Blonde bewegt sich auf einem schmalen Grat und bietet dabei ein visuelles Feuerwerk

Blonde bewegt sich auf einem schmalen Grat und bietet dabei ein visuelles Feuerwerk

Genre: Biopic / Drama | Produktion: USA 2022 | Laufzeit: ca. 166 Minuten | Regie: Andrew Dominik

Mit: Ana De Armas, Adrien Brody, Sara Paxton, Bobby Cannavale, Jessica Chastain, Xavier Samuel, Julianne Nicholson, Caspar Phillipson u.a


Inhalt: Wir schreiben das Jahr 1933. Ein kleines Mädchen namens Norma Jeane Baker wird von ihrer psychisch kranken Mutter terrorisiert. Das kleine Mädchen wächst heran und wird zur Leinwandlegende Marilyn Monroe (Ana de Armas). Wir verfolgen ihren Weg von den ersten Filmen und den ersten Liebhabern bis hin zu Manche mögen’s heiß und den Begegnungen mit Präsident John F. Kennedy.

© Netflix

Die Geschichte von Andrew Dominiks Blonde wird mit der Darstellung von Kindesmissbrauch eröffnet und lädt uns dazu ein, eine umfangreiche Galerie von Personen zu betrachten, die Marilyn Monroe Unrecht getan haben. Die Palette reicht von leicht herablassenden oder durchschnittlich sexistischen Menschen bis hin zu den Personen, die körperliche und sexuelle Übergriffe begangen haben.

Zwischen diesen Leidensgeschichten werden wir mit tadellosen Rekonstruktionen von berühmten oder bedeutenden Momenten aus Monroes Filmen verwöhnt. Szenen wie die von Addison DeWitt in Alles über Eva, die Monroes Figur der Möchtegern-Darstellerin rät, sie solle unbedingt einen Produzenten glücklich machen, wenn sie im Showbusiness weiterkommen wolle.

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Diese unheimlichen Szenen sind ebenso wunderschön und könnten ein eigenständiges Kunstprojekt sein. Das gilt auch für Gus Van Sants Psycho-Remake von 1998, bei dem die Bilder größtenteils originalgetreu nachgestellt wurden. Blonde enthält auch Momente von grandiosem erotischen Surrealismus. Dazu gehört ein flotter Dreier, der als elegant verzerrtes Kneten des Fleisches in seltsame neue Formen gefilmt wurde, ähnlich wie eine sexy Version des Abschlusses von Brian Yuznas Society.

Ana De Armas als Marilyn Monroe
Ana De Armas als Marilyn Monroe in „Blonde“ © Netflix

Der Film schildert ihren Weg zum Ruhm recht vage

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch von Joyce Carol Oates, aber natürlich kann ein Buch keine filmischen Rekonstruktionen, visuellen Tricks oder Musik beinhalten. Die elegante Filmmusik von Nick Cave und Warren Ellis erinnert an Angelo Badalamentis Arbeit an Twin Peaks – und hat eine großartige Wirkung.

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Im Buch werden zwar all das Elend und der Missbrauch erwähnt, aber es wird auch versucht, ein umfassenderes Bild von den Licht- und Schattenseiten zu vermitteln und Monroes Ehrgeiz von innen zu beleuchten. Sie war intelligent und hat auf verschiedene Weise hart gearbeitet, um ihren Ruhm zu erlangen. Doch der Film schildert ihren Weg zum Ruhm recht vage und zieht es vor, sie als einen Schmetterling darzustellen, der immer wieder brutal verletzt wird.

Es ist nicht die Aufgabe eines Biopics, eine objektive Kopie seines Themas zu schaffen. Es ist nicht möglich, jeden Aspekt des Lebens eines Menschen umfassend zu vermitteln. Man muss eine Auswahl treffen. Ein gutes Biopic muss sich entscheiden, welchen Blickwinkel es einnehmen will.

Ana De Armas als Marilyn Monroe
Blonde mit Ana De Armas © Netflix

Blonde bietet ein spektakuläres visuelles Feuerwerk

Das Porträt, das dieser Film von Monroe entwirft, zeigt ein kleines, verlorenes Mädchen, das seine Liebhaber immer wieder „Daddy“ nennt und auf fast jeden neuen Rückschlag mit dem gleichen tränenreichen Schmollmund reagiert. Ana de Armas‘ Leistung ist kraftvoll (und oscar-reif), aber ihre Flughöhe fühlt sich begrenzt an. Während der gesamten Laufzeit hat man nur bedingt das Gefühl, dass Monroe sich durch das, was sie erlebt, weiterentwickelt.

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Eine Schwierigkeit besteht vielleicht darin, dass das Image von Marilyn zu mächtig ist – wer würde es schon freiwillig demontieren? Während ein Buch davon erzählen kann, dass Marilyn als eine von Norma Jeane getrennte Person existierte, und es uns ermöglicht, uns im Geiste ein Bild von der realen Frau zu machen, die schon existiert, bevor sie das Set betritt, muss ein visuelles Medium wie das Kino eine Entscheidung treffen, ob es dies zeigen will oder nicht,

Und Dominik entscheidet sich dafür, uns in jeder Einstellung eine perfekt aussehende Marilyn zu zeigen, ganz gleich, wie sehr sich Norma Jeane von ihrer Leinwandpersönlichkeit entfremdet fühlt. Das Interesse an der Oberfläche ihrer Sinneswelt ist größer als am Innenleben, daher ist Blonde nur schwer greifbar.

Fazit: Es ist ein schmaler Grat zwischen Darstellung der Art und Weise, wie Marilyn Monroe unterschätzt wurde, und der Bestätigung dieser Einschätzung. Blonde landet nicht immer auf der richtigen Seite dieser Trennlinie, hat aber ein spektakuläres visuelles Feuerwerk zu bieten.

Film Bewertung 6 / 10

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