Thor: Love and Thunder ist wie ein herrlich - verrücktes und rasantes Gitarrensolo

Thor: Love and Thunder ist wie ein herrlich - verrücktes und rasantes Gitarrensolo

Genre: Action / Abenteuer | Produktion: USA 2021 | Laufzeit: ca. 119 Minuten | Regie: Taika Waititi

Mit: Chris Hemsworth, Natalie Portman, Tessa Thompson, Christian Bale, Chris Pratt, Dave Bautista, Russell Crowe, Taika Waititi u.a


Inhalt: Thor (Chris Hemsworth), der nach „Endgame“ mit den „Guardians Of The Galaxy“ unterwegs ist, befindet sich wieder im so genannten „God-bod“-Modus. Allerdings hat er mit einer Midlife-Crisis zu kämpfen – da hilft es auch nicht, dass der brutale Fiesling Gorr der Götterschlächter (Christian Bale) seinem Namen alle Ehre macht, oder dass seine alte Flamme Jane Foster (Natalie Portman) aus heiterem Himmel auftaucht, die seinen alten Hammer Mjolnir schwingt und sich als „The Mighty Thor“ ausgibt.

© Marvel Studios

Superheldenfilme sind wie Gitarrensolos. Oft sind sie ein bisschen nervig und dauern ein Weilchen zu lange. Aber wenn sie richtig gemacht sind, dann geht es richtig ab, mit einer Freude und Hingabe, bei der man sich pudelwohl fühlt.

Thor: Love And Thunder – Taika Waititis bunt leuchtender Nachfolger des respektlosen Ragnarok – ist ein schwindelerregendes, grelles Gitarrensolo in Form eines Films. Eine feierliche Explosion aus Farbe, Energie und Emotion. Es gibt sogar ein Gitarrensolo – und zwar eine fetzige, quietschende Version der Marvel-Studios-Fanfare im Stil von Wyld Stallyns.

Beim letzten Mal bestand Waititis Mission darin, Thor richtig, richtig cool zu gestalten. Er ließ den High-Fantasy-Jargon und die überflüssigen Sidekicks des nordischen Gottes aus den vorherigen Filmen hinter sich und machte aus ihm eine kosmische, abgedrehte Weltraumoper mit viel Selbstironie und Jeff Goldblum als Weltraumtyrann im Goldgewand.

Christian Bale als Gorr, der Götterschlächter in Thor Love and Thunder
Christian Bale als Gorr, der Götterschlächter in Thor: Love and Thunder © Marvel Studios

Ironie, Liebe und Midlife-Crisis

Ein Großteil der krachenden DNA von Ragnarok ist in Love And Thunder erhalten geblieben, allerdings in noch größerem Ausmaß. Der von Waititi selbst geschaffene Korg tritt nun als Erzähler auf, die Technicolor-Farbpalette wurde in noch hellere Pastelltöne umgewandelt. Und jetzt ist Russell Crowe an der Reihe, die Sau rauszulassen, denn sein Zeus ist eine aufgeblasene Version des griechischen Gottes.

Doch in vielerlei Hinsicht ist es ein anderes (filmisches-) Kaliber. Wo Ragnarok manchmal zu einem selbstgefälligen Tonfall neigte, ist Taika Waititi wirklich am besten, wenn er eine verletzliche Seite hat indem er die Flut von ironischen Gags mit der Erforschung von Verlust, Einsamkeit und Unzulänglichkeiten ausgleicht. Love And Thunder macht genau das.

Es ist ein Film über die Liebe in all ihren Formen – über ihre transformative und regenerative Kraft und darüber, wie leer sich das Leben ohne sie anfühlen kann. Der Film profitiert dabei von den Ereignissen in Avengers: Endgame auf wunderbare Weise.

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Dabei geht es weniger um das Team-up zwischen Thor und den Guardians (ein Riesenspaß, aber ihre Wege trennen sich recht früh), sondern vielmehr um die Trauer, den Selbst-Hass und die Schuldgefühle, durch die der Gott des Donners zu gehen hat. Die Leere, das Nichts, ist laut Waititi schlimmer als der Schmerz, den die Liebe verursachen kann.

