Promising Young Woman | Film Kritik zur Kino Überraschung des Jahres

Promising Young Woman | Film Kritik zur Kino Überraschung des Jahres

Regie: Emerald Fennell | Mit: Carey Mulligan, Bo Burnham u.a | | Länge 114 min FSK: 16

Story: In Cassies Leben ist nichts, wie es scheint. Sie ist Clever, ausgeschlafen und führt bei Nacht, angetrieben durch ein Trauma aus ihrer Vergangenheit, ein mörderisches Doppelleben. Nacht für Nacht besucht sie Bars und Clubs, um sich an Männern zu rächen, die sich an wehrlosen Frauen vergehen. Doch eine unerwartete Begegnung bietet ihr schließlich die Möglichkeit, einige ihrer eigenen Fehler wieder gut zu machen.


Film Kritik

von Nicola Scholz

Carey Mulligan als harmlose Version von Harley Quinn

Cassie scheint kein Ziel in ihrem Leben zu haben. Mit 30 lebt sie immer noch bei ihren Eltern und verdient sich ihr Einkommen durch ihre Arbeit in einem kleinen Café. Doch an den Wochenenden ist sie in Clubs unterwegs. Sie tut so als wäre sie volltrunken und wartet darauf, dass ein Mann sie versucht mit zu sich nach Hause zu nehmen, um dort höchst wahrscheinlich ihren Zustand auszunutzen. Offensichtlich muss sie nie lange warten bis es passiert und sie wieder einmal bei einem Mann in seiner Wohnung landet – dort oftmals auch schnell im Bett.

Doch auf diesen Moment hat sie gewartet, denn dann offenbart sie ihm, dass sie gar nicht so betrunken ist wie es den Anschein hat. Über ihre Streifzüge durch die Clubs führt sie eine Strichliste mit den Namen aller Männer, die sie auf frischer Tat ertappt hat, beim dem Versuch, sich an einer Frau zu vergehen, die deutlich nicht in der Lage wäre sich zu wehren. Aber das reicht Cassie nicht. Als sie mit ihrer Vergangenheit konfrontiert wird, will sie Rache nehmen für das was ihrer damaligen besten Freundin passiert ist und lernt dann noch jemanden aus ihrer Vergangenheit kennen.

Ist sie bereit jemals wieder einem Mann soweit zu vertrauen, um eine Beziehung einzugehen ? Ein Rache Thriller/Drama der etwas anderen Art und Carey Mulligan als Cassie kommt hier manchmal rüber, wie eine harmlosere Version von Harley Quinn. Cassie scheint in ihrem ganzen Wesen ein Charakter zu sein, bei dem man zunächst denkt, dass sie ihr Leben einer Aufgabe verschrieben hat, die niemals enden wird und all das, weil sie in der Vergangenheit stecken geblieben ist.

Carey Mulligan als "Cassandra" in Emerald Fennell’s PROMISING YOUNG WOMAN
Carey Mulligan als „Cassandra“ in Emerald Fennell’s PROMISING YOUNG WOMAN, ein Focus Features release. Credit: Courtesy of Focus Features ©2020 Focus Features, LLC.

Ein Rachefilm par Excellence – mit einem nicht vorhersehbaren Twist

Und dabei ist der Film immer schön Böse und zeigt genau an den richtigen Stellen gerade so viel, dass wir bis zu einem bestimmten Moment nicht wissen was geschehen ist und wie Cassie den Männern, denen sie vorspielt betrunken zu sein, eine Lektion erteilt. Das ist eine interessante Art und Weise den Verlauf der Geschichte aufzurollen. Während wir zunächst also eher denken, dass Cassie tough ist wird schnell klar, dass sie nur versucht ihre Ängste zu überspielen.

Im scheinbar zweiten Akt bringt ein Mann aus ihrer Vergangenheit ihr Leben durcheinander und lässt das Ganze wie eine sehr dramatisch lustige Liebesgeschichte erscheinen. Während der Zuschauer nicht mehr genau weiß ob es um eine Entwicklung der Hauptfigur geht oder weiterhin um einen Rachefeldzug gegen alle Männer. Und genau ab diesem Moment, offenbart sich dem Zuschauer der wahre Kern des Filmes. Der Rachefeldzug wird dann tatsächlich in Akte gegliedert in denen sie sich nach und nach auf sehr, man könnte schon fast sagen, seriöse Art und Weise an den Personen rächt.

Sie ist keine perfide Rächerin und sie hat nicht im Sinn Menschen zu schaden, denn sie hat selbst mitbekommen was dies anrichten kann. Und das hat ihrem Charakter noch mehr Glaubwürdigkeit und auch eine Reife verliehen, die man
dem ganzen Film zusprechen kann.

Adam Brody (links) als "Jerry“ and Carey Mulligan (rechts) als "Cassandra" in Emerald Fennell’s PROMISING YOUNG WOMAN
Adam Brody (links) als „Jerry“ and Carey Mulligan (rechts) als „Cassandra“ in Emerald Fennell’s PROMISING YOUNG WOMAN, ein Focus Features release. Credit: Merie Weismiller Wallace / Focus Features- ©2020 Focus Features, LLC.

Fennell´s Rache in Rosa hat den nötigen Kick um uns positiv zu Überraschen

Er soll Aufmerksam machen auf eine Problematik, ohne dabei zu sagen, dass man jemanden Lynchen muss, um Gerechtigkeit walten zu lassen. Aber auch die emotionale Achterbahnfahrt wirft nicht nur Cassie am Ende aus der Bahn. Denn die Ungerechtigkeit, die sich in ihr aufgestaut hat, bricht dann schließlich doch aus ihr heraus. Und das rasante Ende trifft jeden Kinobesucher unvorbereitet.

Während der episodenartige Aufbau des Films nicht immer klar macht welche Richtung er noch einschlagen wird – und auch die Figuren Entwicklung teilweise sehr extrem erscheint, gibt das dem Ganzen den nötigen, fesselnden Kick. Auch wenn das wichtige Thema des Filmes am Ende durch einen sehr extremen Akt fast schon in den Hintergrund rückt, so ist es Präsent genug, um die verdiente Bühne zur richtigen Zeit zu erhalten.

Carey Mulligan als "Cassandra" in in PROMISING YOUNG WOMAN
Carey Mulligan als „Cassandra“ in in PROMISING YOUNG WOMAN, ein Focus Features Release. Credit: Merie Weismiller Wallace / Focus Features ©2020 Focus Features, LLC.

Fazit: Ein wahnsinnig gelungenes Drama, das sehr authentisch wirkt und einen zutiefst erschüttert und zeigt das jede Handlung Folgen nach sich zieh und wir uns dessen bewusst werden müssen. Ein Film, der einschlägt wie ein Vorschlaghammer und phantastisch getragen wird von Mulligan, welche hier wirkt wie eine sehr gebeutelte Superheldin.

Dem innewohnenden Drama wird zwar genug Raum gegeben, das Ganze nimmt aber dann eine actionreiche Superhelden-artige Wendung a la John Wick. Dabei wird die Düsternis immer mit niedlichen „Süße-Mädchen-Rosa“ Farbtönen überdeckt, und der Film wirkt dann wie ein Spiel mit dem Feuer: gefährlich und überragend zugleich!

Wertung: 10 / 10


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