Nope ist eine grausame Parodie auf Hollywoods Großspurigkeit

Nope ist eine grausame Parodie auf Hollywoods Großspurigkeit

Genre: Sci – Fi / Horror | Produktion: USA 2022 | Laufzeit: ca. 130 Minuten | Regie: Jordan Peele

Mit: Keke Palmer, Daniel Kaluuya, Steven Yeun, Michael Wincott, Brandon Perea, Barbie Perreira u.a


Inhalt: Die Geschwister OJ (Daniel Kaluuya) und Emerald Haywood (Keke Palmer) erben eine kalifornische Pferderanch von ihrem Vater, der in der Branche eine Legende ist. Eines Tages erblicken sie ein mysteriöses Objekt am Himmel über ihrem Anwesen. Bei dem Versuch, das Geheimnis auf Film einzufangen, machen die beiden eine schreckliche Entdeckung und entdecken die wahre Natur des Phänomens.

© Universal Pictures Germany

Es wird oft gesagt, dass das Showbiz einen bei lebendigem Leib auffressen kann. Jordan Peele geht in seinem dritten Film mit dieser Metapher weiter, als man vielleicht erwartet hätte. In seinem neuesten Sci-Fi-Horror charakterisiert der Regisseur die Filmindustrie als rücksichtslose Bestie und fragt sich, wer in ihre Fänge gerät, und zu wessen Nutzen.

In Nope wird das Publikum selbst zum großen Monstrum, das mit persönlichen und historischen Traumata unterhalten werden will, die für das eigene Sehvergnügen kommerzialisiert werden. Der Film macht aus dem Albtraum, von etwas verschlungen zu werden, das größer ist als man selbst, ein regelrechtes Horrorszenario.

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Ob das nun ein öffentliches Publikum ist oder ein fliegender Lovecraft’scher Schrecken. Aber er ist auch eine Hommage an die Filmschaffenden – an diejenigen, die in den weniger glamourösen Funktionen tätig sind, die für die Schaffung von Kinospektakeln unerlässlich sind.

Dass er die amerikanischen Missstände zu einem dämonischen Schreckensbild werden lässt, ist für Peele nichts Neues: In „Get Out“ wurde der Rassismus mit Hilfe von „Rate mal, wer zum Essen kommt“ und „Die Frauen von Stepford“ auf unheimliche Weise entlarvt, während er in „Wir“ eine neue Version von C.H.U.D. (Cannibalistic Humanoid Underground Dwellers) als Spiegelbild des sozialen Konflikts und der Ausgrenzung entwickelte.

Daniel Kaluuya in Nope, written von Jordan Peele 2022 UNIVERSAL STUDIOS. All Rights Reserved.

Jordan Peele kümmert sich nicht darum, was Nope eigentlich bedeutet

Nope befasst sich mit den vielfältigen Bedeutungen von „Spektakel“. Der Film untersucht die Romantisierung der amerikanischen Grenzgebiete, die selbst ein Ort des historischen Traumas sind. Die Dominanz weißer Produzenten, die ihre Film- und Fernseh-Maschinerie mit dem Elend von Minderheiten füttern, wird ebenso erschreckend vorgetragen wie die späteren, noch unheimlicheren Schrecken.

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Auf diese Weise macht Peele das Weißsein zu einem weiteren Monster. Aber er kümmert sich nicht zu sehr darum, was Nope eigentlich bedeutet. Der Film widersteht auf befriedigende Weise der Versuchung neuerer Horrorfilme, die zu viel über ihre eigene Bedeutung verraten und sich auf eine einzige Interpretation beschränken.

Daniel Kaluuya und Keke Palmer spielen OJ und Emerald ‚Em‘ Haywood, die Kinder eines renommierten Pferdetrainers aus Hollywood, der offenbar vom Jockey aus der 1878 gedrehten Fotoreihe The Horse In Motion (einem Meilenstein der Filmgeschichte) abstammt.

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Zwischen der manischen Energie von Palmer und dem kühl-stoischen Charakter von Kaluuya wird die Begegnung mit dem Unbekannten zu einer Obsession und einer eventuellen Lösung für ihre Turbulenzen, vielleicht sogar zu einem Weg zum Ruhm.

Auch eine andere, von einer Tragödie heimgesuchte Generation ist dabei: Steven Yeun spielt den ehemaligen Kinderstar „Jupe“ Park, welcher sich in einem nostalgischen, weiß getünchten Vergnügungspark im Goldgräberstil versteckt, um der Klatschpresse zu entkommen.

