"Lamb" pendelt zwischen Folk - Drama und Märchen

"Lamb" pendelt zwischen Folk - Drama und Märchen

Erscheinungstermin: 06.01.2022 | Produktionsjahr: 2021 | Produktionsland: Island, Schweden, Polen | Filmlänge: ca. 106 min | Genre: Drama | Regie: Valdimar Jóhannsson | Darsteller: Noomi Rapace, Hilmir Snær Guðnason, Björn Hlynur Haraldsson


Inhalt: Weites Land, Bergketten, endloser Himmel, ein abgeschiedenes Haus: In der überwältigend schönen isländischen Landschaft züchten Maria und Ingvar Schafe. Sie führen ein einfaches, der Natur verbundenes Leben.

Bis eines Nachts etwas Seltsames in ihrem Stall passiert: Ein Schaf gebärt ein mysteriöses Wesen, das die beiden wie ein eigenes Kind aufziehen und ihm den Namen Ada geben. Das mit inniger Freude begrüßte Familienglück wird jedoch schon bald auf die Probe gestellt – denn Mutter Natur steckt voller Überraschungen.

© 2021 Koch Films

„Was zum Teufel ist das?“, sagt jemand nach der Hälfte des Films. Das ist nicht ganz falsch. Valdimar Jóhannssons langsamer, absurder Quasi-Kreaturfilm lässt sich nicht kategorisieren und vermischt Folk-Horror, isländisches Beziehungsdrama und schwarze Komödie zu etwas bewundernswert Andersartigem.

Das Drehbuch stammt aus der Feder von Jóhannsson und dem isländischen Autor Sjón, der bereits an Robert Eggers‘ kommendem Wikinger-Film The Northman mitgeschrieben hat. Lamb hat viele Gemeinsamkeiten mit Eggers‘ Werk, insbesondere mit The Witch: ein gut entwickeltes Schauergefühl, eine von der Umgebung getragene Unheimlichkeit und ein unheimliches Gespür für die Beziehungen zwischen Mensch und Tier.

Es passt nicht alles zusammen, aber es ist die Art von Film, bei der es von großem Vorteil ist, wenn man nichts über ihn weiß, bevor man ihn sieht. Wenn ihr also jetzt aufhören wollt zu lesen, dann tut euch keinen Zwang an.

(L-R) Noomi Rapace und Björn Hlynur Haraldsson © 2021 Koch Films

Wenig Dialog in karger Landschaft

Jóhannsson sorgt von Anfang an für eine schräge Stimmung: Eine Pferdeherde taucht aus einem weißen Nebel auf, und die Tiere erschrecken beim Anblick einer unsichtbaren Kreatur (das Sounddesign von Ingvar Lunderg und Björn Viktorsson beginnt so, wie es weitergehen soll: durchweg beunruhigend).

Das Land gehört Maria (Noomi Rapace) und ihrem Lebensgefährten Ingvar (Hilmir Snær Guðnason), hart arbeitenden isländischen Bergbauern, die sich in der Stille wohlfühlen, ein Zustand, der möglicherweise durch eine Tragödie in ihrer Vergangenheit ausgelöst wurde. Die Geschichte folgt dem Ehepaar ruhig bei der täglichen Arbeit auf dem Bauernhof und minimalen Gesprächen. Zeit mit ihnen zu verbringen, ist eine Geduldsprobe.

Nach dem Ende des Winters werden Maria und Ingvar von ihrem Schäferhund (eine brillante Darbietung des verstorbenen Panda, dem Daniel Day-Lewis der Hunde) auf ein Durcheinander im Schafstall aufmerksam gemacht. Die beiden entdecken eine Kreuzung aus Mensch (Körper) und Lamm (Kopf) und beschließen, das Wesen zu adoptieren, anstatt in die kargen Hügel zu fliehen. Sie nennen sie Ada.

Noomi Rapace mit einem Gewehr im Nebel
© 2021 Koch Films

Natur vs. Erziehung

Nach einem zögerlichen Beginn entwickelt sich Lamb zu einer fesselnden Erkundung des Gegensatzes von Natur und Erziehung. Maria und Ingvar ziehen Ada, eine beeindruckende Mischung aus realistischen und computergenerierten Bildern, als ihr eigenes Kind auf. Doch die idyllische Szenerie wird durch die Ankunft von Ingvars eigensinnigem Bruder Pétur (Björn Hlynur Haraldsson, der beim Anblick von Ada unbezahlbar langsam blinzelt) gefährdet.

Der isländische Regisseur Jóhannsson, dessen Großeltern Schafzüchter waren, hat ein Gespür für das entsprechende Milieu und erschafft zusammen mit dem Kameramann Eli Arenson nüchterne, schöne Bilder, die das Unbehagen eher in tableauartigen Szenen als in Kameraschwenks und Jump-Cuts finden.

Im letzten Drittel begibt sich der Film zunehmend in den Bereich des Unheimlichen. Auch wenn er keinen völlig zufriedenstellenden Schluss findet, sorgt Rapaces überzeugende Darstellung der frischgebackenen Mutter, die sich um ein glückliches Leben bemüht, dafür, dass diese Absurdität greifbar und überzeugend bleibt.

Fazit: Lamb wird von Noomi Rapace mit einer engagierten, berührenden Darbietung getragen und überwindet seine Längen und Fehltritte mit interessanten Ideen, handwerklichem Können und einem einzigartigen Tonfall. Zudem bietet er einige der besten Tierdarsteller des Jahres.

Film Bewertung 6 / 10


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