"The North Sea" bietet mehr Glaubwürdigkeit als die Katastrophenfilme der letzten Jahre

"The North Sea" bietet mehr Glaubwürdigkeit als die Katastrophenfilme der letzten Jahre

Genre: Katastrophenfilm / Action | Produktion: Norwegen 2021 | Laufzeit: ca. 106 min | Regie: John Andreas Andersen | Mit: Kristine Kujath Thorp, Henrik Bjelland, Rolf Kristian Larsen, Anders Baasmo Christiansen, Bjørn Floberg u.a. | FSK: ab 12 Jahren

Am 10. März als VoD! | Am 24. März auf DVD und Blu-ray!


Inhalt: Die härtesten Männer im Ölgeschäft arbeiten auf den Bohrinseln der Nordsee. Aber auch sie sind hilflos, wenn der Meeresboden einbricht. Zwischen einstürzenden Fördertürmen und brennendem Öl kommt kein Schiff mehr durch die tobenden Wellen, nur die U-Boot-Ingenieurin Sofia stellt sich Feuer und Wasser entgegen. Um ihren Kollegen zu retten, muss sie die geballte Gewalt der Natur unterlaufen.

© Koch Films

Vor der norwegischen Küste befindet sich ein riesiges Öl- und Gasfeld, welches durch viele Bohrinseln erschlossen wurde. Nun haben sich in jüngster Zeit einige der Bohrinseln abgesenkt und die Arbeiter auf den Plattformen sind ums Leben gekommen.

Bei einer dieser Katastrophen ist Sofia vor Ort. Sie arbeitet für ein Unternehmen, welches Roboter herstellt, die unter Wasser arbeiten sollen. Mit diesem Roboter erkundet sie eine der untergegangenen Bohrinseln und stellt dabei fest, dass sich ein gigantischer Riss am Meeresboden durch teile der Nordsee zieht.

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Das Unternehmen, das die Bohrinseln koordiniert, will daraufhin alle Bohrinseln evakuieren und die Bohrlöcher schließen. Denn wenn sich der Riss weiter ausbreitet, kann dies auch das Öl freisetzen, was eine riesige Umweltkatastrophe nach sich ziehen würde.

Sofias Freund arbeitet ebenfalls auf einer Bohrinsel, doch bei seiner Evakuierung wird festgestellt, dass sich ein Bohrloch nicht schließen lässt. Er will dies händisch durchführen, doch dann stürzt die Bohrinsel ein. Sofia kämpft gegen die Zeit und versucht verzweifelt, ihren Freund zu finden und zurückzubringen, bevor die Regierung beschließt, das bisher ausgelaufene Öl in Brand zu setzen.

© Koch Films

Der Film überzeugt mit hohem Produktionswert

Norwegische Katastrophenfilme gewinnen zuletzt immer mehr Aufmerksamkeit. Mit der Fortsetzung
von „The Wave“ und der Fortsetzung „The Quake“ schuf John Andreas Andersen spannende Szenarien, die sich auch mit den frühen Filmen von Roland Emmerich messen können und deutlich stärker in Erinnerung bleiben als dessen jüngster Film „Moonfall“.

Mit deutlich weniger Action kommen die Norweger aus, dafür bauen sie subtil Spannung auf, indem
sie die Katastrophe lange im Voraus ankündigen und die Charaktere dann in den verschiedenen
Szenen länger zittern lassen. „The North Sea“ beginnt dagegen deutlich schwächer.

„The Wave“ erzählte zunächst die Geschichte einer Familie, die auseinandergebrochen war. Die Charaktere hatten so die Zeit, den Zuschauer für sich zu gewinnen, während bei „The North Sea“ die Beziehung von Sofia und ihrem Freund in Nebensätzen abgearbeitet wird.

© Koch Films

Realismus statt Green Screen

Statt der immensen Katastrophe und den einzelnen Schicksalen der Charaktere, welche schnell vorherzusehen sind, überzeugt hier vor allem der Produktionswert des Filmes. Für das Auge des geübten Betrachters scheint es, als sei recht wenig vor Green Screen gedreht worden, stattdessen scheint viel an echten Drehorten stattgefunden zu haben.

Das spiegelt sich dann auch in den einzelnen Szenen wider, wenn ein Helikopter auf einem Schiff auf dem Meer landet. Durch die Authentizität der Umgebung wird der Zuschauer noch mehr Teil des Szenarios. Emmerichs Film „Moonfall“ hatte in dieser Hinsicht ein Problem: Durch zu viel Green Screen und schlecht eingesetzte Effekte bekam das ganze einen üblen Beigeschmack.

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Auch der Seheindruck des Zuschauers wurde negativ beeinflusst. Andersen bedient sich einer deutlich simpleren Handlung, welche im gewissen Grad so auch stattfinden könnte. In Katastrophenfilmen mit einem eindeutigen Hang zum realistischen, schwingt meist auch eine düstere Stimmung mit. Der Realismus, der in Andersens kompletten Film keine Sekunde lang außer Acht gelassen wird, beweist ebenfalls, dass es nicht immer kuriose Ideen von Darstellern braucht, um diese aus diversen Situationen zu retten.

Dieser Realismus trägt dazu bei, die Glaubhaftigkeit des Ereignisses aufrecht zu erhalten und die düstere Stimmung nicht zu brechen. Selbst wenn „The North Sea“ damit ein beängstigendes Szenario darstellt, das wir hoffentlich so nicht erleben müssen, nimmt dieser Katastrophenfilm nach einem langsameren Start schnell an Fahrt auf.

Fazit: Bei 106 Minuten hätte er zwar noch mehr Spannung aufbringen dürfen, doch die kurzweilige Unterhaltung bietet mehr glaubwürdige Handlung, überzeugende Darsteller und gelungene Kameraaufnahmen, als die Katastrophenfilme der letzten Jahre, dazu noch eine erfreulich starke Frauenrolle. Nicht größer, sondern gezielter sollte man die Action einsetzen, das scheint die Devise hier zu sein. Bei „The North Sea“ funktioniert sie erneut auf ganzer Linie. Film Bewertung 7 / 10

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