Faszinierend ist auch Genrekino-Legende Michael Wincott, der als einsiedlerischer Kameramann eine Art Quint-Typ aus Der Weiße Hai spielt und neben anderen poetischen und etwas gruseligen Wendungen den Song „The Purple People Eater“ von Sheb Wooley aus dem Jahr 1958 unheilvoll brummt.

L – R: Daniel Kaluuya, Keke Palmer, und Brandon Perea in NOPE von Jordan Peele 2022 UNIVERSAL STUDIOS. All Rights Reserved.

Nope vermischt viele Einflüsse

Zwar gibt es Gemeinsamkeiten mit Der weiße Hai in seinem Versuch, etwas Ungeheuerliches auf Film zu bannen (der Himmel anstelle des Meeres), aber Nope beschränkt sich nicht auf eine einfache Nachahmung, sondern macht sich seine Einflüsse zu eigen und versucht, etwas Neues daraus zu machen.

Mit beeindruckender Präzision mischt Peele viele Einflüsse zusammen, darunter den Schrecken von Lovecraft, Genre-Nischenkost wie Ron Underwoods Tremors, klassisches Hollywood und sogar darüber hinaus, wie z. B. eine direkte Anspielung auf den Film „Akira“ durch eine packende Rekonstruktion des berühmten Bike-Slide Shots (vielleicht sein Tribut an ein abgesagtes Remake, mit dem er einst in Verbindung gebracht wurde).

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Peeles Stammkomponist Michael Abels entwirft einen Score, der zwischen der mutigen Spannung früherer Werke und etwas Grandioserem schwankt und an die Motive klassischer Western erinnert. Visuell öffnet Kameramann Hoyte van Hoytema den Rahmen durch IMAX-Fotografie, und selbst mit dieser neu gewonnenen Höhe ist Peele meisterhaft darin, die Perspektive zu manipulieren und einzuschränken, indem er gerade so viel aus dem Blickfeld lässt, dass die Vorstellungskraft das Grauen noch verstärkt.

Ein solcher Moment, in dem Steven Yeun auftritt, gehört zu den besten Szenen des Jahres, ein überraschender Moment des reinen, unverfälschten Sci-Fi-Terrors. Trotz des oft klaustrophobisch anmutenden Horrors schaffen es van Hoytema und Peele sogar, dass sich helle, weitläufige Räume bedrohlich anfühlen, wenn die Figuren versuchen, einen Blick auf den Terror von oben zu erhaschen.

Daniel Kaluuya in Nope, von Jordan Peele. 2022 UNIVERSAL STUDIOS. All Rights Reserved.

Nope ist ein ehrgeiziger, provokanter Rundumschlag

Im Verlauf des Films unterscheidet er zwischen der Produktion von Unterhaltungsshows (einer unersättlichen, rücksichtslosen Bestie, die sich am Schicksal anderer Menschen bereichert) für das Publikum – und dem Filmemachen selbst, bei dem es darum geht, etwas Unmögliches mit der Kamera einzufangen und einen Traum wahr werden zu lassen.

In der Auseinandersetzung mit diesen Ideen geht die Mythenbildung um die Haywood-Ranch Hand in Hand mit Peele. Er entfernt dabei klassische Filmmotive aus der Zeit der amerikanischen Rassentrennung und der „offenkundigen Vorherbestimmung“. Der Regisseur verwandelt sie in ein Spektakel der eher triumphalen Art, indem er Kaluuya als Cowboy in einem leuchtend orangefarbenen The Scorpion King-Kapuzenpullover inszeniert.

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Bei der Definition einer solchen Emanzipation ringt er mit der Geschichte der Film- und Fernsehproduktion wie die Haywoods mit den Pferden, indem er alle seine Lieblingsfilme heranzieht und sie liebevoll demontiert und wieder zusammensetzt. Nope ist gleichermaßen eine Huldigung dessen, was den Film auszeichnet, sowie eine Persiflage auf seine monströsen Tendenzen.

Fazit: Nope ist ein ehrgeiziger, provokanter Rundumschlag und fühlt sich an wie das immer seltener werdende Branchen-Monster: ein origineller Blockbuster. Er ist eine grausame Parodie auf Hollywoods Großspurigkeit und ein Publikumsmagnet, bei dem man sich fragt, zu welchen Bedingungen man ein Publikum zufriedenstellen kann.

Film Bewertung: 9 / 10

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