Snake Eyes | Blutleere Action und fehlende Verspieltheit lassen den Film schlechter wirken, als er in Wahrheit ist

Snake Eyes | Blutleere Action und fehlende Verspieltheit lassen den Film schlechter wirken, als er in Wahrheit ist

REGIE Robert Schwentke | DREHBUCH Evan Spiliotopoulos, Anna Waterhouse und Joe Shrapnel

DARSTELLER Henry Golding, Andrew Koji, Úrsula Corberó, Samara Weaving, Haruka Abe, Takehiro Hira, Peter Mensah, mit Samuel Finzi, Iko Uwais u.a. | PRODUZENTEN Brian Goldner, Erik Howsam, Lorenzo di Bonaventura  

Kinostart: 19. August 2021


Inhalt: Der junge Snake Eyes (Henry Golding), ein beharrlicher Einzelgänger, wird in den ehrwürdigen japanischen Arashikage-Clan aufgenommen, nachdem er das Leben des designierten Thronfolgers gerettet hat.

Nach seiner Ankunft in Japan lehren ihn die Arashikage die Kunst der Ninja und bieten ihm gleichzeitig, wonach er sich schon immer gesehnt hat: ein Zuhause.

Doch eines Tages werden Geheimnisse aus seiner Vergangenheit enthüllt: Snake Eyes Ehre und Loyalität werden auf die Probe gestellt und er läuft Gefahr, das Vertrauen derer zu verlieren, die ihm am nächsten stehen.

© Paramount Pictures

Film Kritik

von Ilija Glavas

Es mangelt an spielerischen Elementen und die Action ist blutleer

Was Snake Eyes: G.I. Joe Origins vor allem auszeichnet, ist die Besetzung von Henry Golding als der titelgebende, kultig-maskierte Ninja. Es ist sehr positiv, dass die Figur von einem asiatischen Schauspieler gespielt wird, denn Snake Eyes wurde bisher nur als weißer Mann dargestellt.

Der malaysisch-englische Crazy Rich Asians-Star macht auch einen guten Job, indem er unzähligen Bösewichten die Seele aus dem Leib prügelt und der bisher stummen Figur eine authentische Stimme verleiht. Regisseur Robert Schwentke nimmt das Material ernst und vergisst nicht Spaß dabei zu haben. Doch leider mangelt es SNAKE EYES an einer Spielzeugvorlagen-gerechten Verspieltheit.

Henry Golding plays Snake Eyes in Snake Eyes: G.I. Joe Origins from Paramount Pictures, Metro-Goldwyn-Mayer Pictures and Skydance.

Henry Golding traut man weitere Hauptrollen zu

Zu Beginn des Films ist Snake Eyes noch ein Junge, lange bevor er zu dem wortkargen Kämpfer wird, den die Fans kennen und lieben. Er und sein Vater machen Urlaub in einer Waldhütte, als eine Gruppe von Söldnern unter der Führung eines schmächtigen Ganoven seinen Vater gefangen nimmt und ihn zwingt, buchstäblich um sein Leben zu spielen.

Zwanzig Jahre später : Als ein zwielichtiger, Yakuza-naher Vertreter namens Kenta (Takehiro Hira) ihm anbietet, ihm bei der Suche nach dem Mörder seines Vaters zu helfen, willigt Snake Eyes ein, für ihn zu arbeiten. Und als Snake Eyes sich mit Tommy (Andrew Koji) anfreundet, dem Thronfolger des Arashikage-Clans, einer wohlhabenden, mächtigen Familie in Japan, gerät er mitten in einen Clankrieg, bei dem er gegen beide Seiten antreten muss, um schließlich Rache am Mörder seines Vaters zu nehmen.

Golding schafft es, trotz der ständigen Schwindeleien von Snake Eyes sympathisch zu bleiben, was eine große Leistung ist, wenn man bedenkt, wie verzweifelt die Figur im letzten Akt wird. Sowohl körperlich als auch schauspielerisch ist Golding dieser Aufgabe mehr als gewachsen und beweist, dass er das Zeug dazu hat, in den nächsten Jahren eine Hauptrolle auf der großen Leinwand zu spielen.

Darüber hinaus hat er eine großartige Besetzung, die ihn unterstützt. Koji ist ein wahrer Magnet in der Rolle des schwertschwingenden Tommy, der später zu Storm Shadow wird. Die Autoren erklären sehr gut, warum die Lieblingsfigur der Fans von Natur aus so doppelzüngig ist.

