"The Batman" ist eine packende, exzellent gefilmte Neo-Noir-Version einer altbekannten Figur

"The Batman" ist eine packende, exzellent gefilmte Neo-Noir-Version einer altbekannten Figur

Genre: Thriller | Produktion: USA 2021 | Laufzeit: ca. 175 Minuten | Regie: Matt Reeves | Mit: Robert Pattinson, Paul Dano, Colin Farrell, Zoë Kravitz, Jeffrey Wrightu.a


Inhalt: Erst seit zwei Jahren ist Bruce Wayne (Robert Pattinson) der maskierte Rächer, der sich Batman nennt, als ein Serienmörder, der sich selbst Riddler (Paul Dano) nennt, beginnt, hochkarätige Persönlichkeiten in Gotham City ins Visier zu nehmen.

Mit der Hilfe von Lieutenant Gordon (Jeffrey Wright) und der Einbrecherin Selina Kyle (Zoë Kravitz) muss Bruce die Hinweise entschlüsseln und einen Terroranschlag verhindern – und dabei mit dem Erbe seiner Familie fertig werden.

Mittlerweile ist Batman allgegenwärtig. Der Beschützer Gothams ist nur noch selten von der Leinwand wegzudenken. Allein in diesem Jahr gibt es die Rückkehr von Michael Keatons Bruce Wayne, das Kinodebüt von Batgirl und den Zeichentrickfilm DC League of Super-Pets, in dem Ace, der Bat-Hund, Batmans Haustier ist. Er ist überall. Eine Ikone.

Die Herausforderung für den Drehbuchautor und Regisseur von The Batman, Matt Reeves, bestand darin, einer mythischen, symbolträchtigen Figur der Popkultur ein neues Profil zu verleihen. Wie es scheint, ist Reeves‘ Ansatz eher Evolution als Revolution. Vergleiche mit Christopher Nolans epochaler Batman-Trilogie sind unvermeidlich.

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Der Film hat Nolans ernsten, Neo-Noir-haften Ton und eine Szene erinnert an The Dark Knight, aber der Unterschied zu Batman Begins ist, dass es sich hier ausdrücklich nicht um eine Herkunftsgeschichte handelt. Die Ermordung von Bruce Waynes Eltern wird erfreulicherweise nicht neu inszeniert.

Wie bei Spider-Man: Homecoming handelt es sich um eine „Post-Origin“-Geschichte: Der Superheld befindet sich noch in den Kinderschuhen und muss sich mit seiner Naivität und der Bedeutung seiner maskierten Identität auseinandersetzen.

Ein Batman voller Selbstzweifel und Unsicherheit

Robert Pattinson
©Warner Bros. Entertainment

Mit Robert Pattinson bekommen wir also einen ganz anderen Bruce Wayne.

Wo Christian Bale und Ben Affleck die machohafte Seite der Figur verkörperten, sieht Pattinson wie ein jungenhafter Vampir aus, denn sein Hautton ist nur eine Nuance dunkler als in Twilight.

Er ist der erste Batman auf der Leinwand, den man vollständig mit dem für das Kostüm der Figur erforderlichen Lidschatten sieht, was an Robert Smith von The Cure erinnert.

In seinem Anzug ist er methodisch und muskulös, außerhalb des Anzugs ist er von Unsicherheit und Selbstzweifeln geplagt. Ein musikalischer Nadelstich von Nirvanas „Something In The Way“ bestätigt es: Es handelt sich um Emo-Bat.

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Die neue Richtung macht für den grübelnden Superhelden absolut Sinn. Pattinsons Erzählung, die er wie Rorschachs Tagebuch vorträgt, handelt hauptsächlich von Rache, Angst und Gerechtigkeit, also von den üblichen Dingen. Und obwohl diese Humorlosigkeit manchmal an Selbstparodie grenzt, wird die Stimmung durch einen glaubhaft düsteren Bösewicht gerechtfertigt.

Ein teuflischer Riddler im düsteren Realismus-Gewand

(Li-R) Catwoman (Chloe Kravitz) trifft Batman (Robert Pattinson)
©Warner Bros. Entertainment

Inmitten einer Vielzahl von Schurken (ein Lob an Zoë Kravitz‘ charismatische Catwoman und Colin Farrells verblüffend überzeugenden Prothesen-Pinguin) ist dies die Show des Riddlers, der von einem gruseligen Paul Dano verkörpert wird.

Er spielt einen Terroristen des Trump-Zeitalters, angetrieben vom fehlgeleiteten Sinn für Ungerechtigkeit und der Liebe zu teuflischen Rätseln (und der Kunst des Milchschaums).

Reeves macht sich den Ruf des „weltbesten Detektivs“ aus den Comics zu eigen, den die Batman-Filme oft vergessen, und entwickelt die Dinge wie einen verworrenen Thriller im Stil von David Fincher. Einige der Hinweise des Riddlers können auch aus den Geschichten des Zodiac-Killers entnommen worden sein. An manchen Stellen wird die Handlung so verknotet, dass die Laufzeit von fast drei Stunden spürbar wird.

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Aber es wird nie langweilig, weil die Erzählung durch eine Reihe schauriger Rätsel in der zwielichtigen Unterwelt von Gotham vorangetrieben wird. Was den Zuschauer ebenfalls fesseln wird, ist das herrlich düstere Aussehen dieser Unterwelt. In Zusammenarbeit mit seinem Kameramann Greig Fraser hat Reeves die bisher vielleicht beste Umsetzung von Gotham auf die Leinwand gebracht.

Er wandelt auf einem schmalen Grat zwischen düsterem Realismus und überhöhtem Pulp (viel Neon, viel Regen), ohne dabei jemals zu übertreiben.

Batman (Robert Pattinson) an seinem Batmobil
©Warner Bros. Entertainment

Daraus resultiert ein außergewöhnliches filmisches Handwerk, wie es nur selten in modernen Blockbustern zu sehen ist. Die brillante, minimalistische Filmmusik von Michael Giacchino, die auf der äußerst effektiven Arbeit von Hans Zimmer aufbaut, rundet das Ganze ab. Im Grunde ist es also eher eine Evolution als eine Revolution.

Fazit: Matt Reeves‘ Ankunft im Bat-Universum ist eine packende, exzellent gefilmte Neo-Noir-Version einer altbekannten Figur. Obwohl er die Nolan/Snyder-Ära nicht völlig radikal umgestaltet, schafft er ein Gotham City, das wir gerne wieder besuchen würden. Film Bewertung 8 / 10

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