"Krass Klassenfahrt - Der Kinofilm" ist ein abstruser Trip, der inhaltlich vollkommen versagt

"Krass Klassenfahrt - Der Kinofilm" ist ein abstruser Trip, der inhaltlich vollkommen versagt

Genre: Komödie | Produktion: Deutschland 2021 | Laufzeit: ca. 98 Minuten | Regie: Felix Charin

Mit: Jonas Ems, Sydney Amoo, Vivien König, Kayla Shyx und Jamie Birrell | FSK: 12 |

Ab 18. März 2022 als DVD, Blu-ray und digital erhältlich!


Inhalt: Kroatien ruft! Für die 12. Klasse eines Berliner Gymnasiums geht es auf Abschlussfahrt. Zusammen mit der an Stressattacken leidenden Lehrerin Frau Gruber und dem überengagierten Referendar Georg startet die Reise allerdings so gar nicht wie geplant: Im sogenannten Eco-Hostel – kein Strom nach 18 Uhr, genderneutrale Toiletten und nur eine (!) Steckdose pro Raum – scheint der Traum eines Insta-tauglichen Strandurlaubs mit endlosen Partys zu platzen, bevor er überhaupt begonnen hat.

Dabei hatte gerade McLarry große Hoffnungen auf Ablenkung, denn er ist der Einzige, der das Abi nicht bestanden hat. Doch dann der Lichtblick – sein Lieblingsrapper und Idol Zeno ist auch in Kroatien! Die perfekte Gelegenheit für McLarry, ihm seine eigenen Songs zu präsentieren.

Zusammen mit seinem besten Kumpel Cornelius und den beiden Best Friends Bella und Alena setzen sie sich von der Klasse ab und machen sich auf zu Zenos Villa. Mit Aufpasser Georg im Schlepptau beginnt das krasseste Abenteuer ihres Lebens.

Die letzte gemeinsame Klassenfahrt steht an, bevor es für die 12. Klasse eines Berliner Gymnasiums dann heißt: Abitur. Nur für McLarry heißt dies leider, dass er schauen muss, was er mit dem nicht bestandenen Abitur anfangen will. In seiner Freizeit schreibt er Texte und möchte irgendwann Rapper werden.

Da kommt es gelegen, dass es auf Abschlussfahrt nach Kroatien geht und sich dort auch der Lieblingsrapper von McLarry aufhält. Er und sein bester Freund Cornelius wollen ihn mit Hilfe von Cornelius‘ Freundin Alena und seiner Freundin Bella finden und ihn von McLarrys Talent überzeugen.

Doch auf der Fahrt kommt alles anders, als erhofft. Zum einen ist die Klasse in einem Öko-Hotel untergebracht, was bedeutet, dass es nur eine Steckdose pro Zimmer und nach 18 Uhr keinen Strom mehr gibt. Zudem lässt Frau Gruber die chaotische Truppe kaum aus den Augen. Wie soll die 4er-Gruppe da jemals unbemerkt ihr eigenes Ding machen können?

Krass Klassenfahrt
Hoch die Hände – auf zur Klassenfahrt! V.l.n.r.: Bella (Kayla Shyx), Cornelius (Sydney Amoo), Alena (Vivien König), Referendar Georg (Jamie Birrell), McLarry (Jonas Ems) © Leonine Studios

Eine Web-Serie macht noch lange keinen guten Film

Vielleicht wollte Felix Charin hier eine Klassenfahrt wie in “ Fack Ju Göhte“ schildern. Mit allerlei schrägen Charakteren und ähnlich chaotisch. Dafür hätte man sich aber mehr von der Vorlage zu diesem Film entfernen müssen. Schon die YouTube-Serie „Krass Klassenfahrt“, die den Ausgangspunkt des Films bildet, hatte einige grobe Schwächen.

Nach Ansicht der Macher Jonas Ems und Jonas Wuttke sollte sich die Serie nicht zu ernst nehmen. Sie hatten die Serie im Hinblick auf die vielen Reality-Formate, die im Fernsehen ausgestrahlt werden, konzipiert. Es sollte ein Format sein, in dem diese Reality-Sendungen auf eine stark überspitzte Art und Weise auf die Schippe genommen werden. Leider kam es genau so rüber, wie es klingt: schräg, kindisch und obszön.

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Die Figuren der Serie wurden von den Machern selbst und verschiedenen YouTubern gespielt. Man hätte nach dem Film „Kartoffelsalat“ zu dem Schluss kommen können, dass YouTuber zwar in der Lage sind, eigene kurze Sketche zu produzieren, dass ihnen aber das nötige Know-how für ganze Filme oder Serien fehlt.

Doch die Produktionsfirma sah das anders. Nach dem die Serie sogar den Sprung auf die Plattform Joyn schaffte und mit 13 Staffeln auch beim jungen Zielpublikum der Youtuber erfolgreich war, sollte sie nun einen Abschluss in einem Kinofilm finden.

Die Klassenfahrt macht gute Laune: Alena (Vivien König) und Cornelius (Sydney Amoo) legen einfach mal ein kleines Tänzchen hin.
Krass Klassenfahrt Der Kinofilm Sondermotiv © Leonine Studios

Abstruse Handlung mit schlechten Dialogen

Auch wenn Jonas Ems und Jonas Wuttke nicht zum Stab des Films gehören, klingen die Dialoge wie in der Serie und auch die Handlung wirkt desaströs. Während Jonas Ems kein überzeugender Schauspieler ist und damit schon die Hauptrolle des Films nicht funktioniert, ist auch die Darstellerin der Bella leider völlig fehlbesetzt.

Dazu kommen fragwürdige Handlungsstränge im Film. So geht die Lehrerin auf Abschlussfahrt und redet von Prüfungen, obwohl jeder schon weiß, ob er/sie das Abitur bestanden hat. Ein weiteres Beispiel ist Bellas Drogentrip, der keine Auswirkungen zu haben scheint und von dem sie innerhalb von Minuten wieder topfit zu sein scheint.

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Diese Fehler sind es auch, die einen immer wieder aus der Handlung reißen. Einzig die Darsteller von Alena und Cornelius scheinen etwas Feingefühl zu haben und sind somit auch die einzig richtigen Besetzungen in diesem Film. Der Film ist ein gut gemeinter Unterhaltungsfilm für eine junge Zielgruppe, die auch Fan der Serie ist. Jeder andere Filmkonsument wird von dieser desaströsen Komödie leider abgeschreckt.

Die Idee des Fernseh-Teams, welches die Klasse begleitet, ist recht unterhaltsam und auch der Kern der Geschichte ist gut. Hier geht es um Zukunftsängste, Wünsche und Ziele. Das Filmende mit der Zusammenfassung, was die einzelnen Charaktere jetzt alle machen, und wo sie gelandet sind, ist ein gelungener Abschluss, aber auf dem Weg dorthin stolpert der Film über seine eigenen Füße.

Fazit: Mit einfachen, überzeugenden Texten, gesprochen von talentierten Jungschauspielern, anstelle von unrealistischen, unnötigen und schlecht geschriebenen Dialogen, wäre Felix Charins „Krass Klassenfahrt“ kein so abstruser Ritt geworden. So bleibt am Ende nur zu sagen, dass „Krass Klassenfahrt“ dem „Kartoffelsalat“ zwar technisch um einiges voraus ist, aber inhaltlich genauso versagt.

Film Bewertung 2 / 10

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