Pinocchio besticht durch eine vielseitige Ästhetik und vergisst dabei die Emotionen

Pinocchio besticht durch eine vielseitige Ästhetik und vergisst dabei die Emotionen

Genre:  Abenteuer / Kinderfilm| Produktion: USA 2022 | Laufzeit: ca. 112 Minuten| Regie: Robert Zemeckis | Mit: Tom Hanks, Benjamin Evan Ainsworth, Sheila Atim, Jamie Demetriou, Luke Evans, Joseph Gordon-Levitt. u.a


Inhalt: Es war einmal, im alten Italien, da baute der alte Geppetto (Tom Hanks) eine kleine Holzpuppe namens Pinocchio (Benjamin Evan Ainsworth). Schnell ist Pinocchio von der Welt da draußen begeistert und lässt sich von Spiel, Spaß und allerlei Unfug verführen, um auf eigene Faust loszuziehen – zum Leidwesen seines Vaters mit seinem gebrochenen Herzen.

Foto Disney Enterprises, Inc. © 2022 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

Es war einmal vor langer Zeit, als Walt Disney Pictures damit begann, so genannte Live-Action-Remakes ihrer Zeichentrickklassiker zu produzieren. Die Schöne und das Biest, Der König der Löwen, Das Dschungelbuch, Aladdin… und so weiter, bis wir vergessen haben, dass es jemals so etwas wie handgezeichnete Animationsfilme gab.

Sie waren so sehr damit beschäftigt, herauszufinden, ob sie es können oder nicht, dass sie nicht darüber nachgedacht haben, ob sie es sollten. Heutzutage bietet CGI die Chance, dass animierte Figuren echt aussehen. Dennoch ist das alles ein wenig irritierend.

Der italienische Regisseur Matteo Garrone hat in seiner großartigen, originellen Verfilmung von Carlo Collodis Buch aus dem Jahr 1883 (2019) einen, nun ja, echten Jungen als Pinocchio besetzt. Er wurde mit verblüffenden Prothesen ausgestattet, die ihn wirklich aussehen ließen, als wäre er aus Holz. In Robert Zemeckis‘ Film sieht er nun wirklich so aus, als sei er aus CGI gemacht.

Tom Hanks spricht mit Pinocchio
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Ein großartiges CGI macht noch lange keinen guten Film

Ist das eine sarkastische Interpretation? Vielleicht. Hier ist Pinocchio eine Puppe in Puppengröße, genau wie im Original – ein süßes, großäugiges, winzig kleines Ding. Und er sieht großartig aus. Es ist eine unglaubliche Arbeit, ein absolutes Aushängeschild des Films: der ikonische Holzjunge wird zum Leben erweckt. Und doch ist das nicht überzeugend genug, um die Existenz des Films zu rechtfertigen.

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Der Originalfilm von 1940 ist eine niedliche, kitschige Angelegenheit. Tonal hält sich Zemeckis daran, mit sporadisch charmanten Ergebnissen. Sein Drehbuch, das er zusammen mit Chris Weitz (der auch an Kenneth Branaghs Cinderella gearbeitet hat) geschrieben hat, passt den Film hier und da sanft an und versucht, ihm etwas emotionales Gewicht zu verleihen.

Tom Hanks‘ Geppetto ist zwar gewohnt knuffig, aber inzwischen von einer gewissen Traurigkeit erfüllt. Er hat die Marionette nicht nur hergestellt, weil er sich einen Jungen wünscht, sondern weil er einen verloren hat. Das ist eine süße, rührende Idee, die leider nicht weiter ausgeführt wird. Vermutlich, weil Zemeckis eine Geschichte über ein totes Kind nicht richtig in sein Sing- und Tanz-Remake von Pinocchio einbinden konnte.

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Das größte Problem ist die Geschichte, die ohnehin schwer zu vermitteln ist

Das Ganze schwankt zwischen alten und neuen Ideen hin und her. Joseph Gordon-Levitt gibt eine unterhaltsame Runderneuerung des ursprünglichen Jiminy Cricket, Keegan-Michael Key ist eine lebendige Version des guten alten Ehrenwerten John, Cynthia Erivo ist großartig, aber als Blaue Fee unterfordert.

Lorraine Bracco spielt eine Möwe namens Sofia, die eigentlich nur hier ist, um Jiminy herumzufliegen. Luke Evans ist eine ungestüme Version des Kutschers der Vergnügungsinsel, der ein neues, großartiges Lied zu singen hat, wobei Evans seine Lungen ordentlich strapaziert.

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All das ist… gut. Und ein bisschen durcheinander, mit einer vielseitigen Ästhetik – ein Tom Hanks, der echt ist, eine CGI-Puppe, die echt aussieht, eine CGI-Katze, die es nicht ist. Die Auftritte von Sheila Atim und Jamie Demetriou sind so verwirrend kurz, dass man sich fragt, wo sie abgeblieben sind. Das größte Problem ist jedoch die Geschichte, die ohnehin schwer zu vermitteln ist.

L-R): Cynthia Erivo als die Blaue Fee, Pinocchio (Stimme Benjamin Evan Ainsworth), und Jiminy Cricket (Stimme von Joseph Gordon-Levitt.
(L-R): Cynthia Erivo als die Blaue Fee, Pinocchio (Stimme Benjamin Evan Ainsworth), und Jiminy Cricket (Stimme von Joseph Gordon-Levitt. Foto Disney Enterprises, Inc. © 2022 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

Letzten Endes ist das alles ein bisschen flach und wirkt wie eine Spielerei

Collodis Original wurde in Episoden verfasst und veröffentlicht, die er sich nach und nach ausdachte, und jede Adaption schlingert ziemlich unberechenbar herum.

In der Verfilmung von 1940 wurden einige Dinge verschlankt, während andere gestrichen wurden, was dazu führte, dass einige Handlungsstränge ungelöst blieben, was auch hier der Fall ist. Und es fällt schwer, sich auf die Beziehung von Geppetto und Pinocchio einzulassen, wenn sie kaum Zeit miteinander verbringen.

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Letzten Endes ist das alles ein bisschen flach und wirkt wie eine Spielerei. Er existiert, weil er es kann. Als Nächstes steht Guillermo del Toros düsteres, eher politisches Projekt für Netflix an, das, wie auch immer es ausgeht, schon seit Jahren in Arbeit ist und ein echtes Herzensprojekt darstellt. Bei diesem Film kann man das wohl kaum behaupten.

Fazit: Obwohl es nicht an Charme und einigen großartigen CGI-Effekten mangelt, führt dieses Sammelsurium an guten Absichten zu einem gewissen emotionalen Tiefpunkt. Dieses Püppchen wird nicht an euren Herzens rütteln. Film Bewertung 4 / 10

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