"Morbius" schafft es nicht eine spannende Ursprungsgeschichte zu liefern

"Morbius" schafft es nicht eine spannende Ursprungsgeschichte zu liefern

Genre: Action / Abenteuer | Produktion: USA 2020 | Laufzeit: ca. 104 Minuten| Regie: Daniel Espinnosa Mit: Jared leto, Matt Smith, Jared Harris, Adria Arjona, Michael Keaton, Tyrese Gibson u.a


Inhalt: Der geniale Mediziner Dr. Michael Morbius (Jared Leto) stirbt nach und nach an einer Blutkrankheit. Bei der Suche nach einem Heilmittel verbindet er, unterstützt von seinem Jugendfreund Milo (Matt Smith) und mit Hilfe seiner Kollegin Martine (Adria Arjona), menschliche DNA mit der einer Vampirfledermaus. Das Verfahren hat einige übermenschliche Nebenwirkungen – doch kann er sie kontrollieren?

© Sony Pictures Germany

Das Thema Superhelden wird immer düsterer. Die Idee „düsterer“ Comic-Verfilmungen ist nicht gerade neu, aber in letzter Zeit haben sie einen Gang zugelegt. Zum Beispiel mit Matt Reeves‘ außergewöhnlich düsterem The Batman und Marvels Ausflug in die finstere Mythologie von Moon Knight.

Sonys neuester Spidey-Bösewicht-Spin-Off, der an das MCU angelehnt ist, versucht, auf diesen Zug aufzuspringen und konzentriert sich auf den blutrünstigsten aller Anti-Helden: einen lebenden Vampir. Im Gegensatz zum glücklosen Eddie Brock, dem anderen Anti-Helden der Franchise mit dem unglücklichen Namen Sony Pictures Universe Of Marvel Characters (oder „SPUMC“), ist Dr. Michael Morbius aktiv auf der Suche nach seiner Superkraft.

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Als medizinisches Genie, Nobelpreisverweigerer, Erfinder von künstlichem Blut und Patient mit Blutkrankheit im Endstadium nutzt er die superwichtigen Antikoagulantien im Blut von Vampirfledermäusen, um ein Heilmittel zu entwickeln, das seinen ausgemergelten, zerbrechlichen Körper in einen kräftigen, muskulösen verwandelt.

Es gibt nur ein Problem: Er braucht jetzt menschliches Blut, um zu überleben. Man sollte sich nicht zu viele Gedanken über den wissenschaftlichen Kram machen, denn das Drehbuch von Morbius tut das jedenfalls auch nicht.

Jared Leto als Morbius
© Sony Pictures

Das muss schon etwas heißen, wenn die solideste Darbietung seit Jahren die eines übermenschlichen Vampirs ist. Doch genau das trifft auf Jared Leto zu, der hier eine unaufdringliche Seriosität an den Tag legt, die deutlich unauffälliger ist als die verstörenden Akzente („House Of Gucci“) und messianischen Tendenzen („WeCrashed“) der jüngeren Rollen.

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Das Haupt-Trio, bestehend aus ihm, Matt Smith (Morbius‘ Kumpel Milo) und Adria Arjona ( in der Rolle der Kollegin Martine Bancroft), ist bedauernswert schwach entwickelt. Abgesehen von ihrer Beziehung zu Morbius ist die Charakterentwicklung von Milo und Martine nicht existent.

Milo wird in die Rolle eines Cartoon-haften Bösewichts gedrängt (die Smith im Schlaf beherrscht, die aber trotzdem nicht zufriedenstellend ist), und Martine ist am Ende nicht mehr als eine x-beliebige Liebesgeschichte.

© Sony Pictures

Morbius bietet interessante Dinge im visuellen Bereich

Aus visueller Sicht macht Morbius einige sehr interessante Dinge mit den Kräften seines Titelhelden. Seine Supergeschwindigkeit wird durch einen wabernden Schleier um ihn herum symbolisiert, was nicht ganz funktioniert. Aber der Einsatz von Zeitlupen, um Momente aus den hektischen Szenen herauszugreifen, ist wirkungsvoll. Ein ausgedehnter Kampf und die Flucht durch eine U-Bahn-Station sind ein besonderes Highlight.

Es ist auch cool zu sehen, wie seine Echolot-Kräfte von Wänden abprallen, durch New York City schwappen und durch die Luft pulsieren, während er einem Herzschlag folgt. Es ist nur schade, dass wir nicht sehen, wie er das alles in den Griff bekommt. Stattdessen werden seine Fähigkeiten in einem Expositionsbericht erklärt und anscheinend auch sofort beherrscht.

All das geht im Endspurt des letzten Aktes unter, in dem jegliches Gefühl für den Höhepunkt der Handlung durch unaufhörliche Fledermausschwärme, schlecht gerendertes splitterndes Glas und verschwommene, zerfallende Gebäude völlig verschleiert wird.

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Das Grundkonzept von Morbius ist überzeugend: Zwei Freunde, die sich so nahe stehen, dass sie Brüder sein könnten, und die durch ihr persönliches Leid miteinander verbunden sind, würden alles tun, um einen Tag zu erleben, an dem sie sich wieder lebendig fühlen und nicht an der Schwelle des Todes stehen.

Leider wird diese Idee nicht von allen anderen Filmkomponenten unterstützt. Die chaotische Action, die hauchdünnen Charaktere und die noch dünnere Handlung machen das kaputt, was eine einfache, düstere und interessante Erweiterung des SPUMC hätte werden können. Und von den unsäglichen Szenen im Abspann wollen wir gar nicht erst anfangen.

Fazit: Trotz solider Leistungen und vielversprechender Ansätze ist Morbius eine flache, Vergessens würdige Angelegenheit, die es nicht schafft, eine Anti-Helden-Ursprungsgeschichte zu liefern, an der man sich wirklich festbeißen kann. Film Bewertung 4 / 10

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