Film Kritik: "Spencer" lebt durch die sehenswerte Performance von Kristen Stewart

Film Kritik: "Spencer" lebt durch die sehenswerte Performance von Kristen Stewart

Besetzung: Kristen Stewart, Jack Farthing, Richard Sammel, Amy Manson, Sally Hawkins, Sean Harris, Timothy Spall

Regie: Pablo Larraín | Drehbuch: Steven Knight | Produzenten: Juan de Dios Larraín, Jonas Dornbach, Janine Jackowski, Maren Ade, Paul Webster | Laufzeit: ca. 111 Min | Kinostart: 13. Januar 2022


Inhalt: Heiligabend. Prinzessin Diana (Kristen Stewart) trifft mit Verspätung in Sandringham ein, um mit der königlichen Familie die Festtage zu feiern. Nach zehn Jahren Hochzeit steckt ihre Ehe in einer Krise, ihr psychischer Zustand ist bedenklich und das Königshaus versucht, sie zu kontrollieren.

Aber Diana, die sich immer noch zu ihrem nahe gelegenen Familiensitz hingezogen fühlt, der mittlerweile in Trümmern liegt, macht nicht mit.

©STX Films

Im Vorspann wird der Film als „Fabel einer wahren Tragödie“ bezeichnet und damit der Ton des Films vorgegeben: Spencer ist das absolute Gegenteil von „The Crown“.

Wenn die neueste Staffel von Peter Morgans Serie ein verhaltener Versuch ist, die königlichen Machenschaften rund um Prinzessin Diana zu ergründen, dann ist Pablo Larraíns Film ein wild spekulatives, wenn auch losgelöstes Porträt einer kaum zu bändigenden Hysterie und Verletzlichkeit, gespickt mit phantasievollen Ausflügen und alles wird mit großartigem Stil erzählt.

Er ähnelt nicht nur thematisch Larraín`s Jackie-eine Frau, die in der Öffentlichkeit einen Nervenzusammenbruch erleidet. Vielmehr hat er auch einen entscheidenden Vorteil: eine beeindruckende Hauptdarstellerin. Wie Natalie Portman vor ihr schlüpft Kristen Stewart in die Haut einer der berühmtesten Frauen der Welt und verwandelt sich dabei, ohne dass es jemals wie eine Imitation wirkt.

Die Eröffnung wirkt wie ein gut gemachter Thriller – ein Militärkonvoi bringt Kisten mit luxuriösen Lebensmitteln nach Sandringham. Und Drehbuchautor Steven Knight erschafft ein dreitägiges königliches Weihnachtsfest, das aus einer Mischung aus seltsamen Ritualen (die Gäste von Sandringham werden bei ihrer Ankunft auf einer Waage gewogen) und streng geregelten Essens-Abläufen.

Dabei sehnt sich die volksnahe Prinzessin immer wieder nach ihrem Leben vor der Ehe (die Jacke ihres Vaters an einer Vogelscheuche, ihr verfallenes Elternhaus). Nicht umsonst heißt der Film „Spencer“.

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Ständige Kontrolle und Druck

Sie wird ständig von Major Gregory (Timothy Spall, großartig) beobachtet, der ihr nachspioniert, während sie in einem Kühlschrank nach Kuchen und Trost sucht. Sie glaubt, dass er sie unter Druck setzt, indem er das Buch „Anne Boleyn: Leben und Tod einer Märtyrerin“ auf ihrem Bett liegen lässt.

Mit Ausnahme ihrer Kinder – William (Jack Nielen) wird als besonders einfühlsame Seele dargestellt – kommt Dianas einziger Trost ausgerechnet von ihrer Hofdame Maggie (eine liebevolle Sally Hawkins), deren Freundlichkeit und Unterstützung ihr jedoch von den Verantwortlichen entrissen wird, was schließlich zu einem tollen Wiedersehen am Ende des Tages führt, das mit einer großen Überraschung gekrönt wird.

Auch wenn es einen gut gefiilmten Streit zwischen Diana und Charles (Jack Farthing) an einem blutroten Snookertisch gibt, handelt es sich nicht um einen Film über königliche Zerwürfnisse. Vielmehr taucht Spencer tief in Dianas angeschlagene Psyche ein. Angefangen bei Bulimie über das Verschlingen von Perlen, die ihr in die Suppe gefallen sind, bis hin zu einer Montage legendärer Outfits, die ihre Sehnsucht nach glücklicheren Zeiten verdeutlicht.

Alles in allem ist die Machart des Films ausgesprochen überzeugend. Kamerafrau Claire Mathon pirscht sich an Stewart heran, als ginge es um das Overlook Hotel (The Shinning), und der Soundtrack von Jonny Greenwood schwankt zwischen orchestralem Tamtam und wildem, swingendem Jazz. Doch Larraíns Ansatz hat etwas Unnahbares an sich. Die Geschichte von Spencer berührt einen nie so, wie es eigentlich sein sollte.

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Stewart verleiht einer Ikone menschliche Züge

Doch Stewarts Leistung ist bemerkenswert. Ganz gleich, ob es sich um eine beiläufige Zeile handelt (Lasst mich jetzt allein, ich will masturbieren) oder um Momente, in denen sie die königliche Tradition der Fasanenjagd in Frage stellt.

Die Schauspielerin, die selbst ein zwiespältiges Verhältnis zu Ruhm und Kontrolle hat, glänzt nach außen hin, während sie gleichzeitig andeutet, dass darunter Schichten von Zerrissenheit liegen. Mit ihrer besten Leistung seit „Personal Shopper“ verleiht sie einer Ikone Menschlichkeit.

Fazit: „Spencer“ ist ein mutiges, mitfühlendes, poetisches Gegenstück zu den üblichen royalen Biopics, auch wenn es einen nicht wirklich berührt. Es ist die Bestätigung, das Kristen Stewart eine der vielversprechendsten Schauspielerinnen der Gegenwart ist. Film Bewertung: 7 / 10

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