Ein Großteil des Liebesschmerzes entsteht durch die Wiedereinführung von Natalie Portmans Jane Foster. In Anlehnung an die Comics von Jason Aaron ist Foster nicht nur zurück, sondern schwingt als The Mighty Thor nun auch Mjolnir (dessen neue Tricks für jede Menge „heilige Scheiße“-Action sorgen).

(L-R) The Mighty Thor (Natalie Portman) überrascht Thor - den Donnergott ( Chris Hemsworth) in Thor: Love and Thunder
(L-R) The Mighty Thor (Natalie Portman) überrascht Thor – den Donnergott ( Chris Hemsworth) in Thor: Love and Thunder. © Marvel Studios

Christian Bale mit schaurig-schräger Performance

Portman, die im MCU nach „Thor: The Dark World“ weitgehend in Vergessenheit geraten war, gibt ein hervorragendes Marvel-Comeback, bei dem sie mehr zu zeigen hat als bei all ihren vorherigen Auftritten. Auch sie ist verletzlich und hat mit den größten Herausforderungen des Lebens zu kämpfen, während sie als Thor nur wenig Erfahrung damit hat, nun ja, Thor zu sein.

Wenn hier irgendwas ein bisschen untergeht, dann ist es Gorr, der Götterschlächter. Der todbringende Göttermörder, der aus einer anderen Aaron-Comicserie stammt, ist nicht ganz so gefährlich wie auf dem Papier und muss sich zwischen Thor und seinen Freunden behaupten (auch Tessa Thompsons Walküre kommt zu kurz).

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Allerdings ist er dank Christian Bales schaurig-schräger Performance kein lebloser Blindgänger à la Malekith. Zudem ist Gorr aufgrund seiner Verbindung zum Schattenreich für einige der eindrucksvollsten visuellen Momente des Films verantwortlich – denn in seiner Gegenwart verschwinden alle Farben aus dem Bild, und die Kräfte unserer Helden unterstreichen die Düsternis mit neonfarbenen Schüben.

In vielerlei Hinsicht, im Guten wie im Schlechten (ein Ausflug in die Stadt der Allmächtigen zieht sich ein wenig), ist Thor: Love And Thunder ein sehr schräger, sehr gelungener Trip. Es ist ein Film, der es wagt, ernsthaft uncool zu sein, und der am Ende dafür umso cooler ist. Überaus witzig, überraschend sentimental und tonal so gewagt, dass es ein Wunder ist, dass er nicht kollabiert.

(L-R) Thor ( Chris Hemsworth und Korg (Taika Waititi) in Thor: Love and Thunder
(L-R) Thor (Chris Hemsworth) und Korg ( Taika Waititi) in Thor: Love and Thunder © Marvel Studios

Taikas Thor-Fortsetzung ein herrlicher, rasanter Spaß

Der Gorr-zentrierte Auftakt ist so düster wie das MCU nur sein kann, aber es ist auch eine Thor-Romantikkomödie mit einer liebevollen ABBA-Montage und einem Wikinger-Langboot, das von einem Paar gigantischer kreischender Ziegen durch den Weltraum gezogen wird (die fast mit dem Film davonlaufen).

Es ist ein Film über die Midlife-Crisis, bei dem man das Gefühl hat, man würde eine solche in Aktion sehen, mit seinen Feinschmeckergottheiten, glorreichen intergalaktischen Biker-Hühner-Schlachten und Guns N‘ Roses in Hülle und Fülle (das Solo von „November Rain“ wird perfekt eingesetzt).

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Und am Ende, wenn die wahre Bedeutung des Titels enthüllt wird, lässt er unseren Helden an einem Punkt zurück, der so angenehm und überraschend ist, dass man wirklich gerührt sein könnte. Es ist eben ein Taika-Waititi-Film – und wir könnten uns seine filmischen Gitarrensoli den ganzen Tag ansehen.

Fazit: Noch verrückter als Ragnarok, aber unglaublich ehrlich in seinem Konzept, ist Taikas Thor-Fortsetzung ein herrlicher, rasanter Spaß. Ihr werdet ihn lieben und wahrscheinlich auch mit einem Donnerschlag feiern. Was für ein klassisches Thor-Abenteuer! Film Bewertung 8 / 10

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