"The Woman In The Window" | Mangelnde Substanz kann man nicht mit technischen Stilmitteln ausgleichen | Film Kritik

"The Woman In The Window" | Mangelnde Substanz kann man nicht mit technischen Stilmitteln ausgleichen | Film Kritik

Regie: Joe Wrightnach dem weltweiten Bestseller von A.J. Finn | Netflix
Mit: Amy Adams, Gary Oldman, Anthony Mackie, Wyatt Russell, Brian Tyree Henry, Jennifer Jason Leigh und Julianne Moore

Story: Die agoraphobische, traumatisierte Kinderpsychologin Dr. Anna Fox (Amy Adams) vertreibt sich die Zeit damit, ihre Nachbarn aus ihrer staubigen Wohnung in Harlem heraus zu beobachten.

Als sie eines Nachts Zeugin eines brutalen Verbrechens wird, von dem sie erfährt, dass es nur in ihrem Kopf passiert ist, kämpft Fox darum, ihre Zurechnungsfähigkeit zu beweisen und den Mörder zu präsentieren.

“THE WOMAN IN THE WINDOW” © 20th Century Fox / Netflix

Film Kritik:

von Ilija Glavas

Was hat Anna Fox wirklich gesehen? Weltweit hielt diese Frage die Leser von A.J. Finns Bestseller THE WOMAN IN THE WINDOW in atemloser Hochspannung. Regisseur Joe Wright erweckt den geheimnisvollen Mystery-Thriller in Starbesetzung mit Golden Globe® Gewinnerin Amy Adams, sowie den Oscar® Preisträgern Gary Oldman und Julianne Moore zum Leben.

Das Produktion Chaos zu Netflix’ neuestem Thriller The Woman In The Window unter der Regie von Joe Wright (Stolz & Vorurteil) ist bestens bekannt. Die Reaktionen des Publikums auf das Testscreening, waren so verwirrend, dass schnell Nachdreh Termine angesetzt wurden, was Disney nach der Übernahme von 20th Century Fox zum Anlass nahm, um das Projekt eilig an Netflix weiterzugegeben.

Wrights Adaption des Bestsellers von A.J. Finn scheint von Anfang an verflucht gewesen zu sein und war dazu bestimmt, ein ziemlicher Scherbenhaufen zu werden. Leider ist eine missglückte Umsetzung noch das geringste Problem.

The Woman in the Window mit Amy Adams und Gary Oldman
“THE WOMAN IN THE WINDOW” © 20th Century Fox / Netflix

Technische Finessen ersetzen nicht die fehlende Substanz

Der Aufbau ist vielversprechend, wenn auch sehr Hitchcocks Das Fenster Zum Hof ähnlich. Amy Adams spielt die Rolle der Dr. Anna Fox. Wir erfahren früh, dass ihr Ehemann Ed (Anthony Mackie) und ihre Tochter Olivia (Mariah Bozeman) sie verlassen haben und dass Anna damit vor allem durch Trinken und Tablettenkonsum zurechtkommt.

Sie trifft sich gelegentlich mit einer Psychiaterin (Tracy Letts, Drehbuchautorin des Films), die sie in ihrer Besessenheit bestärkt, im Leben ihrer Nachbarn herumzuschnüffeln.

Annas Abhängigkeiten – oft unterstrichen durch den krächzenden Soundmix und die eigenwillige Kameraführung – machen sie zu einer unglaubwürdigen Erzählerin. Wenn sich ihr Leben mit der zutiefst dysfunktionalen Familie Russell (Gary Oldman, Julianne Moore, Fred Hechinger) verstrickt, können wir nie sicher sein, dass alles, was wir sehen, so ist, wie es scheint.


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Technisch funktioniert der Film einigermaßen gut. Kameramann Bruno Delbonnel (Amelie) findet oft genau den richtigen Blickwinkel, um Intrigen zu erzeugen, die in Letts’ Drehbuch sonst fehlen. Er fängt Annas verstaubte Wohnung in gelbem Lichtstreifen ein, was sie wie eine in Bernstein eingerahmte Fliege aussehen lässt.

Und Adams’ zurückhaltende, aber dennoch, fast filmrettend hypnotische, Darstellung – passt perfekt. Danny Elfman steuert einen Score mit Bernard Herrmann-ähnlichen Streichern bei, die versuchen, ein Gefühl der Bedrohlichkeit zu erwecken.

“THE WOMAN IN THE WINDOW” © 20th Century / Netflix

Fazit: Leider kann man fehlende Substanz nicht technischen Stilmitteln ausgleichen und genau daran mangelt es hier. Die zunehmend lächerlichen Wendungen, die untypischen schauspielerischen Leistungen von normalerweise verlässlichen Namen wie Oldman und Moore und das eisig langsame Tempo, die allesamt ein grundlegend fehlerhaftes Drehbuch entlarven, verhindern, dass Wrights Film jemals mit einer guten Zeit droht.

Hübsche Kameraführung und eine engagierte Leistung von Amy Adams können The Woman In The Window nicht retten. Schlussendlich bleibt es ein Film, der auf Hitchcock’schen Nervenkitzel abzielt und auf Nachmittagsfernseh-Niveau landet.

Wertung 4 / 10


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