"Peaky Blinders" Staffel 6 ist bewegend, filmisch ambitioniert und mitreißend

"Peaky Blinders" Staffel 6 ist bewegend, filmisch ambitioniert und mitreißend

Genre: Drama | Produktion: Großbritannien 2021 | Laufzeit: Alle 6 Folgen sind ab sofort bei Netflix abrufbar | Regie: Anthony Byrne

Mit: Cillian Murphy, Finn Cole, Helen McCrory, Anya Taylor-Joy, James Frecheville, Amber Anderson, sam Claflin, Paul Anderson u.a


Inhalt: Der Bandenboss und Abgeordnete Tommy Shelby (Cillian Murphy) versucht, nach dem schrecklichen Tod seiner Tante Polly sein Leben und seine Geschäfte wieder in den Griff zu bekommen. Doch Pollys Sohn Michael (Finn Cole) gibt Tommy die Schuld an ihrem Tod und schwört Rache.

© Netflix

In der 6. Staffel von Peaky Blinders wird viel und schwer geatmet. Das fast unterschwellige metronomische Geräusch einer Frau, die ausatmet, untermalt den Soundtrack von Schlüsselszenen und trägt dazu bei, eine Atmosphäre des drohenden Unheils zu schaffen.

Es sind die ersten Szenen, die den erschütternden Höhepunkt von Staffel 5 wieder aufgreift, als Tommy Shelby (Cillian Murphy) die Situation eher aus Versehen als absichtlich überlebt, um dann weitere Episoden psychischer Qualen zu erleiden, die von diesem unheimlichen Atem begleitet werden. Es ist das Geräusch lauernder Dämonen.

Nach der tief bewegenden Beerdigung von Tante Polly, der von Helen McCrory gespielten Matriarchin, die eine großartige poetische Hommage an die verstorbene Schauspielerin darstellt, folgt ein Zeitsprung von vier Jahren in das Jahr 1933. Tommy hat dem Alkohol abgeschworen und versucht, seinen Geist von den düsteren Gedanken zu befreien, die ihn plagen.

Anya Taylor-Joy als Gina in Peaky Blinders © Netflix

Starke Frauen als tragende Säulen

Als er ein Opium-Import/Export-Geschäft von Kanada aus aufbaut, wird er von vielen Seiten bedroht, nicht zuletzt von seinem Cousin Michael (Finn Cole), der ihn nun hasst. Außerdem wird er von Michaels amerikanischer Frau Gina (Anya Taylor-Joy) bedroht, die ihren beängstigenden Onkel Jack (James Frecheville) mit ins Spiel bringt.

Erschwerend kommt hinzu, dass Tommys Bruder Arthur (Paul Anderson) nur noch eine erbärmliche Gestalt darstellt, die unter Drogeneinfluss steht und kaum noch zu klaren Gedanken fähig ist. Mehr denn je liegt es an den Frauen, insbesondere an Tommys und Arthurs Schwester Ada (Sophie Rundle – hervorragend) und Tommys Frau Lizzie (Natasha O’Keeffe), alles am Laufen zu halten. Ohne sie würde das ganze Konstrukt der Peaky Blinders zusammenbrechen.

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Und der wertvollste Neuzugang in dieser letzten Staffel ist zweifellos Lady Diana Mitford (Amber Anderson), Oswald Mosleys Geliebte. Sie ist sogar noch furchteinflößender als Sam Claflins Mosley, denn sie schießt aus der Hüfte auf jeden, der sich in ihrer Nähe befindet, und wird bald zur Verkörperung der faschistischen Dekadenz.

Cillian Murphy als Tommy Shelby © Netflix

Bewegend, filmisch ambitioniert und mitreißend

Die Art und Weise, wie Autor Steven Knight diese realen historischen Figuren in die Erzählung einwebt, ist einer der Gründe, warum sich die Serie nie wie eine weitere Gangster-Saga anfühlt.

Tommy ist keine Forrest Gump-Figur, die Zeuge großer Ereignisse wird, sondern er ist tief in sie verstrickt, während er versucht herauszufinden, ob seine amoralische gewalthaltige Vergangenheit ihn zwangsläufig davon abhält, moralische oder politische Überzeugungen zu haben. 

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Ein weiterer Beweis für die einzigartige Tonalität, die Knight und Regisseur Anthony Byrne, geschaffen haben. Irgendwie ist diese britische Serie durchweg eine der am schönsten gestalteten und visuell spektakulärsten Serien, die es gibt. Unterstützt durch ihre opernhafte Opulenz, die durch die herrlich anachronistische Musikauswahl noch verstärkt wird, und perfekt zur Egomanie ihrer Hauptdarsteller passt.

Er mag den Alkohol aufgegeben haben, aber Tommy ist immer noch süchtig nach der Macht, die er ausstrahlt, und schwelgt in seinem eigenen Charisma. Und wir Zuschauer sind machtlos, uns dagegen zu wehren.

Fazit: Das Ende eines der größten britischen TV-Dramen der letzten Jahre ist so bewegend intim, filmisch ambitioniert und mitreißend episch wie immer. Serien Bewertung: 10 / 10

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