Holy Spider ist ein gleichermaßen irritierender wie faszinierender Film

Holy Spider ist ein gleichermaßen irritierender wie faszinierender Film

Genre: Drama / Thriller | Produktion: DK, DE, SWE, FR 2022 | Laufzeit: ca. 117 Minuten | Regie: Ali Abassi

Mit: Zar Amir Ebrahimi, Mehdi Bajestani, Arash Ashtiani, Forouzan Jamshidnejad, SARA FAZILAT u.a


Inhalt: In den Jahren 2000 und 2001 wurden in der iranischen Stadt Mashhad 16 Frauen von einem Mann ermordet, der den Spitznamen „Spinnenmörder“ erhielt und behauptete, er führe einen heiligen Krieg gegen die Sünde. Dieser Film des im Iran geborenen und in Dänemark lebenden Regisseurs Ali Abbasi stellt diese Ereignisse dramatisch dar.

Saeed Azimi (Mehdi Bajestani) ist ein angesehener Pfeiler seiner Gemeinde, ein gläubiger Schiit und Veteran des Iran-Irak-Kriegs, mit einer liebevollen Familie und einem schrecklichen Geheimnis: Er führt ein Doppelleben und ermordet Prostituierte, ohne zu zögern. Wie der Yorkshire Ripper und zahllose andere Serienmörder vor ihm behauptet er, in Gottes Auftrag zu handeln und die Straßen von Sünden zu befreien.

Die mutige Enthüllungsreporterin Rahimi (Zar Amir Ebrahimi) wird bei ihrem Versuch, ihn zur Rechenschaft zu ziehen, immer wieder durch ekelhaften Sexismus seitens der Kollegen und der breiten Öffentlichkeit ausgebremst. Der Sexismus ist zum Teil offenkundig legitimiert, teilweise tief in der Gesellschaft verwurzelt und wird gesellschaftlich toleriert.

Menschliche Dinge schafft es leider nicht seine Ideen vollständig auszubauen

Angesichts dieser Voraussetzungen sollten die Zutaten für einen effektiven Horrortrip vorhanden sein, bei dem sich Elemente eines Alfred-Hitchcock-Films wie „Frenzy“ und „Das Schweigen der Lämmer“ miteinander verbinden. Aber das klappt nur bedingt.

So sehr sich Ebrahimi auch anstrengt, wirkt ihre Reporterin Rahimi etwas unterfordert. Im Gegensatz dazu verbringt der Film endlos viel Zeit mit Saeed und beschäftigt sich eingehend mit seinen Verbrechen. Dadurch versucht man, den Zuschauer stärker in seine Gedankenwelt zu ziehen, aber es wird nicht ganz klar, zu welchem Zweck.

Saeed (Mehdi Bajestani) vor Gericht © Alamode Film

Insgesamt wirkt der Film etwas verworren, ein düsteres Katz-und-Maus-Spiel zu inszenieren

Da es sich um einen Film handelt, der auf wahren Begebenheiten beruht, ist es sicherlich beunruhigend zu sehen, wie sehr die örtlichen Verantwortlichen den Mörder unterstützten – offenbar gab es eine Menge Leute, die den Rachefeldzug des Mörders gegen die Sexarbeiterinnen unterstützten. Und die Szenen, die den Kontext beleuchten, sind zeitweise fesselnd.

„Anatomie eines Skandals“ ist eine scharfsinnige und zeitgemäße Drama-Serie

Aber insgesamt wirkt der Film etwas verworren in dem Versuch, ein düsteres Katz-und-Maus-Spiel zu inszenieren, das auf Ereignissen beruht, bei dem Frauen wirklich ihr Leben verloren haben. Das erfordert zusätzliche Aufmerksamkeit und die Berücksichtigung der Opferperspektive. Wahre Verbrechen haben zwar ihren eigenen bitteren Beigeschmack, aber dieser Film hinterlässt einen leicht faden Nachgeschmack bei den Zuschauern.

Fazit: Ein ebenso irritierender wie faszinierender Film eines talentierten Filmemachers. Er schafft es jedoch nicht, die Widersprüche zwischen seiner moralischen Absicht und dem künstlerischen Stil aufzulösen, mit denen der Film Geschehnisse thematisiert, die er angeblich verurteilt.

Film Bewertung 6.5 / 10

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