Film Kritik | New Order | Bedrückendes Szenario mit sozialkritischen Untertönen

Film Kritik | New Order | Bedrückendes Szenario mit sozialkritischen Untertönen

Kinostart 12. August 2021 | Im Verleih von Ascot Elite Entertainment & 24 Bilder

Regie & Drehbuch: Michel Franco | Mit: Naian Gonzales Norvind, Diego Boneta uvm. | Produzenten: Michel Franco, Cristina Velasco L., Eréndira Núñez Larios


Inhalt: In diesem fesselnden, spannenden dystopischen Drama gerät eine verschwenderische Hochzeit der Oberschicht in einem unerwarteten Aufstand des Klassenkampfes aus den Fugen, der in einen gewaltsamen Staatsstreich mündet.

Aus der Sicht der empathischen jungen Braut und der Bediensteten, die für – und gegen – ihre reiche Familie arbeiten, zeichnet NEW ORDER – DIE NEUE WELTORDNUNG atemlos den Zusammenbruch eines politischen Systems nach, das durch ein noch erschreckenderes System ersetzt wird.

Film Kritik

von Ilija Glavas

Zusammenbruch der Gesellschaft in bedrückenden Bildern und beklemmender Perspektive

Nichts verdirbt die Stimmung einer perfekten Hochzeit so sehr wie ein gewalttätiger, stadtweiter Klassenaufstand. In dem einen Moment begrüßt man die VIP-Gäste, nimmt dankbar die mit Bargeld gefüllten Umschläge entgegen und stößt mit einem Glas Tequila auf die Hochzeit an, und im nächsten Moment fragt man sich, warum das gesamte Personal bewaffnet ist und einen zusammentreibt, um Freunde und Familie mit nonchalanter Präzision auszurauben und zu ermorden.

Sicher, die Proteste und Unruhen gibt es jetzt schon eine Weile, aber sie könnten doch niemals die sichere Blase dieses wohlhabenden Viertels durchdringen, oder? Falsch, liebe Freunde, denn der neueste Film von Autor/Regisseur Michel Franco inszeniert den Zusammenbruch der Gesellschaft in seiner Heimatstadt Mexico City. 

Und während die brutale Erzählung von New Order wie ein dystopisches Schauermärchen wirkt, ist der beängstigendste Aspekt eigentlich der, dass sich die blutigen Ereignisse so anfühlen, als könnten sie sich schon morgen ereignen.

Der Film folgt einer Handvoll Figuren, die in das Unwetter verwickelt sind: Dienstmädchen, Soldaten, Militärgeneräle, unschuldige Unbeteiligte, aber im Mittelpunkt steht Marianne (Norvind), die zukünftige Braut.

© Ascot Elite Entertainment

Ein durch und durch beunruhigendes Erlebnis

Um einem ehemaligen Angestellten zu helfen, dessen Frau dringend einen medizinischen Eingriff benötigt, verlässt sie die Hochzeit vor dem Aufstand, wird aber schon bald gefangen genommen und von einem Kader abtrünniger Soldaten festgehalten, die die Söhne und Töchter der Wohlhabenden zur Lösegeldzahlung zusammentreiben. 

Wir sehen, wie Marianne zusammen mit den anderen Sprösslingen einen Spießrutenlauf aus Vergewaltigung, sexueller Gewalt und Erniedrigung durchmacht, während ihre Familie verzweifelt versucht, ihre Rückkehr auszuhandeln. 

Draußen in der Stadt hat das Militär mit einem menschenverachtenden Kriegsrecht, Ausgangssperren und strengen Reisevorschriften einen gewissen Anschein von Ordnung wiederhergestellt. Als Mariannes Familie die Hilfe eines Generals in Anspruch nimmt, um sie zu finden, wird das Lösegeldsystem aufgedeckt und weitere Leichen werden in die bereits mit Leichen übersäten Straßen geworfen.

Franco duldet in New Order kein Pardon, und der sachliche Ton des Films sorgt für ein unglaublich beunruhigendes Erlebnis. Außerdem überzieht er den Film mit einer Zweideutigkeit, die den Zuschauer aus dem Gleichgewicht bringt. 

Flucht mit dem Auto in New Order - Die Neue Weltordnung
© Ascot Elite Entertainment

Die Revolution selbst bleibt vage. Sie wird eindeutig durch soziale Ungleichheit ausgelöst, lässt aber keinen Raum für Sentimentalitäten. Die Korruption des Staates, die Verräter, heimliche Sympathisanten und die Menschen, die ins Kreuzfeuer geraten, sind nur ein Teil des Geschehens, und die Motive bleiben undurchsichtig und schwer zu ergründen. 

Kamerafrau Yves Cape wechselt auf brillante Weise von dem mit der Handkamera aufgenommenen Chaos des Aufstands zu den beunruhigenden statischen Bildern der Nachwirkungen, was die Beklemmung noch verstärkt.

Fazit: Ein aufrüttelnder Film, der eine dystopische Sicht auf Mexiko und die immer größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich darstellt. New Order macht leider deutlich, dass die einzigen Gewinner der Revolution die am besten bewaffneten Kräfte sind. Alle anderen sind entbehrlich. Wertung 7 / 10


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