"Spider-Man: No Way Home" bietet ein fulminantes Kinoerlebnis

"Spider-Man: No Way Home" bietet ein fulminantes Kinoerlebnis

Produktion: USA 2021 | Genre: Action/Abenteuer | Laufzeit: ca. 148 Min | Regie: Jon Watts | Mit: Tom Holland, Zendaya, Benedict Cumberbatch, Willem Dafoe, Jamie Foxx, Alfred Molina, Thomas Hayden Church, Benedict Wong, Jacob Batalon, u.v.a | Kinostart: 16. Dezember 2021


Inhalt: Nach seiner Enttarnung als Spider-Man durch Mysterio (Jake Gyllenhaal) sucht Peter Parker (Holland) nach einer Extremlösung, um seine Privatsphäre wiederzuerlangen: Er bittet Doctor Strange (Cumberbatch), die Realität auf magische Weise so zu beeinflussen, dass niemand je davon erfährt. Als der Zauber jedoch schiefgeht, importiert das daraus resultierende multiversale Missgeschick einige von Spider-Mans finstersten Feinden aus anderen Universen.

©Marvel / Disney Pictures Company

Lasst uns für einen Moment zu einer Szene in Spider-Man: Far From Home zurückkehren. Nein, nicht die, in der J. Jonah Jameson in Gestalt von J.K. Simmons auftaucht. Obwohl das natürlich relevant ist. Aber die Szene, in der Mysterio davon spricht, dass es ein Multiversum gibt, und dabei eine Story darüber zum Besten gibt, dass er ein Held aus einer anderen Dimension ist.

Selbstverständlich war das eine Anspielung (Mysterio hat sich verplappert), aber es war auch eine versteckte Referenz an den spektakulär animierten Film Into The Spider-Verse, die bewusst eingesetzt wurde. In der kürzlich ausgestrahlten Loki-Fernsehserie entwickelte sich dieser Hinweis auf amüsante Art und Weise, bevor sie in der viel gepriesenen und gerüchtebeladenen Fortsetzung von Far From Home ihr volles (Marvel-)Kino-(Universum-)Potenzial entfalten konnte.

Hier unsere Zusammenfassung der Ereignisse in der Serie LOKI

Wie auch immer. Es ist egal, wie man das Ergebnis bewertet, ob man nun weiß, was auf einen zukommt, oder ob man von den Überraschungen überrascht wird. Wir freuen uns, dass der Film in jeder Hinsicht ein Augenschmaus geworden ist.

Doctor Strange im dritten Live-Action-Film von Spider-Man auf.
Doctor Strange tritt im dritten Live-Action-Film von Spider-Man auf ©Marvel / Disney Pictures Company

Ein herzerwärmender Film

Wie man bereits aus den Trailern weiß, bringt „No Way Home“ dank eines verpatzten Zaubers fast alle Bösewichte aus den Vor-MCU-Filmen zurück. Und dank Marvels Anti-Aging-Zauber lässt sich das Problem lösen, wie ein neuer Film nicht besser besetzt werden könnte, als mit Willem Dafoe als Green Goblin (der klugerweise schon früh die Power Rangers-Maske ablegt) oder mit dem großartigen Alfred Molina als Doctor Octopus aus Spider Man 2.

Aber genau wie in den vorherigen Filmen von Jon Watts liegt der Reiz des Wiedersehens weniger in den Actionsequenzen – die mit all den Blitzen, dem Sand und den Kugelbomben gelegentlich überladen und verwirrend daherkommen – als vielmehr in den flotten, bissigen Dialogen. An einer Stelle wirkt es fast wie ein übertriebener TV Comedy Sketch: Die Gegner von Spidey versammeln sich, um sich gegenseitig zu beschnüffeln und auszutauschen.

