Film Kritik "The French Dispatch": Andersons Flirt mit der Welt aus Politik, Sex und Gewalt

Film Kritik "The French Dispatch": Andersons Flirt mit der Welt aus Politik, Sex und Gewalt

Genre: Romanze/Komödie | Kinostart: 21. Oktober 2021 | Regie: Wes Anderson | Mit: Bill Murray, Frances McDormand, Owen Wilson, Léa Seydoux, Tilda Swinton, Benicio Del Toro, Timothée Chalamet, Jeffrey Wright, Willem Dafoe, Mathieu Almaric, Stephen Park u.a.


Inhalt: In der Stadt Ennui-sur-Blasé bringen die Mitarbeiter des renommierten Magazins „The French Dispatch“ gerade ihre letzte Ausgabe heraus.

Abgesehen von Nachrufen und Reisen werden Geschichten über gefangene Künstler, revolutionäre Studenten und die Rolle der gehobenen Gastronomie während der Entführung des Sohnes des Polizeipräsidenten veröffentlicht.

© Searchlight Pictures

Wesley Wales Anderson (sogar sein Name klingt wie einer seiner Charaktere) macht mit „The French Dispatch“ Nägel mit Köpfen. Er ist eine Hommage an Fachzeitschriften, an ein aussterbendes Zeitalter des Journalismus, an die Reise, an Frankreich im Allgemeinen und an das französische Kino im Besonderen.

Der Film ist im Magazinformat aufgebaut – ein Nachruf, ein Reiseabschnitt und drei Reportagen – was ihm den Charakter eines Porträtfilms verleiht. Dadurch ist er etwas reduzierter als einige von Andersons Erzählungen, aber es handelt sich immer noch um einen Regisseur, der auf dem Höhepunkt seines Könnens arbeitet.

Auch interessiert: Film Kritik zu Venom – Let There Be Carnage

Es ist aber auch ein kompliziert konstruierten Film voller Details, komödiantischer Einfallsreichtum – sowohl auf hohem als auch auf niedrigem Niveau – fantastischer Ausflüge in die menschliche Vorstellungskraft, hervorragend ausgearbeiteter Filmgestaltung und einer ansteckenden Portion Spaß.

Vier Personen sitzen um einen T isch herum und essen. Eine Person bedient. Eine Szene aus dem film The French Dispatch
(von L-R): Hippolyte Girardot, Stephen Park, Jeffrey Wright and Mathieu Amalric in THE FRENCH DISPATCH. Foto Courtesy of Searchlight Pictures. © 2021 The Walt Disney Company Germany. All Rights Reserved

Der beste journalistische Ratschlag des Films kommt von Bill Murray

Bei der Zeitschrift handelt es sich um „The French Dispatch“, einen Ableger „der ‚The Liberty, Kansas Evening Sun'“.

Die erste Todesanzeige gilt Arthur Howitzer Jr. (Bill Murray), einem Redakteur der alten Schule mit einem Schild „Weinen verboten“ über der Tür und hilfreichen journalistischen Ratschlägen („Versuchen Sie einfach, es so klingen zu lassen, als hätten Sie es mit Absicht so geschrieben„).

Es folgt eine kurze Reise-Kolumne, in der Herbsaint Sazerac (Owen Wilson) durch die fiktive Stadt Ennui-sur-Blasé radelt und Einblicke in verschiedene Straßenzüge sowie herumstreunenden Katzen gewährt, während Split Screens eine pointierte Perspektive von damals und heute vermitteln.

Timothée Chalamet und Lyna Khoudri in THE FRENCH DISPATCH. Photo Courtesy of Searchlight Pictures. © 2021 20th Century Studios All Rights Reserved
Timothée Chalamet und Lyna Khoudri in THE FRENCH DISPATCH. Photo Courtesy of Searchlight Pictures. © 2021 20th Century Studios All Rights Reserved

Drei Episoden die kompliziert klingen, aber eine Menge Spaß machen

Danach geht es in den ersten richtigen Beitrag. „The Concrete Masterpiece“ wird von Tilda Swintons Kunstkorrespondentin J.K.L. Berensen erzählt und zeigt die fesselnde Geschichte des verurteilten Mörders Moses Rosenthaler (Benicio Del Toro).

