"München: Im Angesicht des Krieges" fehlt es an dramatischer Wucht

"München: Im Angesicht des Krieges" fehlt es an dramatischer Wucht

Genre: Drama / Geschichtsdrama | Produktion: Deustchland / Großbritannien 2021 | Laufzeit: ca. 123 Minuten | Regie: Christian Schwochow | Mit: Jeremy Irons, Ulrich Matthes, George Mackay, Jannis Niewöhner, Liv Lisa Fries u.a.


Inhalt: Als Deutschland kurz davor steht, in die Tschechoslowakei einzumarschieren, trifft sich Premierminister Neville Chamberlain (Jeremy Irons) mit Reichskanzler Adolf Hitler (Ulrich Matthes) in München, um nach friedlichen Lösungen zu suchen. Zwei alte Freunde (George MacKay, Jannis Niewöhner), die jetzt als junge politische Vertreter auf gegnerischen Seiten stehen, treffen aufeinander, um die wirklichen Absichten der Nazis aufzudecken.

© Netflix Film

München: Im Angesicht des Krieges ist eine deutsch-britische Gemeinschaftsproduktion, die die fade Qualität des europäischen Einheitsbreis vermeidet: Es ist eine unterhaltsame Adaption von Robert Harris‘ fiktivem Werk, in dem die Verhandlungen über Hitlers Plan zur Übernahme der Tschechoslowakei beschrieben werden.

Unter der Regie von Christian Schwochow, der bereits Episoden von The Crown gedreht hat, wirkt der Film wie eine zurechtgestutzte, gut inszenierte Miniserie der mittleren Preisklasse. Die Geschichte ist niemals wirklich ergreifend, aber sie ist ein beherzter Versuch, eine Geschichte zu erzählen, deren Ausgang selbst denjenigen bekannt ist, die im Schulfach Geschichte durchgefallen sind.

Der Plot, welcher von Ben Power (The Hollow Crown) nach dem Roman München von Harris adaptiert wurde, beginnt in Oxford, wo drei Studienfreunde – der Brite Hugh Legat (George MacKay), der Deutsche Paul von Hartman (Jannis Niewöhner) und Pauls jüdisch-deutsche Freundin Lenya (Liv Lisa Fries, welche in der Geschichte zu kurz kommt) – in einer idyllischen Sommernacht im Jahr 1932 feiern.

Jeremy Irons (Mitte) als Neville Chamberlain in „München: Im Angesicht des Krieges © Netflix Film

Von Männern, die in Zimmern diskutieren

Nach einem Sprung von sechs Jahren arbeitet Hugh nun als Privatsekretär für Neville Chamberlain (Jeremy Irons) und hat sich mit seiner Frau Pamela (Jessica Brown Findlay) in einer nüchternen Familienidylle niedergelassen, deren Handlungsstrang zu viel Gewicht erhält, ohne nennenswert ins Gewicht zu fallen.

Währenddessen hat sich Paul von einem glühenden Nationalisten in einen verdeckten Widerstandsaktivisten verwandelt. Von dieser Wandlung ist (leider) auf dem Bildschirm nur wenig zu sehen, so dass die Figur etwas unscheinbar wirkt. Am Rande der Münchner Friedenskonferenz über die Annexion des Sudetenlandes, bei der Hugh Chamberlain begleitet und Paul für Hitler (Ulrich Matthes, beängstigend) arbeitet, entsteht ein Komplott, das Hitler dazu bringen soll, die heimlich von Hugh gelieferten Informationen in die Tat umzusetzen.

Letztendlich ist München: Im Angesicht des Krieges ein Streifen über Männer, die in irgendwelchen Räumen diskutieren, der nicht wirklich spannend ist. Es fällt schwer, sich auf das Komplott zur Ermordung Hitlers in der zweiten Filmhälfte einzulassen. Allerdings bietet der Film genug Spionage- und Täuschungsmanöver, um gut unterhalten zu werden.

Ulrich Matthes (links im Bild) ist erschreckend als Adolf Hitler in „München: Im Angesicht des Krieges“ © Netflix Film

Fehlender emotionaler Tiefgang

Hier gibt es eine interessante Charakterdynamik: Hugh ist gefangen zwischen seinem Ehrgefühl gegenüber Chamberlain und seinem Wunsch, die wahren Pläne Hitlers zu entlarven. Der oftmals als eitler Politiker dargestellte Chamberlain wird hier als ein Mann gezeigt, der um jeden Preis Frieden erlangen will.

Dieser wird von Irons mit einer sehr unterhaltsamen Souveränität gespielt, hinter der sich eine gewisse Melancholie verbirgt. MacKay ist hervorragend in seiner Rolle als Grünschnabel im Staatsdienst, und er wird von Niewöhner hervorragend ergänzt, der seinen Doppelagenten detailliert und mit Charisma darstellt. Die gemeinsamen Szenen der beiden sind die besten des Films. Schwochows Regie ist die Art von Film, die dazu verdammt ist, als „hübsch in Szene gesetzt“, sehr geschmackvoll und leichtfüßig beschrieben zu werden.

Doch leider fehlt es dem Film an emotionalem Tiefgang, um ihn wirklich unvergesslich zu machen. Auf der anfänglichen Oxford-Party beschreibt Paul die Briten als “ weit entfernt von Gefühlen „. Das könnte auch eine gute Tagline für den Film sein.

Fazit: Als unterhaltsamer Spionagefilm aus dem Zweiten Weltkrieg punktet München: Im Angesicht des Krieges mit starken Darstellern und filmischem Handwerk, leidet aber unter fehlender dramatischer Wucht.

Film Bewertung: 6 / 10

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