Der Film bietet jedoch weit mehr als witzig inszenierten Fanservice. Auch wenn er die Boshaftigkeit und die Bedrohungen auf die Spitze treibt, vernachlässigt er nicht das Herz der Filmreihe: Tom Hollands Peter und sein ständiger Kampf, das Richtige für seine Freunde und seine Familie tun zu wollen, auch wenn dadurch alles nur noch schlimmer zu werden scheint.

So berührend wie in dieser Rolle hat Tom Holland seinen Peter Parker wohl noch nie durch eine solche Zerreißprobe geführt, bei der der arme Junge zwischen der Suche nach Lösungen und der Schaffung von Problemen hin- und herpendelt. Sehr zum Ärger von Doctor Strange (Benedict Cumberbatch), der (glücklicherweise) nicht in die Fußstapfen von Tony Starks als Mentor tritt, sondern den verzweifelten Gegenspieler abgibt. Und das hat ernste Konsequenzen. Es handelt sich nicht nur um einen unbeschwerten Spaß. No Way Home liefert einen gewaltigen emotionalen Tiefschlag.

© Sony Pictures / Marvel Studios . All Rights reserved

Eine zweite Chance für Alle

Im Grunde ist dies eine Geschichte über eine zweite Chance. Nach Mysterios Abschiedsoffenbarung verwandelt sich das Leben von Peter, MJ (Zendaya), Ned (Jacob Batalon) und May (Marisa Tomei) in einen Nachrichten-Albtraum. Und die Anstrengungen unseres lieben Peters, die Sache wieder in Ordnung zu bringen, öffnet die bereits erwähnte Büchse der Pandora.

An dieser Stelle wird das Thema der zweiten Chance wirklich interessant. Warum sollte nur unser Held eine zweite Chance bekommen? Warum nicht auch, so argumentiert Peter, all diese missratenen „multiversalen Eindringlinge“, die durch künstlich erzeugte Schizophrenie, fehlgeleitete Mutationen oder gekreuzte Nanodrähte in die Kriminalität getrieben werden?

Unter der Oberfläche wird die Idee noch ein wenig weitergesponnen. Durch die Öffnung der dimensionalen Türen zu den früheren Filmen erhalten auch die betreffenden Filme selbst quasi eine zweite Chance: die Möglichkeit, einige ihrer plottechnischen Fehltritte zu überarbeiten oder zumindest zu lösen.

No Way Home ist, wenn man einen Schritt zurücktritt und darüber nachdenkt, ein verdammt abgedrehter und gewagter Film. Doch so verrückt die Geschichte auch sein mag, die Charaktere stehen immer im Vordergrund. Es kommt zeitweise zu einem dynamischen und bisweilen wirklich herzergreifenden Zusammenspiel zwischen den etablierten Akteuren und ihren interdimensionalen Gästen.

Tom Holland im neuen Spider Man Outfit
© Sony Pictures Germany

Freunde, umarmt euch

Klar, der finale Schlagabtausch kommt einem sehr bekannt vor (X-Men, oder?). Aber es gibt auch mindestens einen Moment, in dem die Zuschauer so jubeln werden wie damals, als Thor in Infinity War in Wakanda auftauchte oder Cap in Endgame Mjolnir an sich nahm.

Tatsächlich kommt „No Way Home“ den Highlights dieser beiden Filme am nächsten, und zwar direkt nach „Iron Man’s zweiten Snap“. Und bei aller epischen Wucht bleibt er irgendwie nachbarschaftlich und freundlich. Das macht ihn in gewissem Sinne fast zum ultimativen Spider-Man-Film.

Fazit: Eine gelungene Spider-Man Einlage, die einen ehrgeizigen erzählerischen Kniff mit der Geschmeidigkeit eines Rückwärtssaltos vom Balkon aus zustande bringt. Und auf die Gefahr hin kitschig zu klingen: „No Way Home“ bringt einen nicht nur zum Jubeln, sondern auch dazu, seine Freunde zu umarmen. Film Bewertung 8 / 10


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