"Moonfall" ist ein zutiefst trotziger, manchmal nervtötender Schwachsinn

"Moonfall" ist ein zutiefst trotziger, manchmal nervtötender Schwachsinn

Genre: Sci Fi / Action | Produktion: USA 2021 | Laufzeit: ca. 120 Minuten | Regie: Roland Emmerich

Mit: Patrick Wilson, Halle Berry, JOhn-bradley-West, Kelly Yu, Charlie Plummer, Donald Sutherland, Michael Pena u.a


Inhalt: Zehn Jahre nachdem ein Schwarm mysteriöser außerirdischer Technologien eine Weltraummission gestoppt hat, beginnt sich die Umlaufbahn des Mondes zu verändern. Wenn der Mond seine neue Flugbahn beibehält, könnte die Welt, wie wir sie kennen, zerstört werden. Zwei ehemalige Astronauten – und ein Verschwörungstheoretiker – müssen die außerirdische Bedrohung aufhalten und die Welt retten.

© Leonine Studios

Man kann sich das Pitch-Meeting, bei dem Moonfall ins Leben gerufen wurde, praktisch vorstellen. Irgendwo in einem Besprechungsraum in Hollywood wird Däumchen gedreht, das Whiteboard ist leer – bis jemand plötzlich eine Eingebung hat und aufspringt: „Was wäre, wenn der Mond… herunterfallen würde?“ Alle klatschen ab. Nehmen Sie sich den Rest des Tages frei. Mittagspause.

Die Idee ist wahrlich eines Roland Emmerich würdig, einem Filmemacher, der noch nie eine Idee hatte, die sich nicht steigern ließ. Der deutsche Filmemacher hat seit langem ein lukratives Geschäft mit dämlichen Katastrophenfilmen aufgebaut – und damit das Genre im Mainstream-Kino fast im Alleingang am Leben erhalten. Auch in diesem Fall nimmt er ein lächerliches B-Movie-Konzept und überzieht es mit einem A-Movie-Budget.

„Moonfall“ reiht sich in eine lange Liste von Filmen aus dem Emmerich-Universum ein, dessen klare und ausgefeilte Formel bis zu „Independence Day“ von 1996 zurückreicht.

Sein 19. Film hat einfach alles: einen wahnwitzigen Plot (der Mond stürzt auf die Erde und bedroht die Zukunft des Planeten – ach ja, und außerdem gibt es Außerirdische).

Dazu mitreißenden Stars-and-Stripes-Propagandaslang (Lieblingssatz: „Ich arbeite für das amerikanische Volk! „); epische Ausblicke auf endlos computergenerierte apokalyptische Zerstörungen (Aufnahmen von extremen Überschwemmungen und Erdbeben hätten ohne weiteres direkt aus 2012 oder The Day After Tomorrow stammen können).

Und absolut grauenhafte Dialoge, vorgetragen von absolut unglaubwürdigen Charakteren („Sie wollen mir erzählen, dass der Mond die größte Vertuschung der Menschheitsgeschichte ist?“).

Zwischen Humor und Banalität

Immerhin werden diese Charaktere größtenteils von Schauspielern gespielt, die bereit sind, Spaß an der Sache zu haben. Halle Berry, die quasi die Leiterin der NASA ist, behält ihre eiserne Ausstrahlung und ihre Würde trotz allem, was um sie herum passiert, größtenteils bei.

Patrick Wilson als „verdammt bester Pilot der Galaxis“, den man aus dem unehrenhaften Ruhestand gelockt hat, weiß genau, was er tut. John Bradley bringt eine liebenswerte, kindliche Energie in seine Rolle als Weltraumfanatiker ein.

Unser Special: Krass, Krasser Emmerich

Die erste halbe Stunde verliert sich in den Banalitäten zweier Scheidungen und der Gerichtsverhandlung eines gestörten Teenagersohns. Diese Abstecher in das Privatleben fühlen sich äußerst irrelevant an, wenn der Mond buchstäblich über ihnen zusammenbricht.

Eine Katze namens Fuzz Aldrin und Schwerkraftwellen

Sobald der Film jedoch in Gang kommt, schaltet der Regisseur in den planetenzerstörenden Overdrive, weil das, was ein TV-Nachrichtensprecher als „zunehmenden Mondterror“ beschreibt, die Erde schnell ins Chaos stürzt. Und wie so oft in einem Emmerich-Film scheint die versprochene globale Zerstörung eine Selbstverständlichkeit zu sein, die fast beiläufig, manchmal sogar als Randnotiz, geschieht.

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Mit der Zeit baut man eine gewisse Zerstörungsimmunität auf – denn mit computergenerierten Bevölkerungen kann man nur bedingt sympathisieren. Inmitten der Trostlosigkeit des Spektakels gibt es gelegentlich Raum für Bilder, die ans angenehm Verrückte grenzen, wie der riesige und zunehmend zerstörerische Mond, der sich wie ein Todesstern über dem Horizont abzeichnet.

Die Idee mit der Schwerkraft führt auch zu einigen lustigen Effekten, bei denen der Film die Gesetze der Physik genüsslich über den Haufen wirft („Schwerkraftwellen“ zum Beispiel sind im Grunde Flutwellen – die zum Himmel ziehen).

Hartes Sci-Fi Territorium

Enttäuschend ist jedoch, dass Emmerich – der bereits einen ganzen Film über eine weitgehend widerlegte Verschwörungstheorie gedreht hat (Anonymous) – den größten Teil der wissenschaftlichen Erklärungen Bradleys verrückter Figur überlässt. Es handelt sich dabei um einen nerdigen Mondforscher mit Reizdarmsyndrom und einer Katze namens „Fuzz Aldrin“.

Er wird als Verschwörungstheoretiker dargestellt, der zwar ein verrückter, im Grunde aber ein aufrichtiger Held ist, anstatt der jüngeren und aktuellen Realität gerecht zu werden, die besagt, dass diese Leute bestenfalls Fehlinformationen verbreiten und schlimmstenfalls gefährlich radikalisiert sind. Und wenn das unüberlegt erscheint, dann gibt es wenig, was besonders durchdacht wirkt. Der Schlussakt, der in hartes Sci-Fi-Territorium abdriftet, ist nichts, was wir nicht schon einmal gesehen haben.

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Die Handlung erinnert immer mehr an Armageddon als an 2001: Odyssee im Weltraum (eine heroische Selbstaufopferungsszene scheint direkt aus Michael Bays irrem Weltraum-Bohrspektakel entnommen zu sein). Auch wenn man sich an derartigem Blödsinn erfreuen kann, fällt es schwer, sich nicht zu wünschen, man könnte gemeinsam mit dem Film darüber lachen, anstatt über ihn.

Fazit: „Moonfall“ ist genau das, was man von einem Film mit dem Namen Moonfall erwartet: ein zutiefst trotziger, manchmal nervtötender Schwachsinn. Es ist Roland Emmerich auf Apokalypse-Autopilot. Film Bewertung: 4 / 10

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