Henry Golding ist Snake Eyes in Snake Eyes: G.I. Joe Origins – © Paramount Pictures, Metro-Goldwyn-Mayer Pictures und Skydance.

Snake Eyes verfolgt einen persönlicheren, bodenständigeren Ansatz

Akiko (Haruka Abe) ist das einzige Familienmitglied, das skeptisch genug ist, um zu spüren, dass Snake Eyes nicht hundertprozentig ehrlich zu ihnen ist, und die Reibereien zwischen ihnen tun der Geschichte gut. “The Raid”-Star Iko Uwais verleiht der Action als Arashikage-Kampfguru Hard Master ein enormes Maß an Physis, und Peter Mensah bringt als Blind Master einen spürbaren Hauch von Rätselhaftigkeit in das Geschehen.

Im Gegensatz zu den vorherigen G.I.-Joe-Filmen verfolgt Snake Eyes einen persönlicheren, bodenständigeren Ansatz sowohl bei der Action als auch bei der Erzählung, der sich mehr auf die Dynamik der Charaktere als auf Bombast, Waffen, Explosionen und Heldenposen konzentriert. Das ist die Grundlage für den Rest von Snake Eyes, in dem Golding langsam die Wege des Kriegers erlernt.

Seine Mentoren lehren ihn, dass auffällige Kampftechniken zwar in Ordnung sind, “Wahrhaftigkeit und Selbstlosigkeit” aber die wahren Werte sind, die ein Ninja beherrschen muss. Wenn Snake Eyes einen Mann mit seinem Schwert ersticht, teilt er dann wohl “selbstlos” seine Klinge? Die Trainingssequenzen ziehen sich ewig hin, aber die gelegentlichen Kampfszenen sind auch nicht viel besser. Sie werden von Regisseur Robert Schwentke in so wackeligen Nahaufnahmen gedreht, dass einem ganz mulmig wird. Die Szenen, die nicht übel sind, sind teils schwer zu erfassen.

Und das, obwohl die Snake Eyes’ Darsteller brillante Kampfsportler wie Iko Uwais aus den Raid-Filmen sind. Auch das Fehlen der militärischen Ästhetik und des Milieus, für die das Franchise seit den 1960er Jahren bekannt ist, mag wie eine große Abweichung erscheinen, bietet man damit der Marke die Gelegenheit für eine vielfältigere Filmreihe.

Was den Bezug zum größeren G.I.-Joe-Universum angeht, so kommen Baroness (Úrsula Corberó) und Scarlett (Samara Weaving) im späteren Verlauf des Films ins Spiel. Aber scheinbar nur zu dem einzigen Zweck, Anknüpfungspunkte für zukünftige Filme zu liefern, die die Geschichte erweitern sollen.

Andrew Koji Tommy/Storm Shadow in Snake Eyes: G.I. Joe Origins © Paramount Pictures, Metro-Goldwyn-Mayer Pictures und Skydance.

Die Schauplätze sind allesamt hervorragend gewählt: Ein Duell auf einem fahrenden Autotransporter im späteren Verlauf des Films ist ein Highlight (Stichwort: Kampf zweier Automarken). Ebenso wie ein neonbeleuchteter Straßenkampf in den Gassen von Tokio. Ehrlicherweise muss man sich eingestehen: es fühlt sich wie ein Heißmacher auf kommendes an – mit viel Luft nach oben.

Denn G.I. Joe: Geheimauftrag Cobra war eine grässliche Suppe aus schlechten Computereffekten und Blockbuster-Klischees. G.I. Joe: Die Vergeltung war zwar weniger comichaft, aber auch nicht viel besser. Zwar ist Snake Eyes kein totaler Reinfall, aber vielleicht der am wenigsten wirksamste Film der Reihe.

Haruka Abe als Akiko in Snake Eyes: G.I. Joe Origins
Haruka Abe als Akiko in Snake Eyes: G.I. Joe Origins © Paramount Pictures, Metro-Goldwyn-Mayer Pictures und Skydance.

Fazit: Als Action/Martial-Arts-Film ist Snake Eyes absolut solide. Man lernt Snake Eyes und seine Beziehung zu den anderen Figuren kennen und sieht ihm dabei zu, wie er sich seinen inneren Dämonen stellt.

Zu unserem Leidwesen, nimmt man die beliebteste G.I. Joe-Figur und entmystifiziert sie völlig, bis nur noch ein unscheinbarer Kerl mit einem Schwert übrig ist. In den früheren G.I. Joe-Filmen hat Snake Eyes nie gesprochen. Jetzt, wo er zu Wort kommt, findet man die Alternative besser. Wertung: 5 / 10


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