Film Kritik: "The Secrets We Keep" ist ein eindringlicher Thriller mit hoher erzählerischer Dichte

Film Kritik: "The Secrets We Keep" ist ein eindringlicher Thriller mit hoher erzählerischer Dichte

Regie: Yuval Adler | Erschienen: 27. Mai im Kino – seit dem 10. September als VoD, Blu-ray und DVD | Laufzeit: ca. 99 Minuten | FSK: AB 16 Jahren | Mit Noomi Rapace, Joel Kinnaman, Chris Messina, Amy Seimetz


Inhalt: Maja (Noomi Rapace) hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg mit ihrem Mann (Chris Messina) ein neues Leben in einem amerikanischen Vorort aufgebaut. Ihre Vergangenheit in Europa versucht sie zu vergessen und hat diese auch ihrem Mann bislang verheimlicht.

Während eines Ausflugs mit ihrem Sohn lässt die zufällige Begegnung mit einem Fremden (Joel Kinnaman) jedoch die Erinnerung an die erlebten Gräuel unvermittelt wiederaufkommen.

Copyright: LEONINE Studios

Maja wohnt mit ihrem Mann, der in einem Krankenhaus für Menschen mit Kriegsverletzungen arbeitet, zusammen in einem kleinen, amerikanischen Vorort. Eines Tages begegnet Maja einem Fremden, der ihr sehr vertraut vorkommt.

Sie verfolgt ihn bis zu seinem Haus, in dem er mit seiner Frau und ihren zwei Kindern lebt. Maja wird immer klarer woher sie ihn zu kennen scheint. Daraufhin entführt sie den Fremden und versteckt ihn in ihrem Keller. Und zum ersten Mal muss sie auch ihrem Ehemann offen über die Erlebnisse aus dem Krieg berichten und davon, woher sie diesen Fremden zu kennen scheint. Er ist angeblich einer der Soldaten, der ihre Schwester auf dem Gewissen hat- und ihr und anderen auch weitaus schlimmere Dinge angetan haben soll.

Ihr Mann weiß nicht wem er glauben soll, da der Entführte abstreitet im Krieg gewesen zu sein. Immer mehr scheint Maja diejenige zu sein, die durch ein Trauma nicht in der Lage ist die Realität von ihrem Wunsch nach Rache zu unterscheiden. Doch sie will nicht aufgeben die Wahrheit aus dem Mann herauszubekommen, auch wenn inzwischen alle nach dem Entführten suchen, einschließlich seiner Ehefrau.

Noomi Rapace ist misstrauisch ihrem Mann gegenüber und beäugt diesen aus der Küche. The Secrets we keep ist ein neuer Thriller mit Noomi Rapace
Maja (Noomi Rapace) lebt zufrieden in dem amerikanischen Vorort ©Leonine Film

Die Frage nach Schuld und Unschuld, ist in einen spannenden Thriller eingebettet

Ein Drama, das vielmehr auch ein Thriller ist, der sich schnell zu einem Katz und Maus Spiel der anderen Art entwickelt. Dabei spielt die Zeit, in welcher der Film gebettet ist, eine untergeordnete Rolle, denn die Prämisse hätte auch in der Gegenwart stattfinden können – nur mit einem anderen Aufhänger. Spannend wird der Film vor allem in dem Moment wo Noomi Rapace aus einer liebenden und fürsorglichen Ehefrau zur Rächerin wird, die nur eines will: Die Wahrheit herausfinden.

Sie hat verdrängt was damals geschah – und übrig geblieben sind nur noch blasse Erinnerungen. Einzig bei den Augen des Fremden Mannes ist sie sich sicher, den Peiniger aus der damaligen Zeit wiederzuerkennen. Da wir als Zuschauer zwischen den Stühlen sitzen und sowohl die Perspektive von Maja`s Ehemann, als auch ihre eigene abwechselnd
einnehmen, stellt der Film eine einzige, nervenzerreißende Frage: Ist der Fremde schuldig oder unschuldig ?

Und kann man bei einem Kriegsverbrechen noch über Schuld reden? Ist der Mann vielleicht, wenn er schuldig sein sollte, selbst irgendwo auch ein Opfer? Diese und andere Fragen wirft der Film auf, während er ebenfalls einen spannenden Thriller erzählt, in dem jemand entführt wurde, in einem Haus festgehalten wird, in dem auch ein Kind lebt. Das alles in einem Vorort, wo jeder jeden kennt und die Polizei schnell in ihrem Haus steht, auf der Suche nach Antworten – wo denn der Fremde abgeblieben ist.

Noomi Rapace beäugt ihren Mann Joel Kinnaman im kommendn Thriller The Secret we keep
©Leonine Film – Wird der Mann (Joel Kinnaman) die Wahrheit sagen?


Authentisch erzählt mit einer stark aufspielenden Noomi Rapace

Dies kreiert immer wieder extreme Situationen, in denen die Spannung bis zum Anschlag ausgekostet wird. Auch die immer verwirrtere Maja, grandios gespielt von Rapace, erscheint einem mehr und mehr Suspekt. Der Gedanke ihres Ehemannes, dass sie sich nur einbildet den richtigen Mann gefunden zu haben, wirkt mit der Zeit immer weniger abwegig. Doch was macht man, wenn man nach so einer langen Zeit das Gefühl hat, endlich seine Rache und lang erwartete Antworten zu bekommen.

Kann man den Fremden einfach gehen lassen, sollte er unschuldig sein? Hierbei stützt sich der Film auf Maja, auf ihre Emotionen und ihr Handeln. Majas Aktionen wirken in einem Moment, als wäre sie kurz vor dem durchdrehen, um sie im nächsten Moment dann wieder ruhig und besonnen wirken zu lassen.

Maja`s Charakterisierung ist so interessant und vielseitig, dass sie allein den Film trägt, natürlich getragen durch die tolle schauspielerische Leistung von Noomi Rapace. Dennoch vergisst der Film nicht, das Drama was sich hinter der Entführung verbirgt, sowie das (Kriegs-) Verbrechen und das Trauma was es mit sich brachte.

Umso menschlicher wird Maja gegen Ende, als sie auch die Ehefrau des Fremden näher kennen lernt. Yuval Adler ist hier etwas gelungen, das man bei “Die Agentin“ vermisst hatte: Authentizität. Wir haben das Gefühl die Handlungen aller Personen nachvollziehen zu können – bis hin zum bitteren Ende.

Joel Kinnaman in einem Eisenwarenladen im Film The Secret We Keep
Ist der Mann (Joel Kinnaman) im Eisenwarenladen tatsächlich ein deutscher Nazi? © Leonine Film

Fazit: Jede kleine Wendung, jede Änderung der Richtung, welche der Film einschlägt, nimmt nichts vom Kern der Geschichte oder will nur eine actionreichere Handlung bieten, damit der Zuschauer gebannt sitzen bleibt. Der Film wirkt nicht nur stimmig, sondern ist auch durchweg gut inszeniert. Ein wahnsinnig einprägsames Filmerlebnis, das
unglaublich stark erzählt wird und einem noch lange im Gedächtnis bleibt. Wertung: 8 / 10


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