Er engagiert die Gefängniswärterin Simone (Léa Seydoux) als Aktmodell und Muse und zieht damit die Aufmerksamkeit des Kunsthändlers Julien Cadazio (Adrien Brody) auf sich. In der mittleren (am wenigsten befriedigenden) Episode, „Revisions To A Manifesto“, vermischen sich gottesfürchtiger Radikalismus und eine Romanze im Stil von Truffaut, als die Essay-Autorin Lucinda Krementz (Frances McDormand) in den Wirren des Mai 1968 eine Affäre mit dem Studenten Zeffirelli (Timothée Chalamet) beginnt.

In „The Private Dining Room Of The Police Commissioner“ (Der private Speisesaal des Polizeipräsidenten) porträtiert Jeffrey Wright den genialen Koch Nescaffier (Stephen Park), der in ein Entführungskomplott verwickelt wird.

In dieses Komplott sind der Sohn des Polizeipräsidenten (Mathieu Almaric), Gangster und ein Buchhalter aus der Unterwelt, bekannt als „The Abacus“ (Willem Dafoe), verwickelt. Das klingt kompliziert, ist aber ein toller Spaß.

(von L-R): Wally Wolodarsky, Bill Murray und Owen Wilson in THE FRENCH DISPATCH. Photo Courtesy of  Searchlight Pictures. © 2020 Twentieth Century Fox Film Corporation All Rights Reserved
(von L-R): Wally Wolodarsky, Bill Murray und Owen Wilson in THE FRENCH DISPATCH. Photo Courtesy of Searchlight Pictures. © 2020 Twentieth Century Fox Film Corporation All Rights Reserved

Die Anderson-Neulinge Del Toro, Chalamet, Wright, Elisabeth Moss – sind ebenso auf der Wellenlänge wie die Dauerbrenner

Sämtliche Anderson-Lieblingsmotive sind hier zu finden: symmetrische Kompositionen, Untertitel, Spielereien mit dem Seitenverhältnis, riesige Querschnitte (ein Flugzeug) und eine Pastellfarbe, die es mit „Die Regenschirme von Cherbourg“ aufnehmen kann. Doch es gibt auch einige Neuerungen in der Rezeptur. „The French Dispatch“ ist der erste Anderson-Film mit einer animierten Verfolgungsjagd, die direkt aus den Seiten von Tim und Struppi stammen könnte.

Außerdem ist es ein seltener W. Anderson-Film, der die Realität einbezieht und sich mit Politik, Sex und Gewalt auseinandersetzt, was in seinen ausgefallenen, abgeschotteten Universen oft nicht vorkommt. Der Schluss ist angenehm wehmütig, und es macht Spaß, das Werk in Ruhe zu betrachten. Jetzt abonnieren!

Fazit: „The French Dispatch“ ist eine (fast) bis ins kleinste Detail durchdachte Inszenierung. Auch wenn ihm eine fesselnde Geschichte fehlt, konnte dieser Film nur von Wes Anderson realisiert werden. Und in Zeiten von Regisseuren, bei denen alles nach Schema F abläuft, ist dies eine Vision, die man zu schätzen weiß. Chapeau! Wertung: 8 / 10

(von L-R) Elisabeth Moss, Owen Wilson, Tilda Swinton, Fisher Stevens and Griffin Dunne in THE FRENCH DISPATCH
(von L-R): Elisabeth Moss, Owen Wilson, Tilda Swinton, Fisher Stevens and Griffin Dunne in THE FRENCH DISPATCH. Photo Courtesy of Searchlight Pictures. © 2020 Twentieth Century Fox Film Corporation All Rights Reserved

Kommentar hinterlassen

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.