Film Kritik: "Last Journey" erfreut mit positiven Elementen - lässt aber Beständigkeit vermissen

Film Kritik: "Last Journey" erfreut mit positiven Elementen - lässt aber Beständigkeit vermissen

Ab 30. September 2021 als DVD und Blu-ray erhältlich

Regie: Romain Quirot | Mit: Hugo Becker, Lya Oussadit-Lessert und Jean Reno | Genre: Sci -Fi / Thriller | Laufzeit: ca. 87 Minuten (Blu- ray) | Produktionsland: Frankreich 2020 | FSK: ab 16 Jahren


Inhalt: In naher Zukunft: Die Sonne ist erloschen. Ein geheimnisvoller roter Mond liefert den Menschen überlebenswichtige Energie, um auf der Erde weiter existieren zu können. Als er plötzlich seinen Kurs ändert und direkt auf die Erde zusteuert, droht er die gesamte Menschheit auszulöschen.

Der einzige, der in der Lage ist die Apokalypse zu verhindern, ist der begabteste Astronaut seiner Zeit: Paul W.R. (Hugo Becker). Doch kurz vor Start der Mission verschwindet Paul spurlos. Unerbittlich von den verzweifelten Menschen gejagt, kreuzt Paul den Weg von Elma (Lya Oussadit-Lessert), einem Teenager mit explosivem Temperament, die ihn auf seiner Flucht begleitet.

© Euro Video

Respekt dem Rezipienten: Dystopische Dramen überfluten derzeit das Indie Kino. Berechtigterweise möchte man sagen, denn zeitgeistig ist der Gedanke an eine Überlebens-feindliche Erde allemal. Parallelen finden sich zu den 80ern, ein Jahrzehnt geprägt vom Kalten Krieg und einer unsicheren Zukunft-eben wie heute.

Diesmal betritt ein französischer Film das Podium und nicht grundlos kann „The Last Journey“ mit Jean Reno aufwarten. Das narrative Potential entfaltet sich allerdings erst etwas spät, zu sehr wird mit konventionellem Stil die Geschichte eingeführt. Vor Allem ein Stilmittel trägt jedoch zu einem steten Aufbau bei; dem Auslassen einer überbordenden Exposition.

Dem Zuschauer wird eine gewisse Eigenmächtigkeit zugemutet, nicht nur 1 und 1 selbst zu addieren, sondern auch nicht auf Gedeih und Verderb jedes Mysterium haarklein erklären zu müssen. Das impliziert den Respekt an das Publikum, den sehr viele Filme aus ähnlichem Genre vermissen lassen.

Beziehungsweise wird auch so erzählt, dass die kleinen Informationshappen, die einem zugeworfen werden, ausreichen, um der Story zu folgen. Man merkt durch die 87 Minuten Laufzeit erst, wie viel Zeit gespart wird, wenn man lästiges Übererklären aus dem Drehbuch streicht. 

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Umfangreiches Worldbuilding ohne zu viel Exposition

Zudem besinnt sich „The Last Journey“ auch auf dessen Thema, nicht auf den Plot. Die Fragen nach Verantwortung und Uneigennützigkeit werden befriedigend gestellt und auch beantwortet. Da braucht es dann auch keine wissenschaftlichen Erklärungen, denn der Plot bleibt hier eben nur der Handlungsrahmen, in welchem sich die Essenz des Films verbirgt.

Andere Genrevertreter verbrauchen zu viel Zeit, um die Welt zu erklären, die Suche nach dem heiligen Gral darzustellen, wo es dramaturgisch doch letzten Endes um den Transfer von Emotionen gehen sollte. Anfänglich entgeistert „The Last Journey“ noch mit diversen klischeebedachten Tropen, doch nach dem ersten Dritteln kommen eben die genannten Stärken zur Geltung. 

Trotzdem bleiben bittere Beigeschmäcke, die den Film retrospektiv doch leider zu einem eher durchschnittlichen, sogar fast schlechten Film machen. Einzig die genannten Punkte retten das Gesamtergebnis. Denn was den Erzählfluss katastrophal untergräbt, sind die ständigen Flashbacks. Sowieso ein mittlerweile verpöntes Erzähl-Device, ist „The Last Journey“ wörtlich überladen damit. Das unterbricht dermaßen störend den Schaugenuss, dass man sich ob der positiven Elemente die Haare raufen könnte.

Die Geister der Vergangenheit werden schon früh klar, die Rückblenden wirken irgendwann wie billige Filler, um aus dem Film mehr als eine Kurzmetrage zu machen. Die visuellen Effekte sind auch erst ab der Hälfte des Films ertragbar, das Budget wurde wahrscheinlich für das Finale und die letzten Einstellungen aufgespart.

Peinlich berührend erinnern die Hooverautos an „Traumschiff Surprise“. Natürlich fällt es schwer, einem Film mit marginalem Budget den Vorwurf günstig erstellter VFX  zu machen; aber das darf auch keine Ausrede sein. 

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Überraschend guter Underdog-Cast

Untermalt wird der Film mit einer Mixtur aus französischen Chansons und gewaltiger Synthorchestrierung. Aber auch hier wäre weniger mehr. Ein ikonischer Soundtrack, der a la Tarantino eventuell sogar intendiert war, wird hier nicht geboten.

Generell entsteht auch durch die geringe Laufzeit ein sehr bedrängendes Gefühl von audiovisueller Hektik, da hätte man auch ruhige Momente (aber bitte keine Flashback-Flut) einbringen können. Dies gelingt zumindest einmal auch wunderbar, als Paul (Hugo Becker) und Emma (Lya Oussadit-Lessert) im Kino sitzen und sich über die Tierprojektionen unterhalten. Mehr davon, bitte.

Der Cast hinterlässt überraschenderweise auch einen sehr wohlwollenden Eindruck, hinsichtlich des geringen Geldes. Jean Reno ist einfach Jean Reno, aber auch die begabte Lya Oussadit-Lessert mag gefallen. Kleines Highlight bleibt Paul Hamy, der den antagonistischen Bruder Pauls, Eliott, darstellt. Man fühlt sich häufig fast schon an die diabolische Darstellung Bill Skarsgards von Pennywise erinnert.

Fazit: „The Last Journey“ antizipiert sich nicht als Sci-Fi Meisterwerk und dafür weist es dann doch auch zu viele Mängel auf. Dies ist besonders schade, denn der Erzählstil macht sich grundlegend positiv bemerkbar.

Wäre der Film statt der disruptiven Flashbacks mit ruhigeren Momenten der Harmonie zwischen den beiden Hauptdarstellern angereichert, hätte „The Last Journey“ eine kleine Indie Perle werden können. Alles in Allem fehlt es aber an Beständigkeit. Wertung: 6,5/10


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