Glass Onion: A Knives Out Mystery bietet ein rauschendes, farbenfrohes und erfreulich unterhaltsames Vergnügen

Glass Onion: A Knives Out Mystery bietet ein rauschendes, farbenfrohes und erfreulich unterhaltsames Vergnügen

Genre: Krimi / Komödie | Produktion: USA 2022 | Laufzeit: ca. 139 Minuten | Regie: Rian Johnson

Mit: Daniel Craig, Edward Norton, Kate Hudson, Leslie Odom Jr., Dave Bautista, Janelle Monáe, Kathryn Hahn, Madelyn Cline, Jessica Henwick u.a

Im Kino ab 23. November 2022 – Ab 23. Dezember auf Netflix


Inhalt: Der exzentrische Milliardär Miles Bron (Edward Norton) lädt seine besten Freunde und „Unruhestifter“ auf eine griechische Privatinsel zu einer Krimi-Party ein. Als ein Gast tatsächlich stirbt, ist es wieder einmal an Detektiv Benoit Blanc (Daniel Craig), den Fall zu lösen.

© Netflix

Egal, ob man ein Detektiv oder ein Regisseur ist, es ist immer schwierig, einen neuen Fall zu übernehmen. Als Rian Johnson das letzte Mal eine Fortsetzung drehte (Die letzten Jedi von 2017), hätte er beinahe das Internet lahmgelegt.

Zumindest die Ecke, die sich gerne über Star Wars streitet. Als der Gentleman-Detektiv Benoit Blanc das letzte Mal einen Fall löste (in Knives Out von 2019, Johnsons Liebesbrief an Agatha Christie und eine kleine Hommage an das Krimi-Genre), fiel er fast in ein imaginäres Donut-Loch.

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In der Fortsetzung von „Knives Out“ – dem ersten Teil eines millionenschweren Deals mit Netflix – ist Benoit Blanc (Daniel Craig) der einzige wiederkehrende Charakter der Reihe. Jedes Mal werden ein neuer Fall und eine neue Riege von Charakteren präsentiert.

Obwohl es sich also technisch gesehen um eine Fortsetzung handelt, fühlt es sich eher wie der neuste Eintrag in einer fortlaufenden Anthologie an, eine eigenständige Geschichte, die für sich allein genommen Spaß macht.

Daniel Craig als Benoit Blanc in Glass Onion - Knives Out 2
© Netflix

Es gibt Leichen und Blut, Wendungen und Irreführungen

Das soll nicht heißen, dass es keine Gemeinsamkeiten mit dem Original gibt, und in der Tat steckt hier viel mehr vom Gleichen drin: eine entzückende Runderneuerung all dessen, was Knives Out so wunderbar überzeugend machte.

Erneut geht es um ein mysteriöses Verbrechen, das selbstbewusst auf das Genre verweist (der erste Film spielte im Haus eines Krimiautors und spiegelte die fiktiven Verbrechen des Autors wider; dieser Film spielt während eines Wochenendes im Rahmen eines Krimi-Spiels).

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Hier gibt es Leichen und Blutspritzer. Es gibt Hinweise, Wendungen und Irreführungen, die das mehrfache Anschauen rechtfertigen. Es gibt ein abschließendes Resümee sowie eine große Auflösung des Falles in einer großen Räumlichkeit, die einem Ausstellungsraum gleicht. Aber es sieht und fühlt sich alles spürbar anders an, und das nicht nur, weil Netflix jetzt das Budget erweitern kann.

Während Knives Out ein klaustrophobischer, stimmungsvoller Neu-England-Krimi war, der an die schaurige Spannung von Mord mit kleinen Fehlern (Sleuth-1972) oder den ausgeprägten Witz von Alle Mörder sind schon da (Clue-1985) erinnerte, wählt Johnson hier einen völlig anderen Schauplatz.

Hier geht ein Ferienaufenthalt schief, und zwar in Anlehnung an Christies Miss Marple: Das Mörderfoto (A Carribian Mystery -1983) oder, genauer gesagt, an Stephen Sondheims Sheila (The Last Of Sheila-1972)

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Eine weitere, ikonische Rolle für Daniel Craig

Auch dieses Mal ist Blanc nicht mehr nur ein „passiver Beobachter der Wahrheit“, sondern ein aktiver Bestandteil des Spiels. Wir erfahren etwas über sein Privatleben, seine Selbstzweifel, seine Vorliebe für lange Bäder und seine umfassende Leinenhalstuch-Sammlung.

