Der Spinnenkopf ist ein sehr dialoglastiges, bisweilen verstörendes Gefängnisdrama

Der Spinnenkopf ist ein sehr dialoglastiges, bisweilen verstörendes Gefängnisdrama

Genre: Sci-Fi / Drama | Produktion: USA 2022 | Laufzeit: ca. 107 Minuten | Regie: Joseph Kosinski

Mit: Chris Hemsworth, Miles Teller, Tess Haubrich, Jurnee Smollett, Bebe Bettencourt, Mark Paguio, Ashley Lawrence u.a. | Erscheinungsdatum: Seit 11. Juni auf Netflix


Inhalt: An einem abgelegenen Ort befindet sich ein Gefängnis, in dem Sträflinge untergebracht sind, die schreckliche Verbrechen begangen haben. Es ist aber auch ein futuristisches Forschungslabor, in dem die Insassen, darunter Jeff (Miles Teller), vom dortigen Wissenschaftsgenie Abnesti (Hemsworth) mit Experimenten konfrontiert werden.

Der eigenartig betitelte Film wird auf Netflix mit so wenig Begeisterung präsentiert, wie man es bei einem Film mit einem Avenger in der Hauptrolle, der von dem Duo hinter Deadpool geschrieben wurde und bei dem der Mann hinter dem beliebtesten Blockbuster des Sommers Regie führte, nicht erwarten konnte.

Umso überraschender ist es, wenn man sich die ersten Minuten ansieht, in denen Joseph Kosinski auf seine Trickkiste aus Top Gun: Maverick zurückgreift, um eindrucksvolle Aufnahmen einer Cessna zu zeigen, die durch den azurblauen Himmel fliegt (Co-Hauptdarsteller Miles Teller ist ein weiteres Bindeglied zu Maverick). Aber sobald das Wasserflugzeug landet, wird klar, dass dieser Film etwas ganz anderes ist als der Action-Streifen, bei dem es um Flughöhe und Herzklopfen geht.

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Der Spinnenkopf ist ein klaustrophobischer, beklemmender Thriller über mysteriöse Experimente, der fast ausschließlich in zwei Räumen spielt. Geschwindigkeit ist hier nicht gefragt. Aber so sehr es auch bewundernswert ist, dass Kosinski und seine Darsteller etwas Neues ausprobieren, dieses Experiment ist nur teilweise gelungen.

Das Ausgangsmaterial ist eine New Yorker Kurzgeschichte, Escape From Spiderhead, ein unterkühltes Science-Fiction-Werk von George Saunders. Darin zeichnet Saunders ein orwellsches Bild von Gefangenen, an denen ein liebenswürdiger, aber finsterer Gefängnisdirektor Experimente durchführt: Indem er per Fernsteuerung Drogen freisetzt, kann er ihre Gefühle und sogar ihre Gedanken manipulieren.

Chris Hemsworth in Der Spinnenkopf auf Netflix
© Netflix

Der Spinnenkopf bietet keine visuellen Highlights

Bei der Erweiterung der Geschichte zu einem Spielfilm hatte Kosinski Spaß daran, ein stilvolles, alptraumhaftes Gefängnis mit kühlen Oberflächen, gemeinschaftlichen Kaffeekannen und Räumen mit teuflischen Geheimnissen zu schaffen. Und falls ihr euch fragt, warum es eigentlich Spinnenkopf heißt: Das Gebäude hat acht Flügel, von denen der oberste das Nervenzentrum bildet.

Es ist zwar kein visueller Leckerbissen, aber es gibt ein paar clevere Details, wie die farbcodierten Fläschchen, die sich in die Apple-ähnlichen „MobiPaks“ auf dem Rücken der Patienten einklicken lassen. Was die Darsteller angeht, so liefert Teller zwar eine solide Leistung als der Gefangene im Mittelpunkt der Handlung ab.

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Dabei gibt es so viele Rückblenden auf den Autounfall, der zu seiner Inhaftierung geführt hat, dass es sich zunehmend wie Füllmaterial anfühlt. Das Hauptereignis ist Chris Hemsworth als verrückter Wissenschaftler. Hemsworth, der fast so viel Spaß hat wie Oscar Isaac in Ex Machina und sogar eine ähnliche Tanzeinlage liefert, ist der makelloseste Bond-Bösewicht aller Zeiten.

Er ist ein bebrillter Pharma-Bro, der Dinge sagt wie „Druck bildet Diamanten“, wenn er nicht gerade abscheuliche Experimente an seinen Gefangenen durchführt. Er ist zwar witzig, aber die Figur ist nie wirklich bedrohlich, was angesichts der Tatsache, dass es sich um einen spannenden Zweiakter handelt, ein Problem darstellt. Als Spinnenkopfs oberstes Spinnentier ist er ein wenig schwach auf der Brust.

© Netflix

Mehr Science als Fiction

Es ist erfrischend, einen Sci-Fi-Film zu sehen, der das „Fi“ zurücknimmt und dafür das „Sci“ in den Vordergrund stellt. Es gibt hier fast keine Action (wenn im dritten Akt welche auftaucht, fühlt sie sich überflüssig an), und Kosinski verlässt sich darauf, dass sein kleines Schauspielerensemble allein mit seinen jargonlastigen Dialogen für Nervenkitzel sorgt.

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Diese Taktik geht größtenteils auf – Fans von Black Mirror werden wahrscheinlich Spaß an der verworrenen, rabenschwarzen Handlung haben. Wie sehr man sich davon unterhalten lässt, hängt allerdings davon ab, wie oft man Chris Hemsworth das Wort „Darkenfloxx“ sagen hört – es muss mindestens im zweistelligen Bereich liegen.

Fazit: Das Gegenprogramm zum Sommer kommt in Form eines sehr dialoglastigen, bisweilen verstörenden Gefängnisdramas daher – eine Mischung aus Fortress und Limitless. Auch wenn man die Erweiterung der Novellenform spürt, ist der Film durchaus einen Blick wert.

Film Bewertung: 6 / 10

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