Film Kritik: "Keine Zeit Zu Sterben" ist ein würdiges Ende der Ära Craig

Film Kritik: "Keine Zeit Zu Sterben" ist ein würdiges Ende der Ära Craig

Laufzeit: ca. 163 Minuten | Besetzung: Daniel Craig, Rami Malek, Léa Seydoux, Lashana Lynch, Ben Whishaw, Naomie Harris, mit Jeffrey Wright, mit Christoph Waltz und Ralph Fiennes als „M“, Rory Kinnear, Ana de Armas, Dali Benssalah, David Dencik und Billy Magnussen uvm.

Drehbuch: Neal Purvis & Robert Wade, Cary Joji Fukunaga und Phoebe Waller-Bridge | Story: Neal Purvis & Robert Wade und Cary Joji Fukunaga | Regie: Cary Joji Fukunaga | Produzenten: Michael G. Wilson und Barbara Broccoli


Inhalt: James Bond (Daniel Craig) hat seine Lizenz zum Töten abgegeben und genießt seinen Ruhestand in Jamaika. Die friedliche Zeit nimmt ein unerwartetes Ende, als sein alter CIA-Kollege Felix Leiter (Jeffrey Wright) auftaucht und ihn um Hilfe bittet.

Ein Wissenschaftler ist entführt worden und muss so schnell wie möglich gefunden werden. Was als einfache (Rettungs-) Mission beginnt, erreicht schnell einen bedrohlichen Wendepunkt, denn Bond kommt einem geheimnisvollen Gegenspieler auf die Spur, der im Besitz einer brandgefährlichen neuen Technologie ist.

Es ist immer schwer, einen Bond-Film zu machen. Aber der 25. Film der Reihe fühlt sich, wie die bisher härteste Reise an: irgendwie überlebte er einen ausscheidenden Regisseur (Danny Boyle), der wegen der gefürchteten „kreativen Differenzen“ durch Cary Fukunaga ersetzt wurde.

Dazu kam eine zweijährige Verzögerung durch die Pandemie und mit Daniel Craig einen scheidenden 007, der zuvor behauptete (in einem Zitat, das ihn später verfolgen sollte), dass er sich lieber „die Pulsadern aufschneiden“ würde, als noch einmal Bond zu spielen.

Es gab mehr als genug Zeit, in der „Keine Zeit Zu Sterben“ hätte sterben können. Aber wie Craigs Bond in diesem Film in einer schönen Anspielung auf „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ sagt: „Wir haben alle Zeit der Welt“. Es ist nicht die erste Anspielung im Film auf George Lazenby`s inzwischen rehabilitierten Erstling aus dem Jahr 1969, und sie ist durchaus angebracht. 

Dazu legen wir euch unser Special ans Herz: Sieben Filme um Bond zu kennen.

Denn dieser Film tut Dinge, die noch kein Bond-Film zuvor getan hat, und obwohl er sich stark auf Altbewährtes stützt, das sich nicht nur vertraut, sondern auch beruhigend anfühlt, sind es gerade die ungewohnten Dinge, die ihn zu einem so spannenden Beitrag machen. Wir sehen Bond im Ruhestand.

 Lashana Lynch als Geheimagentin ihrer Majestät
 Lashana Lynch als Geheimagentin im Dienst ihrer Majestät © Universal Pictures Germany

Playboy Lächeln, Romantik und Bionische Augen

In der ersten Hälfte des Films hat er dem MI6 den Rücken gekehrt, und es gibt viele Hinweise darauf, dass er seine besten Jahre hinter sich hat: Ein „altes Wrack“, wie er sich selbst nennt. Craig kann zwar immer noch einen Smoking tragen, aber er hat ein paar Jahre mehr auf dem Buckel als in Casino Royale von 2006, und er spielt sie aus.

Seine Darstellung – die schon immer reich an Widersprüchen war, das Playboy-Lächeln im Kontrast zu einer stoischen inneren Zerrissenheit – ist in diesem Film die interessanteste, die es je gab. Dieser Bond ist leidenschaftlicher, impulsiver, sensibler und – man wagt es kaum zu sagen – romantischer. Er verleiht einer jahrzehntealten Figur bemerkenswerte neue Dimensionen, was nicht heißen soll, dass die Bond’schen Spielereien zu kurz kommen. Bionische Augen, Nanobots und Magnete seien an dieser Stelle erwähnt.

Wer nicht genug von Spielereien bekommen kann: Neues James Bond Spiel in der Entwicklung

Als neuer Bösewicht Safin spricht Malek mit einem vagen osteuropäischen Akzent, und sein Hauptmotiv für die Zerstörung der Welt scheint nur persönliche Rache und eine Leidenschaft für Gartenarbeit zu sein. Dagegen überrascht der (leider zu kurze) Auftritt von Ana de Armas, als Bonds Verbündete.

Wir können nur darüber spekulieren, was Phoebe Waller-Bridge (Fleabag) zum „Feinschliff“ des Drehbuchs beigetragen hat, aber das Skript bietet zumindest einen Einzeiler für die Ewigkeit.

Daniel Craig skeptischer Blick im Aston Martin DB5
Daniel Craig steigt zum letzten mal in den Aston Martin DB5 © Universal Pictures Germany

Ein verblüffendes Finale – und ein passendes Ende der Craig Ära

Fukunaga, so scheint es, war die ideale Wahl des Regisseurs, der die Widersprüche der Figur und des Franchise gekonnt ausbalanciert, und obwohl er den üblichen Fallstricken nicht ganz entkommt – ein mittleres Drittel, das sich in Plot und Exposition verliert, rechtfertigt nicht die enorme Laufzeit. Er war schon immer ein intuitiver Filmemacher, der sich sehr für die Menschlichkeit seiner Figuren interessiert.

Er findet irgendwie die Verletzlichkeit in diesem unverwundbarsten aller Helden, mit einem verblüffenden, überraschenden Finale, das Craig den Abschied gibt, den er verdient. Wenn eine Formel so in Stein gemeißelt ist, fühlen sich selbst die kleinsten Änderungen aufregend an. Erhebt euren Martini – das Warten hat sich gelohnt.

„Keine Zeit zu Sterben“ ist ein Bond-Film, der pflichtbewusst alle Kriterien erfüllt, sich aber oft überhaupt nicht wie ein Bond-Film anfühlt. Für einen 007, der danach strebte, dem überlebensgroßen Helden Menschlichkeit zu verleihen, ist dies ein passendes Ende der Ära Craig.

Fazit: Es gibt eigentlich nur einen Weg, es auszudrücken: Mit den unsterblichen Worten von Ernst Stavro Blofeld und einem Dutzend Größenwahnsinniger vor ihm: Auf Wiedersehen, James. 

Wertung: 8 / 10


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