Dadurch wirkt er als Figur runder, zum einen in erzählerischer Hinsicht – Johnson legt großen Wert darauf, sein Einfühlungsvermögen und seine Klugheit zu unterstreichen – und zum anderen in komödiantischer Hinsicht, da er mit mehr köstlichem „Südstaaten-Hokuspokus“ gesegnet ist, wie Blanc es selbst selbst ironisch ausdrückt.

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Wer die „Doughnut Holes“ des ersten Films genossen hat (vorausgesetzt, man schaut den Film in der Originalversion), wird sich besonders daran erfreuen, wie Craig immer wieder das Wort „Buttress“ über die Lippen bringt. Die Zeit in Blancs Gesellschaft zu verbringen, bleibt ein außerordentliches Vergnügen, und wenn dies eine kontinuierliche Angelegenheit sein soll, worauf es hinauszulaufen scheint, besteht die Chance, dass Blanc für Craig eine ebenso prägende Rolle wie die von Bond sein wird.

Selbstverständlich ist er von einer weiteren großartigen Ansammlung potenzieller Mörder bzw. Mordopfer umgeben, und Johnson beweist einmal mehr sein Geschick, aus einer Fülle schauspielerischer Möglichkeiten zu schöpfen.

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Glass Onion: A Knives Out Mystery ist in erster Linie eine Komödie

Vielmehr handelt es sich um eine zu gute Besetzung, bei der Talente der Superlative wie Kathryn Hahn kaum etwas zu tun bekommen. Man könnte jedes Mal, ein anderes Mitglied herauspicken.

Besonderes Lob gebührt jedoch Janelle Monáe, die zum ersten Mal ihr vielseitiges komödiantisches Talent in einer komplexen Rolle unter Beweis stellen kann, in der sie sowohl betrunkene Albernheiten als auch „Wenn Blicke töten könnten“ – Blicke einsetzen muss. Und Kate Hudson, die in ihrer Rolle als Fashionista mit einer Vorliebe für das Twittern von rassistischen Beleidigungen einen Riesenspaß hat.

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Alle sind extrem witzig, und mit dem Szenenwechsel gegenüber dem ersten Film ändert sich auch der Tonfall. Die Stimmung hellt sich auf, so wie sich das Wetter aufhellt. Während der erste Film wie ein Mysterium mit einigen komödiantischen Einlagen wirkte, fühlt sich dieser Film eher wie eine Komödie an, die erst in zweiter Linie ein Krimi-Mysterium darstellt.

Manchmal hat man das Gefühl, dass man die Verrücktheit ein wenig hätte zügeln sollen – man bekommt unzählige Cameos von Stars und Sternchen zu sehen, plus freche Verweise auf bekannte Produkte, was ein wenig zu viel des Guten ist.

Glass Onion: A Knives Out Mystery Schriftzug
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Ein Zwiebelberg voller Überraschungen

Aber meistens ist der Film so amüsant wie einige der besten Komödien und bietet einen wahren Zwiebelberg voller Überraschungen. Wichtig ist auch, dass die Lacher durch ein herrlich konstruiertes Drehbuch gestützt werden, dessen labyrinthartige Erzählung sich langsam und genüsslich wie ein Puzzlespiel entfaltet (passend, da der Film mit einem Rätselkasten beginnt).

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Auch wenn die Auflösung nicht ganz so überraschend ist wie die des ersten Films, so bleibt doch ein Gefühl absoluter Zufriedenheit zurück. Im Grunde ist der Film ein echter Spaß für das Publikum, und man sollte ihn am besten mit einem solchen erleben. Um Blanc falsch zu zitieren: Es macht einfach verdammt viel Sinn. Auf zum nächsten Fall!

Fazit: Ein rauschendes, farbenfrohes, erfreulich kurzweiliges und unterhaltsames Vergnügen über knapp 140 Minuten. Wenn es mit rechten Dingen zugeht, werden Rian Johnson und Daniel Craig auch weiterhin Filme im Benoit Blanc Cinematic Universe drehen.

Film Bewertung 8 / 10

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