Film Kritik: "Run Hide Fight" ist kein Film mit einer Botschaft

Film Kritik: "Run Hide Fight" ist kein Film mit einer Botschaft

Regie: Kyle Rankin | VÖ: Ab 28. Oktober auf DVD | Länge: ca. 99 min | FSK: Ab 16 Jahren

Inhalt: Sie kommen zu viert, sind schwer bewaffnet und nehmen die Schüler in der Cafeteria der texanischen Vernon High School als Geiseln. Wer nicht spurt, wird erschossen. Im Livestream üben der größenwahnsinnige Tristan Voy und seine Handlanger Rache für all die Jahre, die sie von Lehrern und Mitschülern gedemütigt fühlten.

Doch bei ihrem blutigen Plan haben sie nicht mit Zoe gerechnet. Die 17-Jährige wird nicht tatenlos mit ansehen, wie ihre Freunde und Mitschüler vor laufender Kamera ermordet werden. Sie ergreift nicht die Flucht, sondern ist bereit zu kämpfen!


Die 17 jährige Zoe hat andere Probleme als sich Gedanken um den Abschlussball zu machen, weswegen sie auch recht harsch reagiert als ihr bester Freund fragt ob sie gemeinsam hingehen würden. Doch dann stürmen vier Mitschüler das Gebäude und schießen um sich.

Sie nehmen die Schüler als Geiseln und lassen sie auf ihren Handys per Livestream alles festhalten. Tristan, der Kopf der vier gewalttätigen Jugendlichen möchte am Liebsten die Aufmerksamkeit der ganzen Welt, sie sollen dabei zuschauen wie er seine High School in Grund und Boden befördert und alle mit sich mitreißt. Doch er hat seinen Plan ohne Zoe gemacht.

Denn diese ist dank ihres Vaters ausgebildet darin ein Gewehr zu benutzen, sich zu verstecken, zu rennen wenn es sein muss und am Ende auch zu kämpfen. Während Zoe auf eigene Faust dafür sorgt das so viele Schüler wie möglich fliehen können, versucht Tristan sie aufzuhalten um seinen Plan weiter verfolgen zu können. Ein spannender High School Thriller in der eine junge Frau fast schon so tough wie „John Wick“ durch eine Schule stürmt.

Die Presse im Interview mit einem der jungen Geiselnehmer
© Koch Films

Action statt Differenzierung: Ein Amoklauf der keiner ist

So spannend wie es klingen mag um so saurer stößt einem der Grundplot des Filmes auf. Absichtlich nennt man die vier Jugendlichen nicht „Amokläufer“, denn in der Art und Weise wie sie dargestellt werden und den Film über handeln ist äußert kritisch.

In der Filmwelt haben sich die ein oder anderen Werke schon mit den grausamen Taten von Menschen auseinandergesetzt. Ebenfalls mit dem Thema Amoklauf wie in „We need to talk about Kevin“. Diese Filme behandeln das Thema mit äußerster Sorgfalt, befragen in manchen Fällen wie bei „Utoya“ sogar die Opfer des Anschlages und wollen den Film so darstellen, dass es das Widerspiegelt was tatsächlich geschehen ist.

In „We need to talk about Kevin“ befassen sie sich mit der Mutter eines Amokläufers die fassungslos über die Tat ihres Sohnes beginnt darüber nachzudenken was ihn dazu verleitete.“Run, Hide, Fight“, ist kein Drama, spiegelt nicht mal ansatzweise eine grausame Tat wieder sondern beginnt und endet als Actionfilm in dem eine Schülerin so etwas wie ein Racheengel wird. Und auch Ansätze wie ein Bild der Täter herzustellen und das Innenleben dieser zu zeigen, sowie zu versuchen eine Antwort darauf zu geben wieso sie dies tun, endet nur darin das es sehr gestellt wirkt.

Die meiste Zeit bleiben die Täter aber Psychopathen die wie aus „Suicide Squad“ herauskopiert wirken. Durchgeknallt und ohne irgendwelche menschlichen Züge.

Run Hide Fight Foto credit: Danny Fulgenciodfulgencio.com
Foto credit: Danny Fulgencio dfulgencio.com © Koch Films

Das sensible Thema wird nicht mit dem gebotenen Maß an Verantwortung aufgearbeitet

Da stellt sich einem nicht die Frage: Werde ich gut unterhalten (denn das wird man), auch wenn es sich bei diesem Thema falsch anfühlt. Es stellt sich eher die Frage: Darf man ein solch sensibles Thema in so einem Umfang aufarbeiten? Denn Fakt ist: Amokläufe sind schon passiert, in Deutschland wie in Amerika – wie anderer Orts.

Die Opfer solcher Amokläufe würden diesen Tag nie als spannenden Thriller beschreiben, sie würden nicht sagen, dass sie loszogen sich eine Waffe besorgten und einen Rachefeldzug anstrebten. Die Filmbranche hat hier die Verantwortung mit diesen Themen im richtigen Grad umzugehen. Und wenn sie bestehende Taten verwenden wollen, sollte man sie auch mit Rücksicht auf die Opfer dieser Taten umzusetzen. Und da fällt es auch mir schwer noch darüber zu reden, wie ich die Besetzung fand oder wie diese auch durchaus überzeugend gespielt haben.

Ob ich die Nebenstory von der verstorbenen Mutter von Zoe zu überzogen fand oder genau richtig. Der Film ist spannend, man ist in dem Ausnahme Szenario gefangen, da die Schule mehr oder weniger abgeriegelt ist und ein Entkommen aus dem Gebäude Gefahren birgt.

Ein Junge mit einer Waffe schaut hinter der Wand hervor. Er befindet sich auf dem Flur einer Schule. Aus dem film Run Hide Fight
© Koch Films

Die Thematik mit dem Livestream, die nur in Zeiten wie diesen Denkbar ist, ein ganzes soziales Netzwerk teilhaben zu lassen an so etwas grausamen, wirft auch wieder Fragen auf wie viel Verantwortung eben auch diese Netzwerke haben. Das Amerika ein Waffenproblem hat steht auch außer Frage. Aber Filme wie „The Purge“ greifen auch das Thema auf, ohne dabei existierende grausame Geschehnisse in einem nicht passenden Genre zu zeigen.

Fazit: Der Ansatz des Filmes, eine spannende Teenager Thriller Story zu erzählen, hat auch in einem anderen Bereich schon gut funktioniert. Ob mehr mit Humor wie bei „Happy Death Day“ oder eben eher wie in „Don‘t Breathe“. Aber aus einem wirklich dramatischen Szenario eine solch reißerische Geschichte zu kreieren lässt mich noch etwas länger über die Macht der Filmindustrie nachdenken und wie sie diese nutzen.

Wertung: 5/10 (alleine wegen der Spannung)


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