen Charakterbögen verknüpfen. Verglichen mit Ed Warrens Mangel an Glauben in „The Conjuring“, dem Zustand ihrer Ehe in „The Conjuring 2„-fühlen sich die beiden Aspekte in „Im Bann des Teufels“ nur lose verbunden an.

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Es fühlt sich nach einem Spin-Off des Franchise an und ist dabei in zu vielen Richtungen geteilt

Nach einem vielversprechenden Anfang ( die vielleicht beste Exorzismus Szene inklusive Hommage an Der Exorzist) bewegt sich Chaves‘ Regie auf dem schmalen Grat zwischen Horror und übernatürlicher Kriminalgeschichte, ohne die beiden effektiv zu vermischen. Frühe visuelle Geniestreiche, wie eine clevere Aufnahme einer Duschvorhangstange, die dämonische Klauen verdeckt, oder eine Erscheinung in einem Wasserbett, werden später zugunsten einer düsteren Kulisse nach der anderen verworfen.

Das Ergebnis ist ein Film der „Conjuring“-Reihe, der sich seltsamerweise wie eines der vielen Spin-Offs des Franchise anfühlt. Mit knapp zwei Stunden ist „Conjuring 3“ in zu viele Richtungen geteilt, um wirklich jeder von ihnen gerecht zu werden. Die auslösende Besessenheit, das Serienkiller-artige Mysterium, auf das es die Warrens schickt, und das glanzlose Lippenbekenntnis, das es da noch ihre Beziehung gibt.

Nichts davon landet mit der Kraft der finalen Exorzismus Szene von „The Conjuring“, oder spukt so effektiv wie der Crooked Man, der im Fokus des nächsten Spin-Off-Films stehen wird. Das macht „Im Bann des Teufels“ nicht unbedingt schlecht. Es ist nur ein Film, der seinem Stammbaum nicht gerecht wird.

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Fazit: So sehr Conjuring auch zu einem Mega-Franchise geworden ist-es gibt fünf weitere Spin-Offs, darunter die erfolgreiche Annabelle-Trilogie-, so sehr hat es der Film dank des zentralen Wan-Wilson-Farmiga-Dreigestirns vermieden, sich wie eines zu fühlen.

Letztendlich scheitert der Versuch von „Im Bann des Teufels“ das Franchise mit einem neuen Regisseur zu beleben. Und wie der junge Mann im Zentrum des übernatürlichen Horrors, ist die Horror-Reihe dabei ihre Seele zu verlieren. Wertung: 5 / 10


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