"Parallele Mütter" jongliert mit Komödie und Drama unterstützt durch eine großartige Penélope Cruz

"Parallele Mütter" jongliert mit Komödie und Drama unterstützt durch eine großartige Penélope Cruz

Genre: Drama / Komödie | Produktion: Spanien 2021 | Laufzeit: ca.123 Minuten| Regie: Pedro Almodóvar Mit: Penélope Cruz, Milena Smit, Rossy de Palma, Israel Elejalde, Aitana Sánchez Gijón und Julieta Serrano u.v.a.


Inhalt: Die beiden alleinstehenden Frauen Janis (Penélope Cruz) und Ana (Milena Smit) lernen sich im Krankenhaus kennen und freunden sich an, weil sie sich in einer ähnlichen Situation befinden. Als sie mit ihren Babys das Krankenhaus verlassen, verflechten sich ihre Leben auf immer komplexere und schwierigere Weise.

© Arthaus

Mit Parallele Mütter ist Pedro Almodóvar ein Zaubertrick gelungen. Der Film basiert auf einer potenziell absurden Prämisse – zwei Frauen, die zur gleichen Zeit im Krankenhaus gebären – und stellt die Verbindung zwischen seinen frühen, witzigen und späteren, eher zurückhaltenden Werken dar.

Er ist gleichzeitig eine Komödie voller Wendungen und Enthüllungen, deren Tempo sich rasant steigert, sowie ein ernster, emotional geerdeter Blick auf mütterliche Bindungen und die Kraft der Familie. Auch wenn der Film nicht ganz zur ersten Liga von PA gehört, so ist er doch mit viel Feingefühl und Präzision aufgebaut und entpuppt sich in ihrem achten gemeinsamen Film als eine großartige Demonstration des Dreamteams Pedro Almodóvar und Penélope Cruz.

In der Rolle der Janis (benannt nach Janis Joplin) ist Cruz eine erstklassige Fotografin, die den Forensiker und Anthropologen Arturo (Israel Elejalde) porträtiert. Janis bittet Arturo bei der Ausgrabung des Massengrabs, wo ihr Großvater nach seiner Hinrichtung durch die Falangisten in den frühen Tagen des spanischen Bürgerkriegs begraben wurde, um Hilfe.

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Ein von Seifenopern inspirierten Abenteuer

An dieser Stelle sieht es so aus, als würden wir von Pedro die Reife von „Julieta“ erhalten und mit „Leid und Herrlichkeit“ einen erschütternden Blick darauf werfen, wie sich die Schrecken von Francos Spanien in der Gegenwart auswirken. Doch dann nimmt Pedro der Regie-Fuchs Fahrt auf, und Parallele Mütter wird zu etwas anderem: einem von Seifenopern inspirierten Abenteuer.

So hat Janis schnellen Sex mit Arturo und landet, dargestellt durch einen mutigen Jump-Cut, der sich quer durch die Exposition schlängelt, hochschwanger im Krankenhaus. Sie teilt sich ein Zimmer – selbstverständlich gelingt es Almodóvar, die Farben in einer sterilen Entbindungsstation zum Leuchten zu bringen – mit der Teenager-Mutter Ana (Milena Smit, großartig).

Die beiden Frauen freunden sich schnell an und beschließen, ihre Nummern zu tauschen. Es würde zu weit führen, den Spaß an Almodóvars trügerisch leichtem Film zu verraten. Es reicht zu wissen, dass die beiden frischgebackenen Mütter sich anfreunden, während sich ihre Leben mehr und mehr auf extreme und komplizierte Weise kreuzen.

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Almodóvar jongliert mit Komödie und Drama

Für die Almodóvar-Gläubigen sind alle Elemente und Bezugspunkte erkennbar: eine Hommage an die Kraft und das Leid der Frauen, dazu eine treffende Hitchcock-Musik von Alberto Iglesias, und einwandfreie Filmkunst ( zum Beispiel eine Nahaufnahme einer Computermaus). Außerdem kehrt das Urgestein Rossy de Palma zurück, die Janis‘ Agentin und Vertraute spielt.

Aber die Krönung des Films ist die Zusammenarbeit zwischen Almodóvar und Cruz. Cruz untermauert alle potentiell lächerlichen Szenarien mit Einfühlungsvermögen und Sensibilität, so dass man, egal in welche Richtung der Film geht, mitzieht. Als Frau, die ein Geheimnis hütet, das sie unbedingt preisgeben möchte, ist sie einfach unschlagbar.

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Im Mittelteil lässt die Spannung des Films ein wenig nach, aber im letzten Drittel kehrt Almodóvar, der schon immer zu den fähigsten Filmemachern gehörte, in den Sog des Spanischen Bürgerkriegs zurück, wobei das nicht markierte Grab von Janis‘ Familie für die unzähligen Gräueltaten von Francos Regime steht. Der Schluss ist typisch für den Regisseur: eine Gruppe von Frauen, die in Solidarität zusammenstehen und aus der Erinnerung an ihre Vorfahren Kraft schöpfen.

Fazit: Almodóvar jongliert mit Komödie und Drama und wird dabei von einer erstklassigen Penélope Cruz tatkräftig unterstützt. Es gibt heute wohl kaum eine aufregendere Schauspieler-Regisseur-Partnerschaft.

Film Bewertung 8 / 10

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