Berlinale 2022 Film Kritik: "Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush"

Berlinale 2022 Film Kritik: "Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush"

Genre: Drama | Produktion: Deutschland / Frankreich 2022 | Laufzeit: ca. 119 Minuten | Regie: Andreas Dresen | Mit: Meltem Kaptan, Alexander Scheer, Charly Hübner, Nazmi Kirik, Sevda Polat

Läuft im Wettbewerb der Berlinale (Weltpremiere 12.02.22 | Im Kino ab: 28. April 2022


Inhalt: Rabiye Kurnaz ist, was man gemeinhin eine einfache Frau nennt. Eine mit Turbopower allerdings. Im Bremer Reihenhaus schmeißt sie den Laden, kümmert sich um Kind und Kegel und um vieles mehr. Als ihr Sohn Murat kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2001 des Terrorismus bezichtigt und (als einer der Ersten) ins Gefangenenlager Guantanamo verfrachtet wird, beginnt für die resolute Deutsch-Türkin eine Reise ins Herz der Weltpolitik.

Gemeinsam mit Menschenrechtsanwalt Bernhard Docke, den sie bald ganz auf ihrer Seite hat (wie fast alle um sie herum), kämpft sie für die Freilassung ihres Sohnes und zieht dabei mit Selfmade-Englisch bis vor den Supreme Court in Washington DC.

© Pandora Filmverleih

„Und woher kennen Sie mich?“ „Aus dem Telefonbuch.“ „Haben sie mich da unter A wie Anwalt gefunden?“ „Nein unter R wie Rechtsanwalt.“ Rabiye Kurnaz muss eines morgens feststellen das ihr Sohn Murat fort ist. Nach langer Suche und Besuchen bei der örtlichen Polizei muss sie erfahren das Murat in dem U.S. Gefängnis Guantanamo sitzt.

Sie sucht sich einen Anwalt und findet bei Bernhard Docke jemanden, der ihr zuhört und bereit ist zu helfen. Doch das ist gar nicht so einfach, denn Guantanamo ist 2001 ein Niemandsland, für das sich eben niemand verantwortlich fühlt. Rabiye gibt aber nicht auf, sie reist in die Türkei, um mit dem Minister dort zu reden.

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Doch überall stößt sie auf Taube Ohren und leere Versprechungen. Nur Docke bleibt am Fall dran und schafft es das Rabiye und er nach Washington reisen dürfen, um dort im Weißen Haus eine Petition zu überreichen. Rabiye glaubt an die Unschuld ihres Sohnes und ist empört, als auch der Besuch in Washington diesen nicht sofort nach Hause zurückbringt.

Erst mit dem Regierungswechsel in Deutschland schöpft sie neue Hoffnung. Immerhin hat Merkel doch so schön über Gerechtigkeit geredet. Andreas Dresen schafft es immer wieder in jede noch so dramatische Situation ein aufatmendes Lachen einzubauen, etwas das einem Mut und Hoffnung schenkt.

Alexander Scheer, Meltem Kaptan in Rabiye Kurnaz vs. George W. Bush von Andreas Dresen © Luna Zscharnt / Pandora Film

Meltem Kaplan spielt ihre Rolle mit Herzblut

Schon bei „Halt auf halber Strecke“ war dies der Fall und auch in „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush schafft er es, trotz des ernsten Themas, den Zuschauer immer wieder zum Lachen zu bringen. Nicht zuletzt, weil der komödiantische Anteil des Filmes überwiegt. Zu verdanken ist dies der Comedian Meltem Kaplan, welche hier erstmals eine Kinohauptrolle verkörpert.

Sie tut dies mit so viel Herzblut und Liebe zu der echten Rabiye Kurnaz, dass man nicht anders kann als sie augenblicklich lieb zu gewinnen. Sie spielt alle gegen die Wand, auch einen Alexander Scheer. Sie hat die Feinfühligkeit und den Wortwitz und bringt diesen so ehrlich rüber, dass man einfach herzhaft lachen muss, was ist in deutschen Filmen seltener der Fall.

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Diese scheitern oft an den Dialogen oder den Darstellern, die nicht wissen, wie Comedy funktioniert. Meltem Kaplan hat es dafür einfach drauf, mit ihr und durch sie hat man 119 Minuten lang seine Freude. Sie ist die stämmige durchsetzungsfähige Dame, welche genau weiß, was sie will und unter allen Umständen bereit ist dies auch zu bekommen.

Ob es die tollpatschigen Momente sind, wenn sie versucht sich auf Englisch zu verständigen oder die Mutter und Hausfrau in ihr durchkommt, wenn sie bei einem bekannten Schauspieler zu Hause eine schon fast vertrocknete Pflanze findet.

Rabiye Kurnaz vs. George W. Bush von Andreas Dresen © Luna Zscharnt / Pandora Film
Rabiye Kurnaz vs. George W. Bush von Andreas Dresen © Luna Zscharnt / Pandora Film

Die erzählerische Balance trotzt den Comedy-Elemente

All diese Momente machen den Film sehr liebenswert. Und trotz des starken Comedy Gehalts, findet der Film aber auch in seinen ruhigeren Momenten eine gute Balance diese zu erzählen. Wenn es darum geht das Murat nun schon über 1000 Tage in Guantanamo sitzt oder als Docke Rabiye berichten muss das ihr Sohn gefoltert wurde. Das sind Momente, in denen wieder die Biografie der Geschichte durchbricht. Denn das vergisst man manchmal bei den ganzen Wortwitzen, dass hinter allen Charakteren im Film echte Menschen steckten, welche die Geschichte durchlebt haben.

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Das könnte man als einzigen Kritikpunkt anmerken, dass die Geschichte des Murat Kurnaz nicht zum Lachen war, hier jedoch so leicht dargestellt wird. Kaplan schafft aber auch hier den Spagat zwischen echten Emotionen und ihren starken lustigen Reden. Das ist fast das schönste an diesem Film das man zwischen Tränen und Lachen steckt und mit einer Leichtigkeit aus dem Kino geht, was man bei einem solchen Thema in der deutschen Kinolandschaft nicht gedacht hätte.

Fazit: Man kann den Film jedem ans Herz legen. Gute Unterhaltung, und dazu richtig stark umgesetzt, ist wirklich schwer zu finden im deutschen Film. Dresen hat allerdings (s)ein Goldstück gefunden und dieses heißt Meltem Kaplan. Film Bewertung 10